Kleine Ziele und große Träume

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      Kleine Ziele und große Träume

      Wir schreiben den 21. März 2009: Um 15:30 trafen wir an diesem 26. Spieltag auf den VfL Oldenburg. Beide Teams hatten in der Oberliga Niedersachsen keine Aufstiegschancen und auch mit dem Abstieg dürften beide Vereine nichts mehr zu tun haben, aber natürlich wollten wir die drei Punkte in Hameln behalten. Mit 1:0 war man gerade in Führung gegangen, als ich den Ball von der linken Seite bekomme und sauber annehme. Jetzt nur noch den Pass auf die Stürmer bringen und das 2:0 wäre möglich, doch schon sehe ich aus dem Augenwinkel den Verteidiger heran rauschen der zur Grätsche ansetzt, zwar irgendwie auch den Ball trifft, aber vor allem mich 20 Meter vor dem Tor brutal von den Beinen holte. Die rote Karte war eine Randnotiz ebenso wie die Tatsache dass wir nach meiner Auswechslung noch den 1:1 Ausgleich bekommen hatten, was mir irgendwann nach dem Röntgen im Krankenhaus mitgeteilt wurde. Mit einem Kreuzbandriss sowie einem Teilabriss des Innenbands war die Saison natürlich gelaufen, welche mein Verein, die SpVgg Preußen Hameln, auf dem 10. Tabellenplatz beendete. Und auch in der kommenden Spielzeit, der Saison 2009/2010 war ich lange Zeit gezwungen die Spiele als Zuschauer zu erleben, was besonders schwer fiel da man schnell in den Abstiegskampf hinein rutschte. Zum Saisonende kam ich zwar noch zu fünf Einsätzen, aber das änderte auch nichts mehr am Abstieg in die Landesliga. Besonders bitter war hierbei die Tatsache, dass wir auf dem 12. Tabellenplatz lediglich einen Punkt hinter der Reserve des VfL Osnabrück auf dem rettenden 10. Platz lagen.

      Zur Spielzeit 2010/2011 traf ich die schwere Entscheidung meine Karriere mit erst 27 Jahren zu beenden, da ich nach den wenigen Einsätzen in der Vorsaison direkt wieder Knieprobleme hatte und erkennen musste, dass es keinen Sinn mehr machte. Und war diese Tatsache schon traurig genug, so sollte der wahre Schock im Herbst folgen: Mit dem Ziel Wiederaufstieg war man sportlich durchwachsen in die Landesligasaison gestartet, doch viel schwerer wogen die finanziellen Probleme, so dass man am 8. September 2010 die Mannschaft aus der Landesliga zurück zog und Insolvenz anmeldete. Nach 103 Jahren gab es den größten Traditionsverein des Landkreises Hameln-Pyrmont nicht mehr, den Verein für den ich seit frühester Kindheit fast durchgehend gespielt hatte.


      2011/2012 startete man mit dem neu gegründeten FC Preußen Hameln ganz unten in der 3. Kreisklasse, wo man auf Anhieb Meister wurde und hoffte die alte Tradition unter neuen Namen fortsetzen zu können. Ich blieb dem Verein auch weiterhin treu, wenn auch nicht mehr als Spieler. Die Verletzungspause hatte ich genutzt um die Trainerlizenz zu erwerben, so dass ich die B-Jugend, also die Hamelner U17 in dieser Saison übernahm. Nach einer guten Saison mit der U17 ergab sich allerdings die Möglichkeit einen Kreisligisten zu übernehmen, wo direkt der Aufstieg gelang und auch in der Bezirksliga fast der Durchmarsch gelungen wäre, so dass ich mir in nur drei Jahren einen durchaus beachtlichen Ruf als Trainer gemacht hatte.

      So gut es für mich persönlich lief, so sehr schien der Fußball im Landkreis zunächst im grauen Mittelmaß zu verschwinden. Die SSG Halvestorf, noch mit Preußen Hameln zusammen in der Landesliga spielend, stieg ein Jahr nach dem Rückzug der Preußen auch aus der 6. Liga ab. Während man noch davon träumte, dass Preußen in den 70ern im DFB-Pokal spielte, bis in die 90er immer mal wieder drittklassig spielte und sogar die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga bestritten hatte drohte nun die Bedeutungslosigkeit. Der einzige Hoffnungsschimmer war hier HSC Blau-Weiß Tündern, ein kleiner Hamelner Ortsteil, welcher 2011 in die Landesliga aufgestiegen waren und hier die Klasse halten konnte, aber aufgrund geringer Möglichkeiten auch kaum Ambitionen zu mehr hatten, so dass man in der Folgesaison den Abstieg auch nur knapp entging. 2013 kam mit der SpVgg Bad Pyrmont ein weiterer Verein dazu, welcher ebenso wie Tündern die Klasse halten konnte und ab 2014 spielte mit SG Hameln 74 auch endlich wieder ein Verein aus der Rattenfängerstadt in der Landesliga und diese Saison sollte bei den drei Vereinen sehr emotional werden: HSC Tündern landete nach einer schlechten Saison nur auf dem 14. Tabellenplatz und stieg in ihrem vierten Landesligajahr wieder ab, während sich Bad Pyrmont nach dem 12. Platz im Vorjahr dieses Mal erst in den Relegationsspielen rettete und somit die Klasse hielt. Der absolute Kontrast dazu war der Aufsteiger SG 74, der schon im Vorjahr die Bezirksliga beeindruckend dominiert hatte, sich auch eine Spielklasse höher als Spitzenteam präsentierte und tatsächlich den direkten Aufstieg schaffte. Somit startete erstmals seit fünf Jahren wieder eine Mannschaft aus dem Kreis in der Oberliga Niedersachsen und es war ausgerechnet die SG 74, die seit ihrer Gründung 1974 immer im Schatten der großen Preußen standen und bisher nur auf Kreis- und Bezirksebene ein paar Erfolge feiern konnten. Das wäre ungefähr vergleichbar, als würde Unterhaching die Rolle von Bayern München einnehmen.



      2015...


      [Quelle: dewezet.de]

      „Herr Koch, sind sie da?“ hörte ich irgend wen meinen Namen rufen. Es war eins der letzten warmen Wochenenden im September, als ich direkt nach Feierabend zum Hafen gefahren war. Da ich schon immer gerne in meiner Freizeit zum angeln ging, passte es dass ich Anfang des Jahres recht günstig zu einem Hausboot kam was im städtischen Hafen liegt. Da ich nach drei erfolgreichen Jahren in der Kreis- und dann Bezirksliga den Trainerposten abgab, hatte ich nun an den Wochenenden mehr Zeit für andere Dinge und so nutzte ich diese Zeit meist um das Boot zu verschönern, welches auch ein Ersatz für den fehlenden Garten an meiner Wohnung war und die perfekte Entspannung nach Feierarbeit bot. Abgesehen davon konnte ich auch mal wieder feiern gehen, durchaus ein Vorteil als überzeugter Single und so ein Boot macht sich dann auch echt gut. Und natürlich interessierte mich der Fußball unverändert, so dass ich mir öfter Spiele im Kreis anschaute, vor allem aber auch öfter in die Veltins-Arena kam um meinen Lieblingsverein, den FC Schalke 04, live zu sehen.

      Hatte ich gerade ein wenig im Innenbereich gebastelt ging ich nun nach draußen um zu schauen, wer nach mir gerufen hatte, gerade da nicht so viele wussten dass ich hier zu finden wäre. Ich entdeckte einen Mann im Hemd und Anzughose, den ich auf ungefähr 60 Jahre tippte und zunächst nicht direkt erkannte. Erst als er näher kam und etwas skeptisch die kleine Brücke zum Boot betrat konnte ich ihn den Fotos aus der lokalen Zeitung zuordnen: Wilfried Schmidt, 1. Vorsitzender von SG Hameln 74.

      „Ihre Nachbarin meinte dass ich sie hier finden könnte. Ich war eben schon bei ihnen.“ fing er das Gespräch an, während ich mich fragte, was dieser Besuch zu bedeuten hatte.

      „Ja an den Wochenenden bin ich sehr viel hier.“ entgegnete ich kurz und bot ihm an einen Platz am Tisch an. „Möchten sie etwas trinken? Kaffee, Wasser, Bier?“

      „Danke, einen Kaffee bitte.“

      Als er sich gesetzt hatte und ich von drinnen den gerade frisch aufgesetzten Kaffee und Tassen geholt hatte, setzte ich mich auch, zündete mir eine Zigarette an und wollte nun natürlich wissen, was Herr Schmidt für ein Anliegen hatte: „Was verschafft mir denn die Ehre?“

      „Nun ich habe ein wenig ihre Karriere nach der schlimmen Verletzung damals verfolgt...“ fing er an, trank kurz einen Schluck Kaffee und fuhr dann fort: „Ich habe letzte Woche mit Verantwortlichen ihres letzten Clubs telefoniert, da ich den Eindruck hatte dass sie nicht nur eine gute Trainerarbeit geleistet haben, sondern sich auch damit abhoben die richtigen Spieler zu einem Wechsel zu bewegen oder Argumente hatten diese zu halten. Immerhin erinnern sie sich bestimmt daran, dass wir in der Vorsaison auch an zwei Akteuren interessiert waren. Na zumindest wurde meine Vermutung in diesen Telefonaten absolut bestätigt.“

      Daran erinnerte ich mich natürlich, denn es waren zwei talentierte Spieler, die in den Fokus des Landesligisten gerückt waren und wegen denen Peter Thimm, Trainer von SG 74, bei uns angefragt hatte. Allerdings entschieden sich am Ende beide für einen Verbleib und gegen den Wechsel zum höherklassigen Team. „Danke für das Kompliment. So etwas hört man doch gerne, wenn sich gute Arbeit herum spricht und honoriert wird.“ Sicherlich war es so, dass ich irgendwie Trainer und Manager zugleich war, was jetzt aber auf Bezirksebene sicherlich nicht so besonders sein dürfte und hier der Aufwand noch im Rahmen ist. Trotzdem wunderte ich mich ein wenig, da dieses Gespräch deutlich in die Richtung Verhandlungsführung ging und dabei musste man mit der Arbeit von Peter Thimm doch hoch zufrieden sein.

      Hier soll der Platz sein um noch einmal kurz darauf zu schauen, wie SG 74 nun eigentlich in die neue Saison gestartet war. Mit einem 4:1 gegen TB Uphusen, einem 5:1 beim VfL Oldenburg, einem Unentschieden gegen Arminia Hannover, Siegen gegen Wunstorf und Bückeburg sowie zuletzt einem 1:1 bei Spelle-Venhaus war man mit 14 Punkten überzeugend gestartet und hatte nach dem 6. Spieltag die Tabellenführung errungen. Dazu kamen im NFV-Pokal Siege gegen Eintracht Northeim und überraschend gegen Regionalligist VfV Hildesheim, die man im Elfmeterschießen ausschalten konnte und somit im Viertelfinale steht. Also garantiert alles andere als Gründe für eine Trainerdiskussion.

      „Peter ist ein guter Trainer und machte bisher auch die anderen Aufgaben sehr gut, aber wir denken dass wir den Bereich Sportdirektor noch anders besetzen könnten um uns hier zu verbessern und da haben wir zuletzt einige Namen diskutiert bei denen auch ihre Person eine Rolle spielt und für mich sicherlich die beste Option wäre.“ fuhr er fort, ohne dass ich meine Überlegungen und Fragen aussprechen musste.

      „Ein langjähriger Preußen Spieler bei SG 74? Meinen sie dass so etwas gut gehen kann?“ sprach ich meine Bedenken und Zweifel direkt aus.

      „Was zählt sind erst einmal die Qualitäten und wie sehr jemand sich für die Aufgabe begeistern kann.“

      „Die Aufgabe ist ohne Frage reizvoll, es wäre toll wenn Hameln einen Verein behält, der mindestens in der Oberliga spielt und sich da etablieren kann. Aber von welchem Zeitpunkt reden wir eigentlich als Startdatum?“ Dass ich durchaus interessiert wäre, stand eigentlich gar nicht zur Diskussion und da es in diesen Ligen auch noch nicht um große Gelder geht, war auch ein Vertragspoker nicht wirklich angezeigt. Ich hatte zum Glück früh erkannt, dass meine fußballerische Qualität eher für den Amateurbereich reichen würde und so die Schule nicht vernachlässigt, so dass es immerhin zum Realschulabschluss und einer kaufmännischen Ausbildung reichte. Inzwischen war ich seit einigen Jahren bei einem großen Hamelner Autohaus angestellt, welches Marken aus Wolfsburg und Ingolstadt verkaufte, womit ich auch so nicht schlecht verdiente.

      „Ich dachte da an den 1. Januar. Das wäre wohl ideal um genug Vorlauf für die Kaderplanung zu haben, denn nach dieser Saison werden uns eh einige Spieler verlassen. Wir haben dort vier bis fünf Akteure die aus Altersgründen aufhören wollen und einer wird im Juni beruflich nach Bayern ziehen, also dort wäre einiges zu tun.“

      Das klang doch alles sehr vernünftig und wie gesagt durchaus interessant und so unterhielten wir uns bei noch zwei weiteren Kannen Kaffee noch eine ganze Zeit. Meine Vorstellungen und Ideen schienen Wilfried Schmidt zu überzeugen, so dass das Gespräch am späten Abend mit einem Handschlag und einer mündlichen Einigkeit beendet wurde...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Alex1982“ ()

      Ey siika, da traut sich einer in unser Revier


      Schön geschriebene Einleitung. Oberliga hatten wir lange nicht, wobei du natürlich bei siika und mir gleich mal nen Punktabzug bekommst weil du von einem Sieg über Bückeburg sprichst. Sowas nehmen wir persönlich. :D
      Nein natürlich nicht, wir haben schon noch einen Blick dafür, wenn plötzlich ein neuer Rattenfänger auftaucht. Wünsch dir, aber auch uns, viel Vergnügen bei deinem Unterfangen.
      "Lohnt es sich denn?" fragt der Kopf.
      "Nein, aber es tut so gut!" antwortet das Herz.

      Autor: unbekannt
      Recht hast Du Lancelot: Gibt natürlich Punktabzug! ;)
      Andererseits schreibt er, dass Schalke 04 sein Lieblingsverein sei - das gibt natürlich eine Menge Pluspunkte!

      Im Ernst: Ein guter Beginn, der auf Fortsetzungen in gleicher Art hoffen lässt!
      Hauptstory:
      Gloria Viktoria
      Story des Monats: 03+07/2012 | 01,10+11/2013 | 06/2014
      Oscargewinner: Beste Kadervorstellung/-analyse, Beste Story SI, Beste Story Gesamt (2012), Beste Einleitung, Beste Story SI, Lebenswerk(2013)
      Puh, das war anstrengend, das liegt aber nicht an dir, sondern an mir. Ich bin es einfach schon nicht mehr gewohnt so viel Erzählung am Stück zu lesen. Dabei liebe ich diese kleinen Romane. ^^ Egal, ob es jetzt nur die Einleitung war oder Auftakt zu mehr, es ist sehr gefühlvoll in Szene gesetzt.

      Dem Verein stehe ich vollkommen neutral gegenüber, abgesehen vom Wissen ob seiner Existenz weiß ich eigentlich gar nichts über ihn. Entsprechend ist da noch viel Luft um ihn mir bekannt zu machen.

      PS: Ohne dir in die Kandare fahren zu wollen, aber was wird jetzt eigentlich aus dem HSV. War der "Paukenschlag" auch der Schlussstrich? Wenn ja, so wär es schade darum.

      Lancelot schrieb:

      Ey siika, da traut sich einer in unser Revier


      Schön geschriebene Einleitung. Oberliga hatten wir lange nicht, wobei du natürlich bei siika und mir gleich mal nen Punktabzug bekommst weil du von einem Sieg über Bückeburg sprichst. Sowas nehmen wir persönlich. :D
      Nein natürlich nicht, wir haben schon noch einen Blick dafür, wenn plötzlich ein neuer Rattenfänger auftaucht. Wünsch dir, aber auch uns, viel Vergnügen bei deinem Unterfangen.


      Danke :) Es soll ja nicht lange eine Oberligastory bleiben, was allerdings vor allem am fm liegt dass man nach paar Jahren keine Oberliga Niedersachsen mehr hat, sondern eher eine mixed Liga. Aber bei der regionalen Lage und dem Wissen sollte ich mir den VfL Bückeburg mal im Hinterkopf behalten.

      siika04 schrieb:

      Recht hast Du Lancelot: Gibt natürlich Punktabzug! ;)
      Andererseits schreibt er, dass Schalke 04 sein Lieblingsverein sei - das gibt natürlich eine Menge Pluspunkte!

      Im Ernst: Ein guter Beginn, der auf Fortsetzungen in gleicher Art hoffen lässt!


      Da fragt man sich ob der Punktabzug oder die Pluspunkte überwiegen!? :P Die Art wollte ich schon so in etwa beibehalten, weswegen ich schon anfange Randgeschichten potentiell einzubauen

      Panthera schrieb:

      Puh, das war anstrengend, das liegt aber nicht an dir, sondern an mir. Ich bin es einfach schon nicht mehr gewohnt so viel Erzählung am Stück zu lesen. Dabei liebe ich diese kleinen Romane. ^^ Egal, ob es jetzt nur die Einleitung war oder Auftakt zu mehr, es ist sehr gefühlvoll in Szene gesetzt.

      Dem Verein stehe ich vollkommen neutral gegenüber, abgesehen vom Wissen ob seiner Existenz weiß ich eigentlich gar nichts über ihn. Entsprechend ist da noch viel Luft um ihn mir bekannt zu machen.

      PS: Ohne dir in die Kandare fahren zu wollen, aber was wird jetzt eigentlich aus dem HSV. War der "Paukenschlag" auch der Schlussstrich? Wenn ja, so wär es schade darum.


      Danke, sowas liest man doch gerne. Und aufgrund solcher Texte wird man wohl auch im Schnitt kein so krasses Tempo hinbekommen, auch wenn ich jetzt die ersten Teile vorgeschrieben habe, aber klar bei längeren Pausen auch mehr Zeit zum lesen hoffe ich.

      Das schöne ist dass ich wirklich hier wohne, demnach viel einbauen kann oder fiktiv umändern kann, eben weil das wissen fehlt. Also sollte das mit dem Verein kennen lernen klappen.

      Ja das beim HSV war das Ende, auch wenn ich erst noch überlegt hatte ein 10 years after oder so nachzulegen. Aber ich hatte damals beim Anfang der HSV Story schon gesagt dass das für mich auch ein Versuch war wieder ins Schreiben rein zu kommen und dass ich mittelfristig eher sowas hier anstrebe. HSV war nice zu spielen, aber mir fehlte da ein wenig der Spielraum und ich mag lieber die Stories in diesem Stil und immerhin hab ichs geschafft, dass der HSV in der Realität wirklich wieder stärker ist :)
      Nun schaute ich am Wochenende natürlich noch genauer auf das, was SG 74 in der Oberliga machte und war auch einige Male im Stadion. So zum Beispiel beim 2:2 gegen die Reserve des VfL Osnabrück am 7. Spieltag, also dem ersten Spiel nur zwei Tage nach dem Gespräch mit Wilfried Schmidt. Nachdem ich mich im Oktober auch noch mit Peter Thimm getroffen hatte, die restlichen Personen kennen lernte die im Verein eine Rolle spielten und die letzten Eckdaten geklärt waren konnte ich Mitte Oktober einen Vertrag unterschreiben.


      [Quelle: karrierebibel.de]

      Die Eckdaten waren schnell zusammen gefasst: Zunächst einmal auf den 30. Juni 2018 datiert, wie erwartet kein Grundgehalt so wie es auch bei Trainer Thimm der Fall ist, aber wie auch bei ihm kleinere Erfolgsprämien und Aufwandsentschädigungen.

      In den folgenden Wochen feierte man vier Ligasiege in Folge, welche erneut die kurz abgegebene Tabellenführung bedeutete und die Euphorie weiter steigerte. Dazu kam mit einem Erfolg über den 1. FC Egestorf-Langreder auch noch der Halbfinaleinzug im NFV-Pokal. Nach der Siegesserie schlug es jedoch ins Gegenteil um, es gab drei Niederlagen gegen direkte Konkurrenten und ein schwaches 1:1 gegen den SSV Jeddeloh. Zwar gab es vor der Winterpause noch einen Sieg bei TB Uphusen, aber eine 2:3 Niederlage gegen den VfL Oldenburg und als negativen Höhepunkt eine 0:5 Klatsche bei Arminia Hannover, was nach dem 18. Spieltag kurz vor Weihnachten nur den 7. Tabellenplatz bedeutete. Die Schwächen waren dabei durchaus sichtbar: In der Defensive war das Durchschnittsalter einfach zu hoch, was gerade gegen schnell spielende Offensiven auffiel und oftmals waren es einige wenige Spieler die mit ihrer individuellen Klasse Punkte brachten, aber so überzeugend wirkten Taktik und Einstellung der Mannschaft nie. Dazu kam, dass zum Beispiel Mannschaften wie Teutonia Uelzen, welche mit 6:1 besiegt wurden, einfach nicht die nötige Qualität mitbrachten.


      [Quelle: kicker.de Tabellenrechner]

      Ich war mir sicher, dass dort durchaus einiges an Arbeit auf mich zukam, so dass ich die Weihnachtstage noch einmal nutzte um einige Tage raus zu kommen und deswegen eine Freundin in Düsseldorf besuchte. Dieses Abschalten hielt genau bis zum 1. Feiertag, als mein Handy klingelte und sich Wilfried Schmidt am anderen Ende meldete. „Thimm ist zurück getreten.“ Das war die eine wichtige Aussage, die schon sichtlich überraschend kam, denn eigentlich stimmten die Ergebnisse ja und mit dem Abstieg würde man garantiert nichts mehr zu tun haben. Warum also? Noch während wir telefonierten hatte ich mich an den Laptop gesetzt und auf Awesa, einer regionalen Fußball-Website, zu schauen. Dort stand, dass der Rücktritt die Konsequenz daraus sei, dass er das Gefühl hatte die Mannschaft nicht mehr zu erreichen. So war mein Urlaub schneller als gedacht beendet, denn eigentlich wollte ich erst am 1. Januar nach Hameln zurück fahren, doch nun hatte sich alles geändert und auch wenn die Spieler bis ins neue Jahr frei hatten, wollte ich meinen neuen Job dort bereits jetzt antreten welcher sich ein wenig geändert hatte, denn Schmidt hatte mich überredet nun beide Posten, also den des Trainers zusätzlich, zu übernehmen und so stand ich am 27. Dezember morgens am Vereinsheim in der Heinestraße, wo ich mit Wilfried Schmidt und dem aktuellen Co-Trainer Sascha Krömer verabredet war.



      Von meiner Wohnung aus war es nur ein kurzer Weg über die Weser und in die Nordstadt, wobei bei gut 60.000 Einwohnern wohl jeder Weg innerhalb der Stadt als kurz zu bezeichnen wäre. An der Geschäftsstelle, die scheinbar in einem normalen Wohnhaus zu finden war, fuhr ich allerdings weiter, vorbei an den Tennisplätzen und Tennishallen hin zum Vereinsheim welches aus zwei Gebäuden bestand, wo ich aber wusste dass rechts vor allem die Umkleidekabinen waren. „Sie müssen der Herr koch sein!?“ hörte ich da aber schon eine Stimme und erblickte eine männliche Person im Blaumann, der auf mich zukam. „Ich bin Rudi, Rudi Pfeil, aber ruhig nur Rudi. Ich bin hier so was wie Platzwart, Zeugwart, Betreuer oder alles zusammen.“ stellte er sich direkt vor. „Freut mich; Alex“ entgegnete ich kurz und reichte ihm die Hand wobei ich das angebotene Du zurück gab, als ich meinen Wagen abgeschlossen hatte. „Willi hat angerufen, dass er noch einen Termin hat und es etwas später wird und Sascha, ja der ist eh nie pünktlich. Soll ich dir solang schon mal alles zeigen? Die anderen können auch noch kurz warten.“ Kurz überlegte ich, wen er mit die anderen meinte, aber erst einmal überging ich das und war einverstanden erst mal alles hier zu sehen. Wie ich es noch richtig in Erinnerung hatte befanden sich in dem rechten Gebäude vier Umkleidekabinen mit Duschen, Räumlichkeiten für die Schiedsrichter, öffentliche Besuchertoiletten, zwei Mehrzweckräume in denen sich neben Trainingsutensilien noch Rasenmäher, Kreidemaschine und ähnliches befanden. All das befand sich im Erdgeschoss, während die obere Etage einer Baustelle glich und warum auch immer nicht ausgebaut und unbenutzt war. Über einen Weg rechts vorbei an diesem Gebäude konnte man nun auf die beiden Sportplätze blicken die hinter einander lagen. Der vordere Platz war der offizielle Spielort der 1. und 2. Mannschaft sowie der B-Jugend und war von einigen Bäumen umstanden. Der hintere Platz hingegen war komplett von einem Zaun umgeben und diente als Spielort der C-, D- und E-Jugend sowie als Trainingsplatz. Zwischen den beiden Plätzen entdeckte ich rechts noch einen zwei Wagen, die man als Bier- und Bratwurstverkauf identifizieren konnte. Außerdem gab es draußen noch eine Rasenfläche, wo sich unter anderem noch Tore und ein Volleyballnetz befanden. An sich eine ganz schöne Anlage, auch wenn ich mir schon einige Dinge notiert hatte, die mir nicht so gut gefielen und die vielleicht ein Problem sein könnten.


      [Quelle: Rattenfängertrophy.de]

      Nun hatten wir den Rundgang beendet und standen wieder auf dem Parkplatz zwischen den beiden Gebäuden und ich entdeckte nun auch den silbernen Mercedes, von dem ich wusste dass er dem 1. Vorsitzenden gehörte und so steuerte Rudi jetzt auch auf das linke Gebäude zu. „Unten ist noch eine Kegelbahn mit Clubraum, also nicht wundern wenn hier ganz viele alte Damen am Donnerstagabend rum laufen.“ erklärte er kurz als wir die Treppe nach oben gingen. Ich wusste dass sonst noch Tennis, Tischtennis und Volleyball vom Verein gefördert wurde; an dem Bereich der Tennis- und Tischtennissparte war ich ja erst vorbei gefahren und außerdem gehörte dem Verein auch noch eine Sporthalle in der Nähe. Oben angekommen teilte sich das Obergeschoss in zwei Hälften auf und wurde von einem Flur geteilt: Links konnte ich durch die offene Tür eine Art Saal erkennen in dem viele Tische und Stühle standen und wo auf Regalen sämtliche Pokale der Vereinsgeschichte aufgereiht waren. Am Ende des Flurs befand sich ein mit dem Saal verbundener Nebenraum auf der einen, die Toiletten auf der anderen Seite. Wir gingen allerdings nach rechts, wo ich den Clubraum erblickte, als sich die Tür öffnete.


      [Quelle: fcwehr.de]

      Am längsten Tisch erblickte ich bereits einige Personen, während hinter der Theke eine Frau stand die gerade eine Runde Bier zapfte. Ich blickte auf die Uhr und es war gerade einmal 10 Uhr, so dass ich die Frage nach einem Bier nur mit der Aussage „Kaffee bitte“ beantwortete und zum Tisch ging, während sich Rudi verabschiedete, da er noch ein wenig zu tun hätte. Ein wenig hatte ich mich natürlich schon über die Personen im Verein informiert und so erkannte ich neben dem 1. Vorsitzenden Wilfried Schmidt (62 Jahre) und Co-Trainer Sascha Krömer (49 Jahre) auch noch Geschäftsführer Frank Günzel (58 Jahre). Die weiteren beiden Personen wurden mir als Lothar Wehrhahn (2. Vorsitzender/59 Jahre) und Ernst Wolter (Jugendleiter/60 Jahre) vorgestellt. Nach der kurzen Begrüßungsrede und ein paar Worten des 1. Vorsitzenden hatte ich natürlich direkt einige Fragen, so zum Beispiel: „Gibt es hier eigentlich gar kein Büro?“ Kurz wurde ich ein wenig verwundert oder amüsiert von fast allen betrachtet, bis man mir erklärte dass bisher alles hier am Laptop bei Kaffee oder Bier gemacht wurde und die so genannte Geschäftsstelle an der ich vorhin vorbei gefahren war, eigentlich nur an zwei Abenden der Woche mit Geschäftsführer Günzel und seiner Frau besetzt ist, sich im Keller ihres Wohnhauses befindet und nur dazu dient telefonisch erreichbar zu sein und Neuanmeldungen oder dergleichen gerecht zu werden. „Daran sollte sich im Laufe der nächsten Zeit etwas ändern.“ erwähnte ich nur kurz, worauf sich die erste Diskussion ergab. Das wäre zu teuer und das ginge ja schon seit Jahren so, waren Argumente die mich immer mehr darin bekräftigten dass ich viele Baustellen hatte und hier vieles noch sehr stark auf Amateurebene ablief. Rückendeckung erhielt ich, wie erwartet und bereits bei bisherigen Gesprächen erkennbar, vom 1. Vorsitzenden: „Das ging Jahre so, aber da haben wir auch nicht in der Oberliga gespielt.“

      Erst einmal wollte ich es dabei belassen und hatte der Reihe nach an fast jeden mindestens einen Punkt auf meinem Notizzettel.


      Warum haben wir vier Jahrgänge in der Jugend, aber weder eine F-Jugend noch eine A-Jugend? Dazu wurde mir vom 2. Vorsitzenden erklärt dass das einfach so sei und man sich nicht noch mehr Mannschaften leisten könne, auch weil man nur zwei Sportplätze hätte und deswegen auch die Altherren vor einigen Jahren gestrichen hatte. Der Jugendleiter ergänzte dann noch, dass der bisherige Trainer der Meinung war man könne Spieler bereits nach der U17 einbauen und bräuchte keine U19. Komisch nur, dass ich bei den Spielen die ich gesehen hatte fast nie junge Spieler auf dem Platz sah. Interessant übrigens, dass die B-Jugend in der Kreisliga spielend von einer Frau trainiert wird. Durchaus ungewöhnlich und ob das so ideal ist? Nun, diese Zweifel behielt ich erst einmal für mich, nicht aber dass eine U19 durchaus wichtig wäre und man hier auch etwas ändern müsste.

      Wie steht es um die Finanzen? Was für Ausgaben und Einnahmen gibt es? Die Antwort kam natürlich vom Geschäftsführer: "Wir haben aktuell gut 1.500 zahlende Mitglieder, womit wir bei 22.500 Euro aus Mitgliedsbeiträgen sind (Jugendliche zahlen die Hälfte, doch dieses Geld fließt direkt in den Jugendbereich), dazu kommen aus 12 Heimspielen Zuschauereinnahmen von gut 5.000 Euro, Sponsoreneinnahmen von rund 25.000 Euro, diverse Einnahmen aus Fanartikeln und Getränke- sowie Essensverkauf bei den Spielen sowie aus dem Vereinsheim von fast 10.000 Euro. Somit sind wir bei ungefähr 62.500 Euro. Dagegen stehen Ausgaben für die Schiedsrichter, Fahrtkosten zu Auswärtsspielen, Unterhaltungskosten und Instandhaltungskosten was sich zusammen auf gut 10.000 Euro beläuft und als größter Punkt natürlich die Aufwandsentschädigungen und Prämien die für Spieler und Mitarbeiter aufgewendet werden und sich auf ungefähr 15.000 Euro bisher belaufen. Mit diversen weiteren Summen stehen wir bei ca. 30.000 Euro Ausgaben. Auf die gesamte Saison gerechnet, da die Jahresbeiträge ja im Juli fällig waren und andere Beträge erst zu 50% zu Buche stehen, dürften sich die Summen auf 90.000 Euro Einnahmen gegenüber 60.000 Euro Ausgaben einpendeln.“

      Da ergaben sich natürlich direkt einige Punkte, die man verbessern könnte. 15 Euro Jahresbeitrag? Hier könnte man sicherlich über eine Erhöhung nachdenken, aber auffallend war auch der geringe Einnahmewert bei den Zuschauern. Sollte man hier auf dem hiesigen Sportplatz spielen, wo im Schnitt nur 100-200 Zuschauer kamen oder wäre ein Umzug ins Weserberglandstadion, wo es auch eine überdachte Sitzplatztribüne gab, die bessere Option? Natürlich sollte es auch ein Ziel sein die Sponsoreneinnahmen zu steigern, denn mit dem aktuellen Etat bewegten wir uns nicht gerade im Durchschnitt deutscher Oberligateams, wo der Etat doch oftmals bei 250.000 bis 500.000 Euro liegt.

      Wie lauten die Saisonziele für diese Saison? Hier war die Antwort des 1. Vorsitzenden recht kurz und knapp: „Den Verein etablieren und die Mannschaft weiter entwickeln steht an erster Stelle, aber ein einstelliger Tabellenplatz sollte dabei schon heraus springen und wenn wir den aktuellen Rückstand auf die Spitze so in etwa halten können würde das auch schön aussehen.“



      Nachdem sich Wolter, Günzel und Wehrhahn nun verabschiedet hatten unterhielt ich mich zunächst noch eine Zeit lang mit Sascha Krömer um direkt etwas mehr über die Mannschaft zu erfahren. Einen genauen Überblick über den Kader wollte ich mir dann beim ersten Training im Januar machen, wobei hier noch nicht klar war wie weit die Bedingungen hier ein normales Training zulassen würden. Bevor er auch aufbrach, bekam er von mir für die kommenden Tage noch die Aufgabe, dass ich gern einen genaueren Kaderüberblick hätte und eine Einschätzung zu den einzelnen Spielern.

      „Lassen sie sich nicht von den negativen Aussagen abbringen.“ meinte Wilfried Schmidt, als wir jetzt zu zweit zurück geblieben waren. „Manche sind hier so stur dass sie sich gegen alles was neu ist wehren und es erst einmal ablehnen, aber ich stehe hinter ihnen und weiß dass der nächste Schritt auch Veränderungen benötigt.“ Mit diesen aufmunternden Worten machte ich mich dann auch auf den Heimweg. Viel konnte ich in den nächsten Tagen allerdings nun auch nicht mehr erledigen, auch wenn ich mir zu einigen Dingen meine Gedanken machte, aber eigentlich galt es nun das erste Training abzuwarten und somit konnte ich die letzten Tage im Jahr 2015 noch als ruhig ansehen und den baldigen Jahreswechsel ausgelassen feiern zumal ich eh bis Anfang Januar Urlaub haben würde.
      Boah nee, das is mir jetzt wirklich zu viel zum Lesen.
      Auf jeden Fall ein interessanter Start und ich bin gespannt, wenns hier richtig los geht. :)
      Siamesen kann niemand trennen.
      Schizophrene sind nie allein.
      Pädophile haben immer Bonbons.
      Und wir hassen Hoffenheim!
      :beer:

      thegame007 schrieb:

      Boah nee, das is mir jetzt wirklich zu viel zum Lesen.

      Ist ja schon ungerecht, aber mir geht es auch so. Dabei freue ich mich, dass du, Alex, hier diese Story begonnen hast und auch richtig was erzählst. Hameln kenne ich ein bisschen (habe sogar das Rattenfänger-Diplom! :nase: ), ein Teil der Familie wohnt da, aber dass die auch Fußball spielen, habe ich noch nicht gewusst :rolleyes: . Der eine oder andere Screenshot vom Team etc. wäre natürlich ganz schön, aber sonst lass dich nur ermutigen: weiter so!
      Emmo - Das Epos

      Allen ein Superjahr 2018!
      :cheers5:

      thegame007 schrieb:

      Boah nee, das is mir jetzt wirklich zu viel zum Lesen.
      Auf jeden Fall ein interessanter Start und ich bin gespannt, wenns hier richtig los geht. :)


      Na sowas motiviert ja unendlich neue Teile zu posten​

      Ich denke es ist viel Text, aber ebenso lohnt es sich, weil es nicht der gewohnte Stil ist und man eben wenig über den Verein weiß. Aber ich kann dich beruhigen, es kommen jetzt och zwei Teile die ein wenig Vorgeschichte sind, bevor es richtig los geht...

      Single Malt schrieb:

      thegame007 schrieb:

      Boah nee, das is mir jetzt wirklich zu viel zum Lesen.

      Ist ja schon ungerecht, aber mir geht es auch so. Dabei freue ich mich, dass du, Alex, hier diese Story begonnen hast und auch richtig was erzählst. Hameln kenne ich ein bisschen (habe sogar das Rattenfänger-Diplom! :nase: ), ein Teil der Familie wohnt da, aber dass die auch Fußball spielen, habe ich noch nicht gewusst :rolleyes: . Der eine oder andere Screenshot vom Team etc. wäre natürlich ganz schön, aber sonst lass dich nur ermutigen: weiter so!


      Also du darfst als Letzter über viel zu lesen meckern. Dein Malte hat eine gewisse Mitschuld an dieser Story und deine Texte sind auch oftmals sehr umfangreich und geprägt von Infos und Randstories :) Screenshots, Spielberichte usw. werden natürlich kommen.

      Ja Fußball wird hier tatsächlich gespielt :P Besagte Preußen 07 spielten tatsächlich einige Jahre drittklassig und standen einmal in der 1. Runde des DFB-Pokals, zwischenzeitlich hatten wir tatsächlich drei Landesligateams (inzwischen mit SG 74 nur noch eins). Aber früher war Hameln eine Handball-Hochburg (VfL Hameln spielte u.a. im Europapokal) und aktuell ist besonders unser Damenfußball mit zwei Landesligateams erfolgreicher als der Männerbereich.
      Bereits einige Tage vor dem ersten Training machte ich mir einige Gedanken, worauf ich achten würde und welche Trainingsübungen geeignet wären um mir ein Bild von der Mannschaft zu machen. Doch all diese Überlegungen warf das Wetter über den Haufen, so dass wir die erste Trainingseinheit 2016 in die Halle verlegten und egal wie oft ich durch zählte, ich kam neben meinem Co-Trainer auf lediglich 12 Spieler. „Ist das etwa alles?“ wand ich mich an Co-Trainer Sascha. „Hm nein da fehlen noch ein paar.“ antwortete dieser. Nachdem ich ihn nun also gebeten hatte mal nachzuhaken, wo der Rest nun war und er einige Telefonate führte verzögerte sich der Anfang um eine halbe Stunde und irgendwann waren dann noch drei weitere Personen eingetroffen. Ihre Ausrede war übrigens durchweg, dass sie dachten bei dem Wetter wäre eh kein Training.

      Nachdem ich mich nun vorgestellt hatte, konnte ich eine erste Ansprache an die Mannschaft halten:

      „Ich möchte direkt einmal klar stellen, dass für mich in erster Linie der Erfolg des Vereins und die Weiterentwicklung steht und es hier nicht um die einzelne Person geht. Das gilt für die Disziplin und für den Einsatz, wozu auch zählt dass man denkt heute wäre kein Training. Ansonsten werde ich sicherlich einige Dinge ändern, aber dazu kann ich jetzt im Detail noch nichts sagen. Ich habe allerdings einige Spiele bisher beobachtet und habe eine Vorstellung davon, was mir nicht gefiel und was in Zukunft anders oder besser werden muss.“

      Mit diesen klaren und deutlichen Worten wollte ich mir direkt Respekt verschaffen und doch wusste ich, dass vieles gar nicht an den Spielern selber lag. Hier sei noch kurz erwähnt, dass ich auf die einzelnen Spieler später eingehen werde, da mir mein Co-Trainer eine mehr als dürftige Kaderübersicht gab; lediglich Name, Alter und Position konnte ich aus seinem Bericht entnehmen, so dass ich wohl selber erst einmal einige Wochen brauchen würde um jeden Spieler genau einzuschätzen und zu sehen mit wem wir auch in Zukunft arbeiten wollen.

      In den kommenden Tagen konnten wir dann auch bald wieder draußen trainieren, wobei ich immer wieder den kleinen Kader mit Spielern aus der 2. Mannschaft und der U17 auffüllte und neben der Fitness speziell an meiner eigenen Taktik arbeitete. Bisher hatte die Mannschaft in einem 5-3-2 gespielt, welches oftmals zwar kompakt wirkte, aber dafür in der Vorwärtsbewegung sehr ausrechenbar war. Mit meiner Umstellung auf ein 4-4-2 stieß ich zum ersten Mal auf Kritik, besonders bei Karsten Wiesner, dem 34 jährigen Spielführer: „Wieso? Wir spielen seit Jahren mit drei Innenverteidigern und das klappt doch. Ich finde das super dämlich da jetzt was zu ändern.“ Waren das Bedenken oder hatte da jemand Angst um seinen Stammplatz? Ich hatte schon von Sascha gehört, dass sich eben jener Spieler oft kritisch äußerte und aufgrund dessen, dass er seit 20 Jahren im Verein spielte sich auch einiges erlauben durfte, doch damit war nun Schluß, auch wenn ich es fürs erste dabei beließ ihm noch einmal deutlich zu machen, wer hier über Taktik und Aufstellung entscheidet und dass, wer nicht mitzieht, sich schnell auf der Bank oder in der 2. Mannschaft wieder finden könnte. Diese Ansprache machte mich bei Karsten selber sicher nicht beliebter und auch einige andere schauten skeptisch, doch gerade die jüngeren Spieler schien das zu beeindrucken und bei einigen erkannte ich, wie sie sich ein Grinsen nicht verkneifen konnten.

      Bis zum Rückrundenauftakt bekam ich mit jeder Trainingseinheit einen besseren Eindruck vom Team. Da hatten wir eben den erwähnten Spielführer Karsten Wiesner und um ihn eine Gruppe erfahrener Spieler, von denen drei die bisherige Innenverteidigung bildeten, welche zusammen gerechnet übrigens auf 98 Jahre kam. Dann gab es eine vierköpfige Gruppe von türkischen Spielern, bei denen besonders Taylan Kesik auffiel. Unter meinem Vorgänger hatte er zumeist hinter den Spitzen gespielt, was zwar auch am 5-3-2 System gelegen haben könnte, doch so richtig verstand ich das nicht. Er hatte nun nicht die große Übersicht eines Spielmachers, spielte keine so starken Pässe und war weder bei Distanzschüssen noch im Abschluss sonderlich überzeugend. Dafür war er sehr schnell, technisch stark und auch seine Flanken waren überzeugend, also ein perfekter Flügelspieler, der dazu auch noch beidfüßig war. Zu guter Letzt gab es noch einige Spieler die keiner der beiden „Gruppierungen“ angehörten, wie zum Beispiel Torwart Thomas Czikowski, der mit seinen 32 Jahren auch schon sehr lange im Verein spielte und anders als viele der alt eingesessenen gut mit zog. Zwei neue Spieler holten wir dann noch dazu, bevor man so mit einem 3:1 gegen Landesligist SV Bavenstedt und einem 5:0 gegen einen heimischen Kreisligisten noch zwei Testspielsiege einholte, bevor es in die Rückrunde gehen konnte, doch zuvor hatte ich noch zwei Punkte die ich erledigen musste.


      Spielort

      Hier hatte ich mit dem Verantwortlichen der Stadt Hameln einen Termin bezüglich der Möglichkeit im Stadion zu spielen, welches der Stadt gehört und von den Vereinen genutzt wird. Allerdings spielte zuletzt Preußen 07 hier regelmäßig und inzwischen war eine Heimische Damen-Bezirksligamannschaft das einzige Team was im Weserberglandstadion hin und wieder spielte.



      [Quelle: dewezet.de]

      Direkt am Stadion traf ich mich mit Herrn Grunemann, der mir bei einem ersten Rundgang über die Anlage die Konditionen erklärte:

      Grunemann: „Also als in Hameln ansässiger Verein könnten sie das Stadion natürlich nutzen und wirkliche Terminprobleme gibt es ja auch nicht. Die Miete für ein Spiel beträgt 1.000 Euro in der Landesliga und Oberliga und würde sich auf 2.000 Euro in der Regionalliga, sowie auf 5.000 Euro in der 3. Liga erhöhen.“

      „Das sind schon stolze Preise und dann gibt es da ja auch noch die unter Vereinen bekannte Regelung mit dem eigenen Catering und gaz ehrlich, schauen sie sich mal die Tribünen und Umkleidekabinen an.“

      Grunemann: „Ja also es gibt den Exklusivvertrag, den die Stadt bei Veranstaltungen im Stadion abgeschlossen hat, dass die Einnahmen aus dem Verkauf an Getränken und Speisen direkt an den Anbieter und zu 20% an die Stadt gehen. Was die Sanierung und Pflege angeht, das wäre in den Mietkosten enthalten dass vorher noch etwas getan wird.“

      „Was auch nie bis zum ersten Heimspiel klappen würde. Aber wenn das so ist, es gibt in Bad Pyrmont ein Stadion und in Hessisch Oldendorf auch, wo aktuell kein Verein spielt und vielleicht ist man da realistischer und möchte den heimischen Sport mehr fördern? Sie vergessen hierbei dass eine etablierte Oberligamannschaft oder sogar darüber hinaus auch Auswärtsfans anlockt, die nebenan ins Freibad gehen würden, in der Stadt einkaufen, irgendwo essen oder übernachten und auch Heimfans nutzen durchaus öffentliche Verkehrsmittel.“

      Grunemann: „Ich kann da gar nichts dran machen, so sind die festgelegten Preise und Bedingungen.“

      „Sie können sicherlich, wenn sie wollen. Mein Vorschlag wäre: Wir haben noch sechs Heimspiele in dieser Saison und würden 5.000 Euro zahlen, dafür übernimmt der Verein in Eigenregie die Sanierung, wir bekommen das Recht dass unsere Spiele immer vorgehen werden außer bei städtischen Großveranstaltungen und man räumt uns die Möglichkeit ein mit der Cateringfirma noch selber zu verhandeln.“

      Grunemann: „Das müsste ich abklären.“

      Mit diesen Worten ließ er mich kurz allein um zu telefonieren, aber ich rechnete eigentlich damit dass er das ok bekam, denn so sparte sich die Stadt Sanierungskosten und würde zudem etwas einnehmen, denn ein nicht genutztes Stadion half ja nun wirklich niemanden. Klar bedeutete das für uns zunächst auch erst einmal keine großen Mehreinnahmen und ein kleines Risiko im Falle eines Abstiegs oder bei ausbleibenden Zuschauern, doch man kannte ja die Gründe warum wir keinen hohen Zuschauerschnitt hatten. Mit dem aktuellen Schnitt hätten wir bei der Rechnung Eintrittsgelder gegen Miete ein Plus-Minus Geschäft, doch schon bei 1.000 Zuschauern würden wir einen deutlichen Gewinn machen.

      Es dauerte vielleicht 10 Minuten bis Herr Grunemann wieder zurück kam und von seinen Vorgesetzten grünes Licht bekommen hatte, so dass wir den Vertrag unterzeichnen konnten und wir eine neue Spielstätte bekamen.



      [Quelle: hameln.de]

      Im Jahr 1962 erbaut wurde das Stadion 1992 und 2003 jeweils umfangreich renoviert und bietet 14.000 Zuschauern Platz, wovon 1.000 überdachte Sitzplätze auf der Haupttribüne sind und der Rest sich auf Stehplätze erstreckt, welche in Form von Betontreppen angebracht sind. Neben der besseren Flutlichtanlage ist auch die Parkplatzsituation hier komfortabler als den vereinseigenen Plätzen; so hat man 300 Parkplätze direkt am Stadion, mit einer großen Fläche genau gegenüber die Möglichkeit weitere ca. 1.000 Parkplätze zur Verfügung zu stellen und mit zusätzlichen Parkmöglichkeiten in der Nähe (Freibad, Nebenstraßen, Industriegebiet) genug Kapazitäten. Außerdem hat man den Vorteil zwei bis drei getrennte Eingänge zu haben, direkt neben dem Stadion einen B-Platz der als Trainingsort nutzbar wäre und auf der Haupttribüne befindet sich ein kleiner verschlossener Bereich, der gut für Medien oder VIP-Plätze gedacht sein könnte. Im Inneren (unter der Haupttribüne) findet man neben Räumlichkeiten für die Schiedsrichter und Trainer auch noch sechs Umkleidekabinen mit Duschen, Toiletten und Massageraum bzw. medizinischer Versorgung. Seitlich neben der Haupttribüne ist das so genannte Regiegebäude als Ort für Stadionsprecher, Plätzen für Einsatzleitung, weiteren VIP oder dergleichen und zusätzlichen drei Räumen im Obergeschoss. Im Untergeschoss sind neben Toiletten noch einige weitere Räume, die auf verschiedene Arten genutzt werden könnten.

      Jugend

      Nachdem nun geklärt war, wo wir in Zukunft unsere Heimspiele austragen werden, konnte ich mich nun einer ersten Neuerung widmen. Wie ja bereits erwähnt fehlte uns eine U19 Abteilung, was sich eindeutig ändern musste. Im älteren Jahrgang der B-Jugend waren schon einige Spieler dabei, die man als talentiert betrachten konnte, die aber für die 1. Mannschaft noch nicht soweit waren und uns eigentlich im Sommer verlassen hätten. Diesen teilten wir direkt mit, dass ab der neuen Spielzeit eine A-Jugend in der Kreisliga starten wird, welche wir bereits jetzt beim Kreis angemeldet hatten. Neben Jugendleiter Ernst Wolter sollte sich auch Co-Trainer Sascha Krömer in den kommenden Wochen und Monaten bei verschiedenen Jugendmannschaften umschauen. Aber auch ich selber werde sicherlich immer wieder Spiele beobachten um talentierte Spieler zu entdecken und ebenso wird dies Dennis Offermann tun, mit dem ich noch zusammen gespielt hatte und der bis zuletzt Trainer beim Ligakonkurrenten TB Uphusen war, dort aber aufgrund der sportlichen Misserfolge entlassen wurde. Zur neuen Saison wird er eben jene U19 trainieren und soll bereits ab sofort mit scouten und entscheiden, welche Spieler uns weiter helfen dürften.


      Nun waren es also nur noch wenige Tage bis zum ersten Spiel der Rückrunde und ich war mit der bisherigen Wintervorbereitung eigentlich zufrieden, zumal wir im letzten Testspiel gegen Regionalligisten VfV Hildesheim ein 1:1 erkämpften. Zuvor gab es allerdings noch etwas zu tun und dies lautete fleißig sein und das Stadion zu verschönern. Hierfür hatten sich viele Vereinsmitglieder angeboten zu helfen, die Mannschaft war selber fleißig mit dabei und selbst unser 1. Vorsitzender packte mit an. Besonders der Innenbereich hatte es nötig, so dass die Kabinen neu gefliest werden mussten, die Bänke wurden erneuert, die sanitären Anlagen überholt, die Fenster geputzt und einige weitere kleinere Renovierungen waren nötig. An den Außenanlagen hatten die Tribünenbänke ebenso einen Anstrich nötig wie die Eingangstore, an den Stehplätzen wucherte das Unkraut und auch der Rasen der Spielfläche musste wieder einmal gemäht werden. Und dann war sogar noch Zeit am Vereinsheim Heinestraße im leerstehenden oberen Teil des einen Gebäudes ein vorüber gehendes Büro zu erschaffen.
      War nicht als negative Kritik gemeint und wenn ich auf der Arbeit mal bissel Luft habe, werd ich das mit dem lesen bestimmt nachholen. ;)
      Siamesen kann niemand trennen.
      Schizophrene sind nie allein.
      Pädophile haben immer Bonbons.
      Und wir hassen Hoffenheim!
      :beer:

      Alex1982 schrieb:

      Also du darfst als Letzter über viel zu lesen meckern.

      Lässt sich wohl nicht bestreiten :gib5: . Lass dich bloß nicht aufhalten! Ich bin jetzt gespannt, etwas mehr über deine einzelnen Spieler zu erfahren.
      Emmo - Das Epos

      Allen ein Superjahr 2018!
      :cheers5:
      So, nun gibt es auch einen Kommentar von mir, weil ich endlich die Zeit gefunden habe mir die Updates zu Gemüte zu führen. Eigentlich stärflich, da ich mir doch innigst eine Story aus den Niederungen des Fußballs gewünscht habe.
      Den ausführlichen Beginn finde ich gut geschrieben, sodass ich kein Problem damit hätte, wenn du diesen Stil weiterführst. In diesem Sinne freue ich mich auf weiteres Lesefutter!

      thegame007 schrieb:

      War nicht als negative Kritik gemeint und wenn ich auf der Arbeit mal bissel Luft habe, werd ich das mit dem lesen bestimmt nachholen. ;)


      So extrem hab ich das ja auch nicht aufgefasst :) Ich denke es werden sich eh mal die mehr ergebnisorientierten Teile mit den Storybereichen abwechseln und die Aussage "viel zu lesen" lässt schon mal regelmäßige Zusammenfassungen als Option zu, was dann gut passt.

      Single Malt schrieb:

      Alex1982 schrieb:

      Also du darfst als Letzter über viel zu lesen meckern.

      Lässt sich wohl nicht bestreiten :gib5: . Lass dich bloß nicht aufhalten! Ich bin jetzt gespannt, etwas mehr über deine einzelnen Spieler zu erfahren.


      Das wird im übernächsten Teil dann vermutlich kommen. Jetzt folgt zunächst der vierte, letzte und vermutlich wichtigste Teil des "Prologs" sozusagen.

      TMU schrieb:

      So, nun gibt es auch einen Kommentar von mir, weil ich endlich die Zeit gefunden habe mir die Updates zu Gemüte zu führen. Eigentlich stärflich, da ich mir doch innigst eine Story aus den Niederungen des Fußballs gewünscht habe.
      Den ausführlichen Beginn finde ich gut geschrieben, sodass ich kein Problem damit hätte, wenn du diesen Stil weiterführst. In diesem Sinne freue ich mich auf weiteres Lesefutter!


      Danke für ein weiteres schönes Feedback :)

      Ich denke mal den Stil werde ich so immer halbwegs behalten, auch wenn ich irgendwie vorwärts kommen will und etwas erreichen will. Länger als die HSV Story wird es sicherlich gehen und aktuell lasse ich mir auch etwas mehr Zeit bei den Teilen, wobei sicherlich nicht immer alles so ausführlich sein kann, aber ich denke genug zu lesen wird es immer wieder und überwiegend geben.
      „Wer ist eigentlich stellvertrender Spielführer?“ lautete meine Frage am Tag vor dem Rückrundenauftakt beim SSV Jeddeloh. „Niemand, ich war ja nie verletzt.“ antwortete mir der Spielführer Karsten Wiesner selber. Eben dieser Spieler der in der Vorbereitung ständig alle meine Entscheidungen kritisiert hatte und ich immer den Eindruck hatte, er wäre froh mich möglichst schnell wieder los zu werden. „Gut dann ist heute Thomas Spielführer und du Karsten, nimmst auf der Bank Platz!“ Mit dieser Aussage, dass unser Torwart die Kapitänsbinde tragen sollte und Karsten draußen war, sorgte ich sicherlich für eine Überraschung bei den Zuschauern, die am Spieltag aus Hameln ins nicht ganz 250km entfernte Ammerland mitgereist waren. Sportlich hingegen war es kaum eine Überraschung, denn hier hatte der Spieler wenig Argumente und in Kombination mit seiner Art war es für mich eine logische Konsequenz der letzten Wochen. Allgemein standen in meiner Startelf außer unserem Torwart nur noch zwei Spieler mit über 30 Jahren, dafür aber unter anderem ein 20 jähriger, ein 19 jähriger und sogar ein 17 jähriger so dass wir mit einem Durchschnittsalter von 24,82 Jahren antraten. Im Vergleich dazu war es in den Spielen unter meinem Vorgänger mit 27,27 in einem einzigen Spiel die jüngste Formation, aber die Stammelf hatte sogar einen Schnitt von 29,55 Jahren (6 Spieler mit 30 Jahren oder älter).

      Das die Mannschaft sicherlich noch nicht eingespielt sein konnte, war mir klar und doch stimmte der Einsatz und einige Ansätze sahen schon ganz ordentlich aus, allerdings unterlagen wir am Ende mit 1:2 relativ knapp beim Tabellennachbarn. „Daran ansetzen, weiter arbeiten und an euch glauben.“ war mein Fazit an die Mannschaft, die ich hier nicht zu schlecht machen wollte. Dies sollte sich beim anschließenden 1:1 gegen das Spitzenteam vom 1. FC Wunstorf auch als richtig erweisen, wo wir ebenso mehr verdient gehabt hätten wie im Spiel beim VfL Bückeburg, welches 2:2 endete. In meinem 4. Spiel gab es nun endlich den ersehnten Sieg und beim 2:0 gegen den SC Spelle-Venhaus waren doch deutliche Fortschritte zu sehen, welche sich in den folgenden Wochen immer mehr festigten, da unser Spiel nun ganz andere Einflüsse bekam wie vor meiner Amtszeit. Dies kam auch bei den Zuschauern an, welche die offensive Spielweise gepaart mit hoher Laufbereitschaft ohne Frage ansprechender fanden, als die rein ergebnisorientierten Auftritte zuvor und so wurde dies auch mit stetig steigenden Zuschauerzahlen belohnt. Zwar kassierte man bei der Reserve des VfL Osnabrück noch eine 1:2 Niederlage, da diese aber unglücklich unde durch Fehlentscheidungen zu Stande kam, tat es der Moral keinen Abbruch und die richtige Antwort gab man mit Siegen gegen den Heeslinger SC und beim TuS Lingen, bevor es gegen Teutonia Uelzen zu einem 1:1 reichte. So waren wir in der gesamten Rückrunde immer im Bereich oberes Tabellendrittel gewesen, hatten vom Punkteabstand die Spitze nie aus den Augen verloren und nie etwas mit dem Abstieg zu tun. Was allerdings in den letzte Wochen der Saison passierte hätte sich niemand so vorstellen können. Es wurde ein Krimi, welcher für viele in einem Drama endete, für andere in einem Happy End und doch eine Spur Komödie hatte, doch welche Rolle spielten wir dabei?

      Aktuell standen wir auf dem 8. Tabellenplatz und hatten 41 Punkte auf unserem Konto. An der Tabellenspitze dominierte das Quartett bestehend aus dem 1. FC Egestorf-Langreder, USI Lupo-Martini Wolfsburg, dem 1. FC Wunstorf und dem VfL Oldenburg allesamt mit 47 Punkten. Hinter diesen vier Vereinen und uns standen noch Arminia Hannover und FT Braunschweig (je 46 Punkte) und punktgleich zu uns der SSV Jeddeloh mit der besseren Tordifferenz. Also bei noch vier ausstehenden Spieltagen lagen sechs Vereine nur bis zu einem Punkt auseinander und machten den Aufstieg wohl unter sich aus, während man bei uns einfach das Ziel hatte die Saison gut zu Ende zu bringen. Da wir aber mit Egestorf, FT Braunschweig und Lupo-Martini noch gegen drei der Spitzenteams spielen werden, dürfte der Name SG Hameln 74 eine wichtige Rolle spielen.

      Doch zunächst erfüllten wir mit dem Sieg über Eintracht Northeim die erste Aufgabe und das 4:1 bedeutet auch zugleich den höchsten Sieg meiner Amtszeit. Im Spitzenspiel trennten sich hingegen Tabellenführer Egestorf-Langreder und Lupo-Martini mit 1:1 und FT Braunschweig gegen SSV Jeddeloh endete mit 0:0 ebenfalls in einem Remis, während der VfL Oldenburg durch einen eigenen Sieg neuer Tabellenführer wurde. Doch es gab auch gleich zwei Überraschungen, denn sowohl der 1. FC Wunstorf (1:3 bei VfL Osnabrück II) wie auch Arminia Hannover (0:3 in Heeslingen) nahmen nicht zwingend erwartete Niederlagen hin. Wir konnten einen Platz gut machen und hatten durchaus den Blick darauf, am Ende noch unter die besten fünf oder sechs Teams zu kommen, was als Aufsteiger sicherlich ein Erfolg wäre.

      Den nächsten Schritt dazu machten wir am 28. Spieltag, als der 1. FC Egestorf-Langreder zu Gast im Weserberglandstadion war und durch unseren 2:0 Erfolg ohne Punkte die Heimreise antreten musste. Übrigens sahen dieses Spiel 1.700 Zuschauer; die Einwohner Hamelns belohnen sportliche Erfolge und man merkt dass sich die fußballerische Begeisterung nicht nur auf die bald beginnende Europameisterschaft beschränkt. Eine wirkliche Überraschung gab es an diesem Spieltag nicht, da bis auf Lupo-Martini und Braunschweig (1:1 im direkten Vergleich) alle weiteren Mannschaften oben gewinnen konnten.

      Anders sah es am 29. und damit vorletzten Spieltag aus: Zwar erreichten Lupo-Martini und Arminia Hannover ihrerseits Siege, doch besonders die 1:2 Niederlage des VfL Oldenburg in Northeim glich einer Sensation, aber auch Wunstorf kam nur zu einem 1:1 beim TuS Lingen und Egestorf schaffte gegen den bereits feststehenden Absteiger TB Uphusen daheim lediglich ein 0:0. Wir hingegen siegten mit 2:1 beim FT Braunschweig, also drei Siege in Folge bedeuteten den 5. Tabellenplatz mit 50 Punkten und nur drei Punkte hinter Tabellenführer VfL Oldenburg, die trotz der Niederlage die Spitzenposition vor Lupo-Martini und Arminia Hannover (je 52 Punkte), dem 1. FC Wunstorf (51 Punkte) und eben uns behaupten konnten. Überholt hatte man aber dank des eigenen Siegs eben den heutigen Gegner FT Braunschweig und auch den 1. FC Egestorf-Langreder, die mehrmals in dieser Saison Tabellenführer waren und nun scheinbar gänzlich einbrechen. Die Tabelle sah ja gut aus, doch war für uns mehr drin als der 5. Platz? VfL Oldenburg traf auch wie erwähnt scheinbar schwächelnde Egestorfer, Wunstorf und Arminia Hannover hatten Heimspiele gegen lösbare Gegner und wir trafen im direkten Duell auf Lupo-Martini, also vermutlich wird da nicht mehr heraus springen als der 4. oder 5. Platz, was aber durchaus ein Erfolg wäre.


      Das Saisonfinale

      Mit knapp 1.500 Zuschauen spielten wir auch gegen USI Lupo-Martini Wolfsburg wieder vor einer guten Kulisse, die allerdings bis zur Halbzeit keine Tore zu sehen bekamen. Unterdessen führten die anderen drei Spitzenteams; der VfL Oldenburg mit 1:0 gegen Egestorf und auch Wunstorf (gegen Uelzen) sowie Arminia Hannover (gegen Northeim) durften mit dem gleichen Ergebnis in die Pausen gehen.

      Nach dem Seitenwechsel dauerte es keine vier Minuten als wir in Hameln Grund zum Jubeln hatten, denn es fiel das 1:0 für die SG 74, was jetzt aber lediglich bedeutete dass wir den Gast aus Wolfsburg vom 4. Tabellenplatz verdrängt hatten und man zumindest ein wenig träumen durfte, doch als sowohl Arminia Hannover wie auch der 1. FC Wunstorf jeweils auf 2:0 erhöhten schien eigentlich alles klar zu sein, so dass wir mit dem eigenen 2:0 dann ausschließlich daran interessiert waren den eigenen Tabellenplatz zu halten und das Wort Aufstieg war in Hameln eigentlich eh nie ein Thema gewesen. Mit dem 3:0 war unser Erfolg dann eigentlich auch gar nicht mehr gefährdet, als es nur noch gute 10 Minuten zu spielen waren und plötzlich unser 1. Vorsitzender aus dem Regiegebäude eilig zur Trainerbank kam.

      „Haben sie schon die Ergebnisse von den anderen Plätzen gehört?“ fragte er mich aufgeregt.

      Dies konnte ich nur verneinen, da ich lediglich in der Halbzeit kurz aufgeschnappt hatte dass alle anderen Teams führen.

      „Das glaubt man ja nicht, Northeim führt mit 3:2 bei Arminia und Wunstorf nur 2:1 gegen Uelzen. Wenn da Uelzen noch eins macht dann sind wir doch auf dem 2. Platz oder?“

      Jetzt erst wurde uns bewusst, dass sich so wirklich niemand mit der Frage beschäftigt hatte was bei welchen Ergebnissen möglich wäre, weil es für uns einfach zu skuril gewesen wäre, so dass ich mir selber gar nicht absolut sicher war als ich ihm antwortete: „Ja Wunstorf war nur einen Punkt vor uns und Hannover zwei Punkte, aber das Torverhältnis war bei allen Teams recht identisch, so dass ich nicht weiß wie es bei einem 3:3 zwischen Arminia und Northeim wäre.“


      Die Partie in Hameln plätscherte nun ein wenig vor sich hin und wir bekamen kurz vor Ende zwar noch den einen Gegentreffer, doch dies bedeutete den 3:1 Sieg. Das Thema war aber ein ganz anderes, was sich inzwischen auch herum gesprochen hatte und dabei war das gar nicht so einfach hier Klarheit zu schaffen. Natürlich in der 1. Bundesliga schaltet man einfach das Radio an oder schaut vom Smartphone ins Internet. Genau das taten hier auch viele der Fans und einige Spieler, die sich gar nicht umgezogen hatten, sondern nur ihre Handys aus der Umkleidekabine geholt hatten. Was aber passiert in Hannover und Wunstorf?

      Zunächst kam die Gewissheit dass Arminia Hannover daheim Eintracht Northeim mit 2:3 unterliegt und dann per Telefon die Meldung die hier für einen wahnsinnigen Jubel sorgte, denn tatsächlich hatte Teutonia Uelzen noch das 2:2 in Wunstorf markiert. Noch jedoch wollte ich mich daran nicht beteiligen, zu sehr ist man als Schalke Fan von 2001 geprägt, so dass ich mich schnell ins Regiegebäude zurück zog um mich zu vergewissern und alles nach zu rechnen. „Sagt mal, wie hat eigentlich VfL Oldenburg gespielt?“ fiel mir plötzlich ein, als ich auf die Tabelle schaute und rechnete. Ich blickte in ratlose Gesichter unseres Stadionsprechers, unseres 1. Vorsitzenden oder des Polizeichefs, denn keiner konnte mir diese Frage beantworten. Also musste der Telefonjoker her, das Spiel in Oldenburg war längst vorbei und zum Glück spielte bei Egestorf ein ehemaliger Spieler von Preußen 07 den ich kannte und der direkt an sein Handy ging. „Hey Alex, ich wollte dich auch gerade anrufen. Ich hoffe du lässt dann mal eine Kiste Bier für unsere Mannschaft springen!? Glückwunsch zum Aufstieg.“ Erst einmal verstand ich nichts, wir waren doch nur auf dem 2. Platz und mussten noch in die Aufstiegsrunde gegen die Meister aus Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. „Wie? Ich wollte eigentlich fragen, wie ihr gespielt habt Basti!?“ konnte ich jetzt erst meine Frage stellen, auch wenn ich es mir ja schon fast denken konnte. „Na wir haben 2:1 gewonnen, ich dachte das weißt du und hast angerufen um dich zu bedanken. Wunstorf und Arminia haben doch auch Punkte gelassen oder hab ich das falsch verstanden?“ klärte er mich jetzt auf und nun fiel mir fast das Handy aus der Hand, als ich es ganz kapierte und mein Grinsen breiter und breiter wurde. Als ich mich nun wirklich bedankt hatte und zusicherte dass ich dafür was springen lasse, beendete ich das Telefonat und nur dem Stadionsprecher flüsterte ich kurz etwas zu, bevor ich nach draußen rannte und es wie einst Franz Beckenbauer machte. Abseits aller anderen ging ich über den Rasen und lauschte der Durchsage im Stadion:

      Ich bitte noch einmal um ihre Aufmerksamkeit. Hier die endgültigen Ergebnisse: Arminia Hannover unterliegt Eintracht Northeim mit 2:3, der 1. FC Wunstorf trennt sich von Teutonia Uelzen mit 2:2 und....der VfL Oldenburg unterliegt dem 1. FC Egestorf-Langreder mit 1:2...

      Die ersten Fans und Spieler verstanden direkt was dies bedeutete, als der Stadionsprecher eine kurze Pause machte. Spieler die gerade noch erschöpft auf dem Rasen saßen sprangen nun auf, Zuschauer lagen sich in den Armen und ich genoss den Erfolg noch im Stillen für mich allein.

      Meine Damen und Herren, Spieler und Fans, das bedeutet Aufsteiger der Saison 2015/2016 SG Hameln 74.



      [Quelle: Awesa.de]

      Schob der Stadionsprecher noch nach und nun verstanden es auch die letzten, als aus den Lautsprechern Queens Klassiker ertönte; We are the champions!!! Ja das waren wir und jetzt ließen mich meine Spieler auch nicht mehr alleine genießen, da ich die obligatorische Bierdusche bekam. Regionalliga, das musste man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Vor gut zwei Stunden dachte ich daran die Saison vernünftig zu beenden und den Zuschauern einen letzten guten Auftritt zu zeigen und mich dann auf die neue Oberligasaison zu konzentrieren, in der Halbzeit war ich nur damit beschäftigt die richtige Ansprache zu finden damit es nicht beim 0:0 bleiben würde, in der 2. Halbzeit hatte ich dreimal Grund zum Jubeln und vor wenigen Minuten dachte ich noch wir müssen und dürfen also noch in die Aufstiegsrunde und jetzt waren wir plötzlich aufgestiegen.

      Es war jetzt gegen 17 Uhr an diesem 22. Mai 2016 und noch lange war hier kein Ende in Sicht. Lieder wie Stand up for the champions, Tage wie diese oder Auf uns durften natürlich nicht fehlen, ebenso wie Freibier für die Zuschauer und die üblichen Humba Runden. Da dieser letzte Spieltag am Sonntag terminiert war und viele arbeiten mussten, wurde es allerdings auch keine wilde Nacht, doch auch zwei bis drei Stunden nach Abpfiff waren die meisten Zuschauer noch da und die letzten hielten bis Mitternacht durch um zusammen mit der Mannschaft zu feiern.

      Hm über zwei Wochen und außer einem like nichts? Letztes Mal "das ist mir zu viel" und dieses Mal nicht ein Feedback!? :maul:

      Also wenn es euch doch zu viel ist, dann bitte was sagen, weil wenns eh keiner liest (Aufrufe sagen mir ja nicht viel)...

      Naja versuche ich noch einen Teil 8)


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      Die schöne Frau und ein fremder Mann

      „Hey, du bist doch der Trainer von SG 74 oder?“

      Ich war an diesem Freitag nach Feierabend noch mit einem Arbeitskollegen etwas essen gegangen; wie so oft in einer Bar, wo man direkt an der Weser saß und die recht angesagt war. Als sich mein Begleiter bereits verabschiedet hatte und ich noch mein Bier austrinken wollte, riss mich diese Frage aus meinen Gedanken und ich blickte neugierig auf. Ein attraktive blonde Frau Mitte 20 stand vor mir und lächelte mich an. War ich nun schon berühmt?

      „Ja das stimmt, aber du willst jetzt hoffentlich kein Autogramm oder so? Ist ja verrückt, dass ich bald nicht mehr unerkannt durch die Stadt gehen kann.“

      Sie hatte sich inzwischen an meinen Tisch gesetzt und stellte sich als Lena vor, während ich sie ausgiebiger musterte und immer mehr fest stellte, dass sie wirklich sehr hübsch war.

      „Klar Startrainer und so. Nein ernsthaft; ich spiele selber, interessiere mich allgemein für Fußball und war letzte Saison auch im Stadion.“

      Da wusste also eine Frau wovon sie redete, doch so wirklich lange drehte sich unser Gespräch zum Glück gar nicht um den Ballsport. Sicherlich auch da sie als Fan von Hannover 96, die gerade frisch als Bundesliga-Absteiger fest standen, nicht so viel zu lachen hatte in der letzten Saison, während ich als Schalker den 3. Platz hinter Bayern München und Borussia Dortmund durchaus als Erfolg sehen konnte. So ging es recht schnell um andere Themen und so wurde aus dem geplanten Abendessen und dem Feierabend Bierchen ein längerer Abend in schönem Ambiente.


      [Quelle: yelp.de]

      Der Abend setzte sich in einer gemeinsamen Nacht bei ihr fort und klang Stunden später mit einem ausgiebigen Frühstück, wobei man um 11 Uhr wohl eher von Brunch sprechen müsste, aus. Da Lena ihr Auto am Vorabend bei der Bar hatte stehen lassen, wollte ich sie dort absetzen. Wir kamen bis zu meinem Auto, als uns ein Mann entgegen kam und meine Begleiterin begrüßte. Kurz überlegte ich, ob ich Lena nach ihrem Alter gefragt hatte, aber für ihren Vater wäre der Mann mit seinen bestimmt fast 80 Jahren nun wohl doch zu alt, aber vielleicht ihr Opa!? Lena lachte, da sie meinen Gedanken scheinbar erraten hatte und stellte mir zu meiner Erleichterung ihren Nachbarn Herrn Schaper vor.

      „Der könnte dir auch einige spannende Geschichten erzählen“

      Ich erfuhr in einem kurzen Gespräch, dass er in den 60er und frühen 70er Jahren für Arminia Hannover und den Hannoverschen SC selber gespielt hatte, danach unter anderem in Havelse und in der Jugend von Hannover 96 als Trainer tätig war. Wirklich vertiefen konnten wir dieses Gespräch zwar nicht, doch der Einladung zum Grillen sagte ich sofort zu. Auf der kurzen Fahrt erzählte mir Lena noch, dass er nach dem Tod seiner Frau zur Schwiegertochter und ihrem Mann gezogen sei, diese aber beruflich wohl viel unterwegs sind und deswegen Lena öfter was für ihn mit bringt, wenn sie einkaufen fährt und ihr der alte einsame Mann irgendwie Leid tut.

      Zwischen Europameisterschaft und Saisonstart

      2016 bedeutet wieder einmal ein großes Turnier und die Euphorie war nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren natürlich riesig, nur nicht bei den Verantwortlichen der Hamelner Veranstaltungsabteilung. Die letzten vier großen Turniere wurden immer als freies Public Viewing in der Rattenfängerhalle angeboten und dazu gab es diverse Kneipen und Cafés die eine Leinwand oder einen großen Fernseher hatten, doch in diesem Jahr sollte es zumindest keine städtische Veranstaltung geben. So erreichte mich ein Anruf des Vorsitzenden von Eintracht Hameln, die vor allem durch eine Damen-Mannschaft in der Bezirksliga bekannt sind, mit der Bitte um Mithilfe. Die große Rattenfängerhalle zu mieten wäre zu teuer geworden, doch immerhin hatten wir ja auch eine kleine Sporthalle, die zumindest für den Anfang reichte. Da es aber mit jedem Mal mehr Besucher wurden, standen wir nach den drei deutschen Gruppensiegen vor einem Problem und hier half dann doch die Stadt: Lediglich 2006 gab es das Public Viewing draußen am so genannten Hochzeitshaus und 10 Jahre später gab es ein Comeback.


      [Quellen: chemieunterricht.de/panoramio.com]

      Hier wird unter anderem auch das Rattenfänger-Musical aufgeführt und bei großen Veranstaltungen wird die Terrasse gerne als Bühne für Musikacts benutzt, so dass wir hier kein Platzproblem hatten. Das Wetter spielte zusätzlich mit und so kam die deutsche Mannschaft bis ins Finale, wo man allerdings Gastgeber Frankreich unterlag. Am Ende war dieses Unternehmen aber ein voller Erfolg: Eintritt hatten wir keinen genommen und abzüglich Abgaben und anfänglichen Ausgaben erhielten wir 50% der Einnahmen, was ungefähr 6.000 Euro entsprach.


      Doch natürlich hatte ich nicht nur die EM im Kopf; ganz im Gegenteil war für mich der alte Spruch „nach der Saison ist vor der Saison“ absolut passend, denn waren wir doch irgendwie vom Aufstieg selber überrascht worden. Eigentlich seit dem Winter hatten wir vor allem auch an der neu gegründeten U19 gearbeitet, wo wir immer wieder neue Spieler begrüßen konnten und hier eine sehr starke Mannschaft haben werden und genau darauf wollte ich eigentlich aufbauen.Mein Plan sah für die Oberliga so aus, dass wir um einen gewissen Stamm von Spielern ein junges Team aufbauen wollten, was in zwei oder drei Jahren dann den Aufstieg schaffen könnte, doch in der Regionalliga konnten wir kein Team fast komplett aus Jugendlichen zusammen stellen.

      So sah die personelle Lage im Juni zunächst aus: Da der Kader im Durchschnitt recht alt war hörten einige Spieler eh auf, wieder andere wollten wechseln und einige hatten einfach nicht das Potential für die Regionalliga und spielten teils in der Oberliga schon über ihren Möglichkeiten, so dass wir diesen die Freigabe erteilten oder ihnen die Möglichkeit gaben sich in der 2. Mannschaft zu empfehlen, welche den Aufstieg in die Bezirksliga geschafft hatte.

      Mit dem gestandenen Torhüter Thomas Czikowski, Flügelspieler Taylan Kesik, den Außenverteidigern Christopher Böttcher und und Björn Wagner sowie den im Winter verpflichteten Innenverteidiger Linus Fritzsche hatten wir fünf Spieler die Potential für die Stammelf haben, während die erfahrenen Kai Marquart (defensives Mittelfeld) und Dirk Ritter (Stürmer) wohl eher Ergänzungsspieler sind. Neben Andrej Saranov aus der heimischen Bezirksliga konnten wir bisher drei Transfers tätigen, die eigentlich für die Oberliga gedacht waren: Fabian Thole (Innenverteidiger/TuS Lingen), Kevin Zellmer (Rechtsaußen/SV Bavenstedt) und Ylli Sahiti (Stürmer/TSV Burgdorf) werden aber auch eine Liga höher eine Rolle spielen können. Somit haben wir im Moment lediglich 11 Spieler plus Akteure die man aus der 2. Mannschaft oder der U19 hoch ziehen könnte, doch hier wird sich in den kommenden Tagen noch etwas tun. In diesem Zusammenhang bekam ich auch viele Anrufe von Spielerberatern, so dass wir beschlossen im Juli noch ein Probetraining zu veranstalten und somit unseren Kader bis spätestens Mitte Juli komplett zu haben, wobei hier auch noch Spieler eine Rolle spielen könnten die dann Vereinslos sind. Übrigens glaubt man gar nicht, was einem so alles angeboten wird von den Beratern; ein „erfahrener Innenverteidiger mit guten Kopfballspiel“ hieß dann ein 35 jähriger, der zwar dank einer Größe von 1,92m sicher viele Kopfballduelle gewinnen wird, der dafür aber so langsam war dass ihm jeder Stürmer leicht davon laufen würde und ein „technisch starker Außenspieler“ bedeutete einen ballverliebten Spieler, der sich nach zwei gelungenen Dribblings fest rannte. Bei vielen wusste man wirklich sofort, warum sie ohne Verein sind.


      Ein erster großer Deal

      Wurden wir in den letzten Jahren noch von den Stadtwerken und zuletzt von einem Hamelner Malerbetrieb gesponsert, plante ich schon seit dem Frühling und sprach mit möglichen Trikotsponsoren. Die Stadtwerke lehnten ab, ebenso wie zwei andere große Firmen und auch das Autohaus in dem ich arbeite wurde es nicht, aber immerhin war meinem Chef ein Nebensponsoring möglich. So blieb aber mein erster Ansprechpartner auch meine Wunschlösung und im Juni gab es den entscheidenden Termin...


      [Quelle: pyrmonter-nachrichten.de]

      Die Lenze Gruppe ist ein deutscher Hersteller und Entwickler für Antriebstechnik und Automationen dessen Zentrale sich in Aerzen-Groß Berkel bei Hameln befindet. Der jährliche Firmenumsatz beträgt rund 600 Millionen Euro, weswegen ich mir da einiges erhoffte und von Anfang an sehr gute Gespräche führte. An diesem letzten Termin ging es nur noch um Eckdaten, über die Laufzeit von vier Jahren war schnell Einigkeit erzielt und bei den Summen war das mehr als ich mir erhofft hatte. Stolze 250.000 Euro beziehen wir jährlich und liegen damit in der Liga in der Spitzengruppe, eigentlich nur vom VfB Lübeck und dem SV Meppen übertroffen, aber höher als zum Beispiel in der 3. Liga der Hallesche FC.
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      232/15 = 15,47. Das ist ein ganz normaler Wert für dieses Forum. Zum Vergleich "Are you prepared..." hat jetzt gerade aktuell 64/1058 = 16,53. War lange sogar unter einem Schnitt von 15.

      Alles zwischen 12,5 und 20 passt in diesem Stadium schon. Meist kommen besserer Werte erst mit zunehmender Dauer einer Story. Auch hier mal eine Vergleich - "Götter und andere Granaten" = 17364/452 = 38,42. Das ist ein richtig guter Wert.
      "Lohnt es sich denn?" fragt der Kopf.
      "Nein, aber es tut so gut!" antwortet das Herz.

      Autor: unbekannt
      Zusätzlich zu dem, was Lancelot geschrieben hat möchte ich ergänzen, dass man als Leser dem Autor vielleicht auch erst einmal ein bisschen Zeit geben will seine Geschichte auszubreiten (das gilt zumindest für mich). D. h. mein Kommentar vom 17.10. sollte heißen: Finde ich interessant, dass du was schreibst und was du schreibst. Quasi eine Versicherung, dass ich Mitlesen werde. Aber so viel gab es für meine Begriffe seitdem nicht, es sei denn ich wollte jedes Mal betonen, dass auch die anderen Updates ansprechend gestaltet waren.
      Und nicht vergessen: Nicht jeder hat so viel Zeit zu lesen oder zu kommentieren wie ich. Von der Warte kannst du, wie Lancelot oben schon aufgeschlüsselt hat, zufrieden sein, denn jeder Aufruf zeigt doch, dass hier gelesen wird!