Hornberger Schießen Reloaded

  • Hornberger Schießen Reloaded


    Die Idee zu so einem Projekt hatte ich schon länger. Und jetzt, wo die Emmo-Story etwas an ihre Grenzen stößt, habe ich einfach mal damit begonnen. Kann sein, dass die Posts in längeren und unregelmäßigen Abständen kommen werden und nicht immer sehr lang sind. Aber ich habe vor, das Ganze so zu handhaben, dass es mir richtig Spaß macht, und wenn es euch auch Spaß macht, dann freue ich mich riesig.


    Es gibt da die Geschichte vom Hornberger Schießen. Jeder kennt die Floskel „etwas geht aus wie das Hornberger Schießen“ – aber wie ist es eigentlich ausgegangen? Null zu Null? Ja, so ähnlich…

    • Im Jahr 1564 hatte der Herzog Christoph von Württemberg seinen Besuch in der Stadt Hornberg im Schwarzwald angekündigt. Die Hornberger Verantwortlichen waren darüber sehr aufgeregt und befahlen, man solle den Herzog mit Salutschüssen empfangen. Als alles vorbereitet war, näherte sich der Stadtgrenze eine große Staubwolke. Die Hornberger Bürger setzten zum Jubel an und die Salutkanonen wurden gezündet – es war ein wahrhaft würdiges Spektakel. Doch leider stellte sich dann heraus, dass nicht der Herzog und sein Gefolge die Staubwolke verursacht hatten, sondern eine einfache Postkutsche. Als dann tatsächlich der Herzog einritt, hatten die Hornberger – buchstäblich – ihr Pulver verschossen.

    Aber wir wollen jetzt doch mal sehen, ob die Hornberger nicht auch „richtig“ schießen können – natürlich ganz ohne Pulver, dafür aber mit einem Ziel, das getroffen werden soll.


    Teil 1: Der Plan


    „Männer, ich glaube, ich habe die Lösung all unserer Probleme!“


    (Carlo)


    Carlo sagte diesen Satz, noch bevor er sich zu den beiden anderen gesetzt hatte. Die waren, wie so oft, schon einige Minuten vor ihm eingetroffen und hatten auch für ihn bereits ein Bier bestellt. Nach dem griff Carlo jetzt und hob es ihnen entgegen, als wolle er auf etwas anstoßen.


    „Wie jetzt?“, fragte Benno.


    (Benno)


    „Was meinst du damit“, konkretisierte Arno, „die Lösung all unserer Probleme?“


    (Arno)


    Carlo grinste breit. Und nahm einen ausgiebigen Zug von dem Bier.


    Die drei Männer trafen sich wie jeden Freitagabend im Gasthaus „Zum Schützen“, in der Mitte des Tisches lagen schon die Skatkarten bereit. Normalerweise hätte Arno, der Gymnasiallehrer, jetzt den Stapel genommen und angefangen zu mischen. Aber heute begann der Abend etwas anders.


    „Nu mach’s nicht so spannend, ey!“ Das war Benno.


    „Na, was ist denn euer größtes Problem?“, fragte Carlo zurück und hörte gar nicht auf zu grinsen.


    „Sag bloß, du weißt eine Möglichkeit, an viel Geld zu kommen?“ Arno war plötzlich voll da.


    Jeder der drei Freunde hatte so seine … tja, ganz speziellen finanziellen Probleme. Seien wir fürs Erste mal diskret und gehen da nicht ins Detail. Die Fälle lagen jeweils unterschiedlich, aber gemeinsam war ihnen eindeutig eins: sie waren hoch verschuldet, und ihre Frauen – alle drei waren verheiratet – durften nichts davon wissen.


    „Na, wenn das mal nicht wieder so ‘ne Luftnummer von dir ist!“, gab Benno zu bedenken.


    „Überhaupt nicht. Werdet ihr schon sehen. Die Sache ist im Grunde denkbar einfach und doch genial.“


    „Nun spann uns nicht so auf die Folter!“, sagte Arno.


    Das war mal wieder irgendwie typisch für Carlo Cehrens, den sie auch den „Professor“ nannten. Er machte es gern spannend, und wenn er dann etwas erklärte, dann verstand man durchaus nicht immer, was er meinte. Jedenfalls Benno nicht, manchmal auch Arno. Denn Carlo war Naturwissenschaftler und arbeitete als solcher zwar nicht an einer Uni, aber doch in einem großen Forschungsunternehmen, wo es um Dinge wie Quanten und Teilchen und Paradoxa und derlei Dinge ging.


    „Vielleicht doch eine Bank überfallen?“ Bennos Einfälle waren immer eher ordinärer Natur.


    Carlo schüttelte den Kopf. „Die simple Lösung lautet: Wir gründen einen Fußballverein.“


    Den beiden anderen fiel nur die Kinnlade runter. Sagen konnten sie für den Moment dazu nichts. Nicht einmal Arno, der ja doch Lehrer war und daher gewohnt, nie um eine Aussage, Antwort oder Erklärung verlegen zu sein.


    Die erste Reaktion kam dann von Benno: „Wieso denn einen Fußballverein, Mann?“


    Benno war hier mit 36 Jahren der Jüngste, und als Physiotherapeut hatte er den am wenigsten einträglichen Job. Außerdem stand er bei den anderen in dem Ruf, nicht ausgesprochen der Hellste zu sein, aber das hätten die natürlich unter keinen Umständen je ausgesprochen.


    „Benno, ich glaube, der will uns verarschen.“ Damit griff Arno nun endlich zu dem Kartenstapel und begann zu mischen. „Wer schreibt heute?“


    „Nein, das ist mein voller Ernst!“, sagte Carlo jetzt doch ein wenig in Sorge, dass er seine große Sensation nicht richtig würde an den Mann bringen können. „Wir gründen einen Fußballclub, scheffeln jede Menge Geld und können damit alle unsere Schulden ausgleichen!“


    „Sag ich doch, der hat ‘ne Schraube!“, erklärte Benno.


    „Locker, meinst du.“


    „Hä? Ja, klar, locker.“


    Aber jetzt nahm Carlo Arno die Spielkarten aus der Hand und legte sie beiseite.


    „Hört mir doch erst mal zu! Ihr wisst ja noch gar nicht, wo wir den Verein gründen.“


    „Nicht hier, in Hornberg?“


    „Aber hier gibt’s doch schon den VfR!“


    „Doch, natürlich machen wir das hier. Aber der Verein wird nicht VfR Hornberg heißen. Und wir gründen ihn auch nicht heute und auch nicht morgen, sondern…“


    „Kommendes Jahr vielleicht? Na, danke! Ich muss am nächsten Ersten schon meine nächste Rate zahlen und hab nicht den blassesten Dunst, wovon!“


    „Nein, natürlich auch nicht erst nächstes Jahr. Sondern: gestern!“


    Arno und Benno erstarrten in ihren Bewegungen. Carlo sah sie auffordernd an. Dann schüttelte Benno den Kopf.


    „Jetzt ist er komplett Klapse.“


    „Du meinst, er gehört in eine!“


    „Wie?“


    „Okay okay, ich sehe schon, ich muss etwas deutlicher werden.“


    „Das wär‘ nicht schlecht.“


    „Passt auf: Wir gründen einen Fußballverein, aber nicht heute, im Jahr 2019, sondern in der Vergangenheit! Oder genauer gesagt: in drei verschiedenen Zeiten in der Vergangenheit. Und zwar im Jahr 2006, im Jahr 2011 und im Jahr 2017.“


    „Find‘ ich große Klasse“, sagte Benno ohne Begeisterung.


    „Na, das ist doch mal eine sehr nachvollziehbare Idee“, ergänzte Arno sarkastisch. „Hätt’ ich auch selbst drauf kommen können. Und wie soll der Verein bitteschön heißen?“


    „Also, ich stelle mir vor, wir nennen ihn: FC Hornberger Schützen!“


    (Wappen von Hornberg)


  • Teil 2: Die Erklärung


    Arno, Benno und Carlo droschen erst einmal ein paar Runden Skat. Das beruhigte die Gemüter, man konnte wie jeden Freitag die üblichen Sprüche klopfen und das Bier befreite den Kopf. Benno wankte sogar schon ein bisschen, als er sich auf den Weg zur Toilette machte. Aber in der Tageswertung führte er bisher, denn wenn er auch sonst vielleicht keine so große Leuchte war, Skat spielen konnte er.


    Als Benno draußen war, rückte Arno etwas näher an Carlo heran.


    „Sag mal, was ist denn da dran an der Geschichte mit der Vereinsgründung?“


    Carlo zuckte mit den Schultern und griff nach den Spielkarten. „Wie ich gesagt habe: Jeder von uns gründet einen Fußballclub. Zufällig weiß ich, wie man das in der Vergangenheit machen konnte: Du kriegst ein Stadion, eine finanzielle Starthilfe, mit der du es ein bisschen ausbauen kannst, und schon bist du Manager deines eigenen Vereins. Du musst ihm nur einen Namen geben und ein paar Dinge organisieren, dann geht es los. Interessierte Spieler finden sich immer. Nur Mitarbeiter – die müssen wir leider erst noch einstellen.“


    „Und wieso in drei verschiedenen Jahren?“


    „Na, damit jeder von uns das auf seine eigene Weise machen kann. Und damit wir uns nicht gegenseitig in die Quere kommen.“


    Arno Ahrens war Lehrer am örtlichen Gymnasium und unterrichtete die Fächer Mathematik und Latein. „Echt krank“, pflegte Benno dazu zu sagen, „kein Mensch braucht Mathe und Latein!“ Andererseits wusste er es zu schätzen, dass Arno mit Zahlen umzugehen verstand, sei es bei der Jahresabrechnung ihrer Skatstatistik oder auch bei der Steuererklärung für sein Physiotherapiestudio.


    „Hmm, klingt einleuchtend.“ Aber irgendwie schien es Arno, als wenn da irgendetwas noch unklar war. „Was ich noch nicht ganz verstehe: Wie verdienen wir denn dabei so viel Geld?“


    „Ja, das würde ich auch echt mal gern wissen“, sagte Benno dazu, der gerade von der Toilette zurückkam.


    „Nun, das ist schon etwas tricky“, antwortete Carlo. „Erst mal haben wir da natürlich nichts, denn das Geld gehört ausschließlich dem Verein.“


    „Ah, verstehe“, unterbrach Benno ihn, „wenn’s läuft, erleichtern wir den Verein um die Piepen und schwupps – sind wir damit wieder in der Gegenwart.“


    Arno blickte ihn von der Seite an und hatte seine Zweifel.


    „Falsch!“, sagte Carlo. „Das Ganze ist völlig legal und wir brauchen auch nicht davonzulaufen. Im Gegenteil, wenn wir wollen, machen wir das über viele Jahre!“


    „Du meinst, bis in die Gegenwart?“


    „Und darüber hinaus!“


    „Aha.“


    Benno schaute glasig und bestellte sich noch ein Bier.


    „Schön, aber du hast noch nicht erklärt, wie wir das Geld hierher bekommen.“ Arno begann sich für die Sache zu erwärmen.


    „Na, wir stecken es uns einfach in die Taschen!“, war Bennos Idee.


    „Nein, ganz so einfach ist die Sache leider nicht. Wir können nämlich weder auf dem Hinweg noch auf dem Rückweg irgendetwas mitnehmen.“


    „Hinweg? Rückweg? Wie, verreisen wir denn? Ich denke, das Ganze findet hier in Hornberg statt!“


    „Carlo meint die Zeitreise“, erklärte Arno. „Natürlich muss man, um in ein vergangenes Jahr zu kommen, eine Zeitreise antreten.“ Und an Carlo gewandt fragte er: „Geht das denn so einfach?“


    „Sicher“, erwiderte Carlo und setzte zu einer umfassenden Erklärung an. „Zeitreisen sind längst möglich. Mein Unternehmen experimentiert damit schon seit Jahren. Der Punkt ist nur: niemand darf davon wissen! Das ganze Thema unterliegt strengster Geheimhaltung, weil natürlich die Gefahr des Missbrauchs besteht. Außer mir wissen nur ganz wenige davon. Technisch ist das möglich, indem man…“


    Benno gähnte herzhaft und auch Arnos Aufmerksamkeit ließ etwas nach. Greta, die Kellnerin, brachte noch drei Bier und drei Kurze. Benno begann mit den Karten Häuschen zu bauen.


    „Oh, ist das spät geworden“, sagte Arno schließlich, indem er auf seine Uhr sah. „Ich glaube, ich muss!“


    „Ja, ich auch.“ Benno langte kurzerhand nach den drei Schnäpsen, die Carlo nicht angerührt hatte, und kippte sie einen nach dem anderen hinunter. „Wir können ja nächste Woche weiter darüber reden.“


    „Moment mal, halt! Wollen wir heute nicht wenigstens noch ausmachen, wer in welches Jahr fährt?“


    „Na gut. Aber dann gehe ich.“


    „Okay“, stimmte auch Benno zu und nahm die Karten.


    „Die üblichen Regeln?“, fragte Carlo.


    Alle stimmten zu. Benno mischte, Arno hob ab, Benno verteilte. Und das waren die Blätter, die die drei bekamen:




  • Teil 3: Die Verteilung



    Weil Carlo das Spiel gewonnen hatte, hatte er das Recht der ersten Wahl.


    Eine Woche nach dem letzten Zusammentreffen im „Schützen“ saßen die drei exakt wieder so um den Tisch wie jeden Freitag. In der Mitte lagen die Skatkarten, drum herum standen drei Bier. Aber heute machte zunächst niemand Anstalten, die Karten zu mischen.


    „Okay“, begann Arno, „du hast dein Spiel gewonnen, also darfst du anfangen.“


    „Ich hab‘, ehrlich gesagt, noch nicht ganz verstanden, worum wir gespielt haben“, gestand Benno.


    „Gut, ich erklär‘ es euch noch mal: Jeder wählt ein Jahr, in das er reisen wird. Zu Wahl stehen 2006, 2011 und 2017.“


    „2017!“, rief Benno schnell.


    „Nee, so ja nun nicht“, griff Studienrat Arno Ahrens ein, „Carlo hat gewonnen. In Mittelhand. Du warst Vorhand und darfst brav als Letzter wählen.“


    „Also kann ich mal wieder nehmen, was übrigbleibt. Pah!“


    „So sind die Regeln“, beharrte Carlo. „Und ich entscheide mich schon gleich mal für das Jahr 2017.“


    „Na super!“


    „Bleiben für mich also 2006 und 2011“, resümierte Arno. „Aber erst mal wüsste ich gern: Was hat es denn für Vor- oder Nachteile, in welchem Jahr man anfängt?“


    „Genau“, maulte Benno, „das hat er uns nämlich verschwiegen, die miese Katze!“


    „Du meinst sicher: die miese Ratte“, verbesserte Carlo grinsend.


    „Und was du uns außerdem immer noch nicht gesagt hast, ist, wie wir mit dem Geld unsere Schulden bezahlen sollen.“


    Carlo richtete sich auf. „Das ist nun wirklich das Einfachste von allem. Ihr zahlt das Geld einfach in dem Jahr, in dem ihr euch befindet, auf ein Konto ein. Und wenn ihr wieder hier seid, geht ihr ganz einfach zur Bank und hebt es ab. Oder nein, noch besser: Es wird euch dort ja auf ein Managerkonto überwiesen, über das ihr natürlich Verfügungsmacht habt. Und hier braucht ihr es nur an die, bei denen ihr Schulden habt, zu überweisen.“


    Für einen Moment wurde es still am Tisch. Arno und Benno dachten nach. Dann hatte Benno einen vermeintlichen Geistesblitz.


    „Da weiß ich was noch viel Einfacheres: Ich gehe jetzt gleich zur Bank, denn das Geld muss ja schon da sein!“


    Damit schickte er sich an aufzustehen und den Gasthof „Zum Schützen“ zu verlassen.


    „Halt, nein, Benno, warte! So geht das nicht!“


    Benno kehrte zurück und trat ganz dicht an Carlos Stuhl heran.


    „Und warum nicht, bitteschön?“


    „Komm, setz dich wieder, ich erklär’s dir“, sagte Carlo. „Ich will gar nicht versuchen, euch hier etwas von Zeitparadoxa nahezubringen. Aber wenn du heute hier Geld auf deinem Konto haben willst, dann muss es schon erst irgendwann jemand darauf eingezahlt haben. Das leuchtet dir doch ein?“


    Benno nickte betreten.


    „Natürlich hätte es, wenn du es zum Beispiel 2006 einzahlst, in der Zwischenzeit schon jemand abheben können. Aber das könntest ja wiederum nur du gewesen sein. Und ich vermute mal, daran würdest du dich erinnern.“


    „Und ob!“


    „Tja, und das ist ein Paradoxon, das zwar nicht der notwendigen Logik entspricht, das aber keinem auffällt und keinem schadet. Deshalb ist das, was wir machen, letztendlich auch nicht verboten.“


    Die beiden anderen verstanden zwar nicht in vollem Umfang, was der „Professor“ da erklärte, aber es genügte ihnen zu wissen, dass sie nichts Verbotenes taten und trotzdem an viel Geld kommen sollten.


    „Okay, dann nehme ich das Jahr 2006“, erklärte Arno. „Denn da müssten in der Zwischenzeit eigentlich die meisten Zinsen aufgelaufen sein, wenn das Geld in der Gegenwart eintrifft.“


    „Oh klasse“, stöhnte Bennos, „und ich hab‘ natürlich wieder die Pimmelkarte!“


    „Arschkarte!“, verbesserten die beiden anderen wie aus einem Mund.


    Dann zockten sie erst einmal ein paar Runden Skat, weil das auf alle eine beruhigende Wirkung hatte. Eine Zeitlang kam sogar niemand auf das Thema zurück. Bis Arno einen Grand Hand verlor und sagte:


    „Also, heute ist nicht mein Tag. Carlo, erklär uns jetzt lieber mal, wie wir die Reise in die Vergangenheit antreten können.“


    „Okay. Ich habe das so eingerichtet, dass wir alle leicht hinkommen, aber keinem was auffällt. Hinter der Tankstelle am Ortsausgang von Hornberg…“


    Was Carlo da genau sagte, ist leider nicht überliefert. Aber die drei kamen überein, dass Carlo den jeweiligen Zeitsprung immer erst freischaltete, so dass stets nur einer von ihnen fort war. Und am jeweils nächsten Freitag berichtete dann jeder bei der gemeinsamen Skatrunde im „Schützen“, was er erlebt hatte und vor allem: wie viel Geld schon auf seinem Konto war.


    „Gut“, sagte Arno, „und wer macht jetzt den Anfang?“


    „Also ich bestimmt nicht“, wehrte Benno ab.


    „Und ich sollte beim ersten Mal besser hier sein, um zu beobachten, dass alles glatt läuft.“


    Und so war entschieden, dass Arno, der Gymnasiallehrer, als Erster die Reise in die Vergangenheit antreten würde.


  • Teil 4: Der erste Trip



    „Den Verein ‚FC Hornberger Schützen‘ zu gründen, war tatsächlich denkbar einfach. Als Wappen habe ich unser Hornberger Stadtwappen genommen, das Stadion hat auf Haupt- und Gegentribüne je 3.200 Sitzplätze, das macht 6.400 Plätze. Erst mal genug, sollte man meinen. Auf dem Vereinskonto liegen gut eine Million Euro – aber das gehört ja nun leider dem Verein. Bei mir selbst steht bis auf weiteres eine Null.




    Apropos Privatleben: Ich habe mich da natürlich als Single ausgegeben, aber sehe ich das richtig, dass man da auch, ähem, eine Familie gründen kann? Na, mal abwarten. Ich habe ja nicht wirklich die Absicht, auf diese Weise meine Frau zu hintergehen.


    Was Carlo vorhergesagt hat, ist übrigens genau so eingetreten: Gleich 18 Spieler haben sich für die erste Mannschaft des FC Hornberger Schützen angemeldet. Auch die zweite und sämtliche Jugendmannschaften sind voll besetzt. Die spielen allerdings alle nicht im Ligabetrieb. Die Erste dagegen tritt in der Kreisliga A an, das ist bei uns die achthöchste Spielklasse. Und siehe da, wir gelten sogar als die stärkste Mannschaft! Hier könnt ihr gleich mal sehen, mit was für anderen Teams wir es in der Saison 2006/2007 zu tun bekommen werden:




    Der VfR Hornberg ist glücklicherweise nicht dabei. Und auch sonst kein Hornberger Verein. Auf diese Weise entgehe ich vielleicht unangenehmen Nachfragen hier aus dem Ort.“


    Benno und Carlo hatten Arnos Bericht mit großen Augen und Ohren angehört. Dann überhäuften sie ihn mit Fragen, wie die Transmission gewesen sei, wie sich das Ganze anfühlte und auch ob er irgendwelche Bekannten getroffen hätte.


    „Nein, niemanden. Zwar sieht alles so aus wie hier, wenn auch etliche Jahre zurück, aber ich bin niemandem begegnet, den ich kannte. Auch euch nicht. Auch mir nicht! Um den ‚Schützen‘ habe ich allerdings einen Bogen gemacht, ebenso wie um mein Zuhause. Ich habe mir vielmehr dort eine Mietwohnung am anderen Ende der Stadt genommen.“


    Carlo bestätigte seinerseits, dass er von technischer Seite keine Probleme habe feststellen können. Mithin stand der nächsten Reise in die Vergangenheit nichts im Wege.


    „Ich gebe, Benno kommt raus“, erklärte Arno.


    Wieder kam Carlo ans Spiel, diesmal wurde es ein einfaches Pik, aber das verlor er mit 58 Punkten. Damit war entschieden, dass Benno sich als Nächster auf den Weg machen würde.


    „Wir sehen uns in einer Woche wieder hier!“, erklärte Carlo.


    Und so war es dann auch.




    „Bei mir war es praktisch genauso, wie Arno es aus seinem Jahr berichtet hat. Mein Geburtsjahr habe ich ein bisschen frisiert, damit ich dort ebenso alt bin wie heute. Und ich kriege 4.000 Euro Gehalt! Nicht schlecht, wa?“




    „Wie gemein!“, beschwerte Arno sich. „Bei mir stand davon nichts!“


    „Du wirst schon auch was kriegen“, beruhigte ihn Carlo. „Und wenn ihr eure Sache gut macht, könnt ihr dazu noch mit Sponsorengeldern rechnen.“


    Das sorgte natürlich für gute Stimmung. Benno erzählte dann auch gleich weiter.


    „Mein Stadion ist auch größer: insgesamt 8.800 Sitzplätze hat es, und trotzdem ist das Vereinskonto genauso gut gefüllt wie Arnos. Blöd ist, dass ich überhaupt keine Reservemannschaft habe. Aber wenigstens auch eine voll besetzte Erste und vier Jugendteams. Die Kreisliga A ist bei uns nicht die achte, sondern die neunte Spielklasse von oben. Das finde ich schon ein bisschen gemein, denn bis zur Deutschen Meisterschaft habe ich dadurch einen längeren Weg als Arno! Und stärkemäßig sieht es auch nicht ganz so gut aus, denn da liegen wir fürs Erste nur auf Platz neun.




    Ein bisschen seltsam finde ich, dass wir in unserer Liga zwei Clubs haben, die beide ‚Triberg i.S‘ heißen, und zugleich die erste und die zweite Mannschaft von Sankt Georg. Ich hoffe, Carlo, dass da nicht so ein Zeitparadiesum eingetreten ist!“


    „Paradoxon meinst du. Nee, kann ich mir nicht vorstellen. Wahrscheinlich handelt es sich um verschiedene Clubs, die nur identische Kurzbezeichnungen haben. Das kommt in den unteren Ligen schon mal vor.“


    „Okay, das scheint ja bei dir dann auch gut geklappt zu haben“, stellte Arno fest. „Und jetzt brauchen wir auch nicht mal auszuspielen, wer als Nächster auf die Reise geht!“


    So spielten die drei Freunde dann noch ein paar Runden, ehe sie sich für den nächsten Freitag an gleicher Stelle verabredeten.




    „Im Jahr 2017 ist die Kreisliga A ebenfalls die neunthöchste Spielklasse. Aber alles in allem ist es nicht viel anders als bei euch. Mein Stadion ist schon gleich mal das größte, denn ich konnte es auf immerhin 10.800 Plätze ausbauen. Und ich kriege – wahrscheinlich inflationsbedingt – 50 Euro mehr im Monat als Benno.




    Auch auf dem Vereinskonto liegt geringfügig mehr, nämlich 1.030.569 Euro. Dafür habe ich es an anderer Stelle schlechter erwischt. Denn meine Jugend hat nur zwei Teams, A und B, und bei den Männern reicht es wie bei Benno nur für eine Mannschaft. Und deren Mannschaftsstärke langt gerade mal zum vorletzten Platz im Ligavergleich.




    Naja, ich hoffe mal, dass ich noch ein paar gute Spieler ranholen kann. Für nächste Woche fände ich es übrigens interessant, wenn wir drei hier mal vergleichen könnten, was wir in der Kreisligamannschaft für Spieler haben und für welche Formationen und Taktiken wir uns entscheiden wollen.“


    „Oh, dafür müsste ich aber noch mal in meine Zeit reisen!“


    „Ich auch!“


    „Okay, dann lasse ich jeden von euch noch einmal springen und mache dasselbe. Am besten erstellen wir dabei jeder schon mal einen Terminplan für den jeweiligen Juli.“


    Und so geschah es dann auch. Derweil erstellte Benno bereits mit Excel die erste Vergleichstabelle:




  • Teil 5: Teamvergleich


    Eine Woche später trafen Arno, Benno und Carlo wieder an ihrem Stammtisch zusammen. Skatspielen war aber zunächst einmal gar nicht das Thema, denn jeder wollte am liebsten sogleich berichten, wie es bei ihm lief. Da sie sich jedoch nicht einigen konnten, wer anfangen durfte, mussten dann doch erst einmal die Karten her.




    Arno hatte Glück, dass Carlo bei 20 passte. So kam er ans Spiel, hatte sich nicht überreizt und gewann sein Herz locker mit 77 Augen.


    „Okay“, sagte er, indem er die Karten beiseite schob, „dann leg ich mal los. Auch wenn wir als die Stärksten der Liga gelten, gibt es bei mir da doch so ein paar Positionen, auf denen ich mir eine Verbesserung wünschen würde.



    Wirklich zufrieden bin ich erst mal nur mit Torwart Herzig. Der ist jung, gut und nicht völlig untalentiert. Auch von Ehrmann (RM) verspreche ich mir einiges. Fuchs (RV) ist stark, aber schon 32 und so überhaupt nicht entwicklungsfähig. Ähnliches gilt letztlich für Woltmann (ST), auf dem fürs Erste unsere Hoffnungen im Angriff ruhen. Am meisten Sorgen macht mir die linke Seite; da müssen wir uns unbedingt verstärken.


    Allerdings ist zu berücksichtigen, dass unser Startkader aus reinen Amateuren besteht, die keinerlei Gehalt beziehen. Jeder Zugang würde nicht nur möglicherweise Ablöse kosten, sondern auch monatliches Salär, was dann wiederum Erwartungen bei den anderen weckt. Ehrlich gesagt, würde ich am liebsten zunächst mit diesen 18 Mann beginnen, eventuell noch mit punktueller Unterstützung aus der Reserve.“


    „Na, da hast du’s ja gut!“, entgegnete Benno neidisch, der als Nächster dran war. „Zweite Mannschaften haben wir ja gar nicht. Aber ich find‘ trotzdem das, was so da ist, ganz brauchbar.




    Der Sturm sieht schon ganz schön schwach aus. Und auf RV und LM ziehen wir ziemlich blank. Dafür sind wir im Tor ganz gut doppelt besetzt, und das mit zwei sehr jungen Typen. Innenverteidigung und offensives Mittelfeld sind ordentlich, mal sehen, wie ich die da so aufstelle. Mit dem Thema Gehalt hast du recht, Arno, das hatte ich mir noch gar nicht überlegt. Trotzdem – Geld ist ja da, warum soll man es nicht auch nutzen?“


    „Das finde ich auch“, erklärte Carlo als Dritter in der Reihe, „bei mir muss unbedingt Verstärkung her.




    Da gibt es zwar einige hoffnungsvolle junge Talente, aber vom Beginn weg ist das herzlich wenig. Wirklich gut kann man allenfalls Lindenberg (IV) nennen, alles andere wird sich meiner Meinung nach bald nach einem anderen Verein umsehen müssen. Da haben wir ja in der A-Jugend Besseres! Vor allem Dominik Weber (LM, 17, 26, 3½ Sterne) werde ich versuchen unter Vertrag zu nehmen. Aber auf dem Transfermarkt habe ich mich auch schon mal umgeschaut. Da bräuchte man halt nur dringend einen Scout.“


    Die drei schoben ihre Spielerlisten auf dem Tisch im Gasthaus „Zum Schützen“ hin und her und verglichen und sinnierten, was da wohl die besten Optionen waren. Und wie so oft, wenn sie mit einem Thema nicht weiterkamen, droschen sie erst mal wieder ein paar Runden Skat und tranken das eine oder andere Bier.


    Aber dann kam man natürlich doch irgendwann unweigerlich auf das Thema zurück.


    „Was für Mitarbeiter stellt ihr denn so ein?“, wollte Carlo wissen. „Und was lasst ihr die machen?“


    Darüber hatten sie sich tatsächlich alle die Köpfe zerbrochen.


    „Also, ich habe mich fürs Erste nach einem Co-Trainer, einem Torwarttrainer und einem Marketingmanager umgesehen“, erklärte Benno.


    „Marketing?“ Benno guckte etwas sparsam in die Runde. „Hat das was mit dem Transfermarkt zu tun?“


    „Quatsch, da geht es um Fanartikel und so. Aber das finde ich nicht so wichtig.“


    „Ich hab einfach keine Lust, mich da selbst drum zu kümmern. Zwar hat der Verein einen ehrenamtlichen Mitarbeiter, der heißt Andre Vetter und kümmert sich um alles, aber wenn es ums Geld geht, dann soll das schon jemand machen, der was davon versteht.“


    „Okay, seh‘ ich ein“, sagte Carlo. „Aber erstens habe ich so ein unbezahltes Faktotum nicht, sondern muss alles selbst machen, und zweitens brauche ich vordringlich eine Scout, um überhaupt erst mal halbwegs durchzublicken, was die Spieler von der Transferliste taugen.“


    „Also, ich weiß nur eins: dass ich keinen Masseur einstelle. Das mache ich nämlich selbst!“ Die anderen nickten freundlich, denn Benno war sehr stolz auf seine Fähigkeiten also Physiotherapeut. „Aber – was macht eigentlich so ein Co-Trainer?“


    Da waren sich alle einig, dass der unbedingt gebraucht wurde, und sei es nur, um die Aufstellung und eventuell das Spielsystem vorzuschlagen.


    „Ich werde außerdem sehen, dass ich einen guten Geschäftsführer finde. Und einen Fitnesstrainer.“


    „Für die Fitness sorge ich auch selbst“, beschloss Benno. „Einen Torwarttrainer fände ich gut, denn davon verstehe ich überhaupt nichts. Und Sportdirektor – das klingt irgendwie gut; so einen hätte ich auch gern dabei.“


    Über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Mitarbeiter wurde weiter diskutiert, während die drei ein paar weitere Runden die Karten droschen. Dabei wechselte heute das Glück, einige Spiele wurden aber auch durch Unaufmerksamkeiten entschieden. Schließlich fragte Benno:


    „Wann geht denn eigentlich bei euch der Ligabetrieb los?“


    „Also, bei mir ist das am 26. August“, antwortete Arno. „Da haben wir ein Heimspiel gegen den SV Gutach. Die sind nicht viel schwächer als wir, also wäre ein Sieg schon mal gleich ganz wichtig.“


    „Ist ja witzig“, warf Carlo ein, „wir fangen auch am 26. August an. Nur halt natürlich elf Jahre später. Unser Gegner ist die zweiten Mannschaft des 1. FC Schenkenzell. Schon mal davon gehört? Ich nicht!“


    „Ob die was zu verschenken haben?“, versuchte Benno sich an einem Kalauer. „Nee, Spaß beiseite, unser erster Gegner heißt auch Gutach, aber FC statt SV. Das ist dann ein Heimspiel am 27. August.“


    Doch zunächst standen natürlich bei allen Testspiele an, und selbstredend waren sie gespannt, wer da schon mal die besten Ergebnisse einfahren würde.


    „Zeigt doch mal her“, sagte Carlo, „wie eure Kalenderblätter für den Juli aussehen!“


    „Also, hier ist meins.“




    Danach legte Arno seins auf den Tisch.




    Und als Letzter folgte Carlo.




    Als hätten die drei sich abgesprochen, hatten sie jeder Sponsorentag, Jugendtag und Fanclubtreffen geplant, außerdem ein Trainingslager, das bei Benno und Carlo in Donaueschingen stattfand, während Arno nach Aix Les Bains in Frankreich fuhr. Deutlichere Unterschiede gab es hinsichtlich der Vorbereitungsspiele. Insofern vereinbarten sie, dass sie am nächsten Freitag an gleicher Stelle jeder über mindestens die beiden ersten berichten und dann vergleichen würden, wessen sportlicher Einstand der gelungenste war.


    „Au ja, super“, rief Benno. „Und der Schlechteste zahlt ein Pfund in die Skatkasse!“

  • Bei Skat bin ich raus.


    Alter Schwede, du hast jetzt nicht wirklich den FM 07, 12 und den 18 installiert und spielst alles parallel?! Respekt. Das kann eigentlich nur grandios werden. Bin wirklich gespannt, wie das ganze weitergeht auch im Hinblick auf die Verknüpfungen der Stories.


  • Teil 6: Die ersten Spiele


    „Was soll das denn jetzt eigentlich sein – ein Pfund?“, fragte Arno und kramte sein Portemonnaie raus.


    „Also zu den Zeiten, aus denen der Spruch stammt, waren das immer 20 Euro“, behauptete Carlo grinsend.


    „Nee, nee“, widersprach Benno, „wenn, dann ja mal wohl allenfalls D-Mark!“


    Aber Arno wusste es mal wieder am genauesten.


    „Der Kurs des britischen Pfundes steht heute exakt auf 1,14 Euro“, erklärte er. „Das bezahle ich und keinen Cent mehr.“


    „Noch besser“, korrigierte ihn Benno, „nur die Hälfte! Denn wir hatten in unseren beiden ersten Testspielen genau die gleichen Ergebnisse!“




    „Allerdings finde ich es nicht ganz fair, dass Carlo gegen die eigene Jugend gespielt hat. Ist doch klar, dass er da gewonnen hat!“


    „Hättest du ja auch machen können!“


    Aber schließlich zahlten Arno und Benno dann doch klaglos jeweils 57 Cent in die Skatkasse ein.


    „Im Grunde zahle ich das gerne“, sagte Arno. „Denn ich habe aus gutem Grund ausschließlich Freundschaftsspiele gegen Bezirks- und Landesligisten vereinbart. Wir wollen wissen, wo wir stehen, und gegen unterklassige Clubs oder die eigene Jugend erfahren wir das nicht.“


    Dagegen musste Benno etwas betreten zugeben:


    „Ausgerechnet der FV Grafenau, gegen den wir verloren haben, war so ein unterklassiger Verein.“


    „Macht ja nix“, sagte Carlo. „Noch ist jede Niederlage zu verkraften. Habt ihr denn schon Erfolg mit Verstärkungen gehabt?“


    Wie sich herausstellte, hatten sie alle schon in der ersten Woche Neuzugänge zu verzeichnen. Bei Benno war das allerdings lediglich ein Jugendspieler (Oliver Stangl, ST, 18 Jahre, 33), der einen Vertrag unterschrieben hatte. Gleiches galt für Carlo, der den schon erwähnten Dominik Weber (LM, 17, 26) an die erste Mannschaft band. Arno hingegen beorderte einen Reservisten (Stefan Schmidt, IV, 26, 32) in den Kader und konnte mit Marc Pilger (LV, Stärke 31) einen Spieler vom 1. FC Feucht II leihweise verpflichten.


    „Das ist natürlich schon mal eine gewisse Verbesserung“, erklärte er, „aber jetzt kommt es mir erst mal darauf an, dass die Mannschaft sich einspielt. Testspiele im Trainingslager sind im Jahr 2006 leider nicht möglich, aber drei weitere wollen wir im Juli auf jeden Fall noch machen. Fürs Erste kann ich feststellen, dass der Wille durchaus da ist.




    Am 4. Juli gegen Weilersbach (links) haben wir ganz schwach angefangen, aber dann lief es plötzlich und vor allem die Moral stimmte. Zwei Wochen – und ein Trainingslager – später kassierten wir gegen Niedereschach wieder ein frühes Gegentor, diesmal hat es mit der Wende nicht geklappt, aber es lief trotzdem ganz ordentlich.“


    „Mit was für einer Formation hast du gespielt?“, wollte Carlo wissen.


    „Also, da muss ich wohl noch rumprobieren. Am Anfang schien mir ein 3-1-4-2 am besten, also ziemlich offensiv, ohne Außenverteidiger und mit nur einem DM. Im zweiten Spiel habe ich es dann mit Linksverteidiger und Libero versucht, aber der Weisheit letzter Schluss ist das noch nicht. Mein größtes Problem ist, dass mit Stefan Fuchs (RV, Stärke 38) mein bester Mann noch nicht zur Verfügung steht.“


    Der Vergleich der Formationen, mit denen sie jeweils ihr erstes Spiel begannen, ergab dieses Bild:


    (von links: Arno/FM07, Benno/FM12 und Carlo/FM18)


    „Ich habe mich vorerst dafür entschieden, mit nur einer Spitze aufzulaufen“, erklärte Carlo. „Dahinter agiert Schnoor (HS), und der hat auch bislang die meisten Tore erzielt, nämlich drei der vier.“


    „Mit einer Spitze habe ich auch angefangen“, sagte Benno, „aber das hat ja nicht so gut geklappt. Schon im nächsten Spiel habe ich auf ein 4-2-4 umgestellt, das scheint mir deutlich besser zu funktionieren.“


    Und Arno übernahm gleich wieder die Aufgabe des Chefstatistikers und machte eine Aufstellung über die ersten Begegnungen der drei Hornberger Teams.




    „Na also“, sagte er und legte zufrieden den Stift beiseite, „da soll noch mal einer sagen, das Hornberger Schießen führte zu nichts!“


    Alle drei lachten und freuten sich schon auf die nächsten Aufgaben.


    „Und Hornberger Schützenkönig ist erst einmal Pascal Schnoor“, ergänzte Benno. „Aber sagt mal, kennt ihr eigentlich irgendwen von euren Spielern? Ich meine, denen müsste man doch an sich schon mal hier irgendwo begegnet sein.“


    Arno schüttelte nur den Kopf. Und Carlo sagte:


    „Bei mir spielt Tobias Sippel im zentralen Mittelfeld. Aber ich habe schon mal mit ihm geredet, der ist nicht mal verwandt mit dem gleichnamigen Gladbacher Keeper.“


    „Is‘ schon alles ziemlich misteriell“, fand Benno.


    „Mysteriös“, verbesserte Arno, und Carlo verdrehte die Augen.


    Aber Benno griff nur fröhlich nach den Karten und begann zu mischen.


    „Kommt, wir wollen mal noch ein paar Runden zocken“, schlug er vor.


    Das geschah dann auch. Bis Arno schließlich irgendwann sagte:


    „Lasst uns noch festlegen, wer als Nächster was in die Skatkasse zahlen muss!“


    „Wer als Erster höher als 0:1 verliert!“, schlug Benno vor.


    „Okay“, stimmte Carlo zu, „aber diesmal nicht bloß 1,14 Euro. Fünf Euro ins Schwein, einverstanden?“


    Die beiden anderen nickten, und dann wurden noch ein paar Partien gespielt und einige „Herrengedecke“ getrunken.

  • Zunächst einmal: von Skat habe ich leider keine Ahnung. Könnte aber ganz nützlich sein, so eine Spielform für drei Personen ins Repertoire aufzunehmen. In der Schweiz muss man für einen anständigen Jass immer zu viert sein.


    Was den Rest der Story angeht: Uff, mehr als einen Verein in der gleichen Story zu spielen, scheint ja momentan im Trend zu liegen. Aber gleich drei Stück und das erst noch in unterschiedlichen Managern? Sehr ambitioniert, aber auch sehr spannend. Dass die drei Protagonisten das nur des Geldes wegen unternehmen, finde ich etwas fragwürdig, da hätte ich dann doch ein paar vielversprechendere Ideen für eine Zeitreise. Aber gut, mittlerweile sind sie ja in ihrer Rolle als Manager schon recht aufgegangen. Wirklich spannend wird es Einsteinscher Sicht vor allem, wenn sich die Abenteuer zeitlich zu überschneiden beginnen. Aber bis dahin sind es noch fünf Saison, das wird ein Weilchen in Anspruch nehmen. Viel Erfolg jedenfalls dem Trio ABC!


  • Teil 7: Der erste Monat geht zu Ende


    „Ey, Golf ist schon irgendwie ‘ne geile Sportart“, bemerkte Benno.


    Es war wieder Freitag. Nur Carlo war noch nicht im Gasthaus „Zum Schützen“ eingetroffen.


    „Seit wann spielst du denn Golf?“, wunderte sich Arno.


    „Na, da halt – in der Vergangenheit. Das kostet auch gar nix.“


    Arno musste zugeben, dass er auch schon seine Leidenschaft für die kleinen Bälle entdeckt hatte.


    „Wenn Carlo ebenfalls golft“, kam ihm die Idee, „können wir ja mal einen kleinen Handicap-Vergleich machen.“


    „Genau. Apropos Vergleich: Hast du schon ein Spiel höher als 0:1 verloren?“


    „Nee, bei mir lief es jetzt eigentlich ganz gut. Hier meine komplette Liste der Juli-Spiele:“


    „Ich wusste gar nicht, dass es auch einen SV Freiburg gibt!“


    „Das ist ein Landesligist. Und auf das Unentschieden bin ich besonders stolz, denn die waren auf dem Papier mit 372:322 eigentlich deutlich stärker als wir.“


    „Und Freiburger zu schlagen, ist ja sowieso immer ein Vergnügen für sich.“


    „Du sagst es. Wie sieht es denn bei dir aus, musst du die fünf Euro blechen?“


    „Nö.


     

    Mit Schiltach hatten wir als Nächstes auch einen deutlich stärkeren Gegner (337:401), deshalb sehe ich das 0:1 eigentlich eher als Erfolg. Aber danach haben wir dann so richtig vom Leder gezogen. – Sag mal, wo bleibt eigentlich Carlo?“


    Aber just in diesem Moment kann der dritte Mann zur Tür herein und setzte sich zu den anderen.


    „Tut mir leid, Jungs, ich musste da noch was schrauben.“


    „Schrauben?“


    „Naja, nicht wörtlich. Aber unsere geliebte Zeitkapsel muss halt immer mal ein wenig gewartet werden. – Wie weit seid ihr?“


    Arno und Benno zeigten ihm ihre Ergebnisübersichten und wollten nun natürlich auch seine sehen.


    „Ja, ja“, sagte Carlo gedehnt, „ich zahle ja schon den Fünfer in die Skatkasse.


     

    Dabei ließ es sich an sich ganz gut an. Ein 1:2 gegen einen Bezirksligisten ist ja nun auch kein Drama. Aber mit Blau-Weiß Fischerbach aus der Landesliga (290:363) haben wir uns dann wohl doch ein bisschen verhoben. Vor allem, weil die Frische sehr nachließ. Deswegen habe ich das danach eigentlich geplante weitere Testspiel auch abgesagt und der Mannschaft zehn Tage Regeneration gegönnt. Gegen den unterklassigen SV Neubrunn lief es dann wieder wie geschmiert.“


    Arno, der die Skatkasse führte, nahm das Geld von Carlo entgegen und trug den Vorgang wie immer sorgsam in seine Kladde ein.


    „Weil wir gerade beim Geld sind“, sagte er dann, „habt ihr denn alle einen solventen Hauptsponsor gefunden?“


    Ja, das hatten sie.



    Butter, Pillen oder Sportwagen – letztlich war es ziemlich gleichgültig, woher das Geld kam. Aber die Unterschiede waren da doch ganz beträchtlich.


    „Hehe“, lachte Benno schadenfroh, „da seht mal zu, wie ihr das aufholt!“


    „Ist das denn bei dir der Jahresbetrag oder bekommst du das monatlich?“, fragte Arno.


    „Äh, das weiß ich jetzt gar nicht so genau…“


    „Ist ja auch völlig gleichgültig“, beschwichtigte Carlo. „Erfahrungsgemäß müsstet ihr mit dem Geld des Vereins klarkommen, und auf euer privates Geld hat das sowieso keinen Einfluss.“


    „Mich würde ja auch mal viel mehr interessieren, was ihr jetzt letztlich für Mitarbeiter eingestellt habt.“


    Und auch da wurde ein Vergleich auf den Tisch gelegt.


    (von oben: Arno/FM07, Benno/FM12 und Carlo/FM18)


    Wieder war festzustellen, dass die finanziellen Gegebenheiten in den drei Jahren durchaus unterschiedlich waren. Carlo schlug vor, das im Auge zu behalten, und wollte etwaige Möglichkeiten prüfen, ob sich da vielleicht Verschiebungen zwischen den Zeiten machen ließen, falls das nötig wurde.


    Aber wie meistens, wenn ausgiebig über ein Thema geredet worden war, wurden nun erst mal wieder die Karten gedroschen.


    „Ihr seid also alle am Ende des ersten Monats angekommen?“, fragte Carlo, während er krampfhaft überlegte, ob er Null spielen oder doch einen Grand wagen sollte.


    „Jepp“, antwortete Benno, „und ich freu mich schon, wenn Anfang August das erste Gehalt auf meinem Konto ist. Wird nämlich Zeit, meine Bank hat schon wieder ‘ne Mahnung geschickt.“


    „Meine auch“, stöhnte Arno. ,Man hätte keinen Verein, sondern eine Bank gründen sollen!“


    „Stimmt!“, pflichtete Benno bei. „Mann Carlo, warum haben wir das nicht gemacht?“


    „Weil wir das nicht können, du Esel!“, erwiderte der genervt. „Aber wenn ihr nach einer Weile mit eurem verdienten Geld Immobilien kauft, ist das mindestens genauso gut. – Grand!“


    „Stimmt wohl“, sagte Arno und spielte seine lange Farbe an. „Und bis dahin üben wir gewissermaßen, indem wir die Infrastruktur des Vereins aufpeppen.“


    Was für ‘ne Struktur?“ Benno verstand überhaupt nichts. Dafür warf er umso entschlossener seinen Buben auf den Tisch.“


    „Oh Mann!“ Carlos Ausruf galt diesmal nicht Bennos Unwissenheit, sondern der Tatsache, dass er sein einziges As drauflegen musste.


    „Mit drei, Spiel vier, verloren acht“, zählte Arno wenig später.


    „Sei’s drum“, winkte Carlo ab. „Aber lasst uns doch zum Schluss nochmal die jeweilige Infrastruktur vergleichen!“


    (von links: Arno/FM07, Benno/FM12 und Carlo/FM18)