Eine Saison mit ... Hellas Verona

  • Vorwort

    Es gibt dieses großartige Buch von Tim Parks: „Eine Saison mit Verona“. Da reist der Autor (Engländer, geboren in Manchester!) eine Saison lang mit den Fans kreuz und quer durch Italien, um jedes Spiel, die Atmosphäre und auf diese Weise das Land und die Menschen zu erleben.


    Als ich mich gerade mal wieder an dieses Buch erinnerte, brachte mich das auf den Gedanken, ebenfalls nur eine Saison mit einem Fußballclub zu erleben – natürlich nicht als Zuschauer und Fan, sondern als Manager. Nun habe ich mir länger kein neues Managergame zugelegt (neueste Versionen von EA und SI = 2024) und habe nicht die Laune, in der Vergangenheit anzufangen. Deshalb nehme ich ein Savegame, schmeiße mein Alter Ego raus und steige als neuer Manager ein. (Jeder ist hier gern gesehen mit einer eigenen ähnlichen Story, mit welchem Club auch immer.)


    Den ersten Versuch dieser Art starte ich in Italien im Jahr 2044, und zwar mit dem Football Manager 2020. Was ich zuvor in dem Save schon mit anderen Clubs veranstaltet hatte, erwähne ich nicht explizit. In Italien war ich bis dahin aber noch nicht Trainer.


    Eine Saison mit … Hellas Verona

    Da fügt es sich günstig, dass Hellas Verona gerade als Tabellendritter der Serie B in die Erstklassigkeit aufgestiegen ist. Malte Womerde gibt sich die Ehre, den erfolgreichen Aufstiegstrainer, Riccardo Sottil, aus seinem Stuhl zu kippen und selbst das Ruder in die Hand zu nehmen.



    Hellas Verona FC (das steht tatsächlich für „Football Club“!) wurde im Jahr 1903 von Schülern des Gymnasiums Liceo Maffei in Verona gegründet. Seine erfolgreichste Zeit hatte der Verein in den 1980er Jahren, als man namhafte Spieler wie Thomas Berthold, Hans-Peter Briegel oder Preben Elkjær Larsen verpflichtet hatte und 1984/85 italienischer Meister wurde. Seitdem fand für ihn vieles in der Serie B oder sogar eine Klasse darunter statt, bis es 2013 wieder in die Serie A ging. Zwar stattete man auch danach immer mal wieder der Zweitklassigkeit einen Besuch ab, aber es gab auch viele schöne Jahre unter den besten Clubs Italiens, davon zwei (2021 und 2031) mit dem Titel des Vizemeisters. Nach drei mageren Spielzeiten gelang nun wieder der Aufstieg, und das ausgegebene Saisonziel lautet: mutiger Kampf gegen den Abstieg.



    Immerhin 18,25 Mio. Euro stehen auf dem Konto und die Budgets liegen bei 4,6 Mio. (Transfers) und 2 Mio. (Gehälter) – na, mal sehen, wie weit sich damit kommen lässt.


    Die Mannschaft

    Das erste Dilemma ist schon mal, dass im Profikader kein einziger Torwart steht. Okay, ich hole Giuseppe Andreozzi (35) aus der Reserve ins Team, aber da besteht ganz klar Handlungsbedarf.


    Ansonsten ist mein Plan, ein safes 4-4-2 zu spielen, bei dem die zwei Spitzen aus dem gesamten Mittelfeld und von den Außenverteidigern aktiv unterstützt werden, so dass es letztlich – trotz defensiver Rollen der Flügelspieler – eine recht offensive Variante ist. Leider sind zwei dafür wichtige Spieler aktuell verletzt, Talent Marco Innocenti (MZ, 19) sogar noch für drei bis fünf Monate. Verbesserungsbedarf gibt es auch auf der rechten Seite, wo der Ägypter El Qubaisi (25) und Berghi (22) die für sie vorgesehenen Rollen nicht wirklich zufriedenstellend ausfüllen können. Wenigstens mit der Ersatzbank bin ich insofern einigermaßen zufrieden, als wir – außer fürs Tor – überall leidlich brauchbare Backups haben.



    Wir schreiben den 30. Juni 2044. Morgen öffnet das Transferfenster, aber ich schaue schon mal nach auslaufenden Verträgen und beauftrage meinen Staff, hier und da Verhandlungen aufzunehmen. Einen Sportdirektor haben wir allerdings nicht, und das, wo ich dem doch eigentlich einen Großteil der Aufgaben übertragen will. Also muss diese Stelle besetzt werden.



    Da ich neu in Italien bin, interessiere ich mich durchaus für Gerüchte, die im Hinblick auf Hellas Verona verbreitet werden. Spagnolo ist ein 18-jähriger linker Flügelspieler von Juve, der eigentlich eine Nummer zu groß für uns scheint, aber auf der Leihliste steht. Greco aus Florenz ist 20 und ein recht starker Innenverteidiger, der ebenfalls ausgeliehen werden soll. Und Ballarin (21) spielt derzeit gar in der Liverpool-Jugend und ist seines Zeichens – Torwart! Für alle drei gebe ich Leihangebote ab.


    Die Serie A

    In unserer Liga steigen am Saisonende drei Mannschaften ab. Schaut man auf die aktuellen Wettstände, dann gehören wir dazu.



    Die sieben Erstplatzierten dürfen international spielen, aber darauf machen wir uns natürlich keinerlei Hoffnungen. Interessant ist, dass großzügige zwölf Ersatzspieler nominiert werden dürfen, davon darf man aber nur knickerige drei einwechseln. Weitere Regeln erläutere ich bei Bedarf, wenn sie zum Tragen kommen sollten. Am 21. August startet der Ligabetrieb, unser erster Gegner wird Cremonese sein – ein Heimspiel, das wir unter allen Umständen gewinnen sollten. Eine Woche davor bestreiten wir unser erstes Pflichtspiel, wobei der Gegner in der dritten Qualifikationsrunde des Pokals heute noch nicht feststeht.


    Das erste Spiel

    Peinlich: unser Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Fischer muss mich erst darauf aufmerksam machen, dass der Vertrag von Keeper Andreozzi in einer Woche ausläuft. Aber wir haben eine Verlängerungsoption, die ich schnell ziehe, damit wenigstens überhaupt jemand vom Fach zwischen den Pfosten stehen kann.


    Gleich am ersten Trainingstag nach dem Urlaub testen wir gegen die eigene U18. Vorher holen wir uns aber noch einen Sportdirektor ins Boot. Der ist hier kein Unbekannter, denn zwischen 2036 und 2038 spielte er 46-mal für Hellas und erzielte drei Ligatore.



    Zugänge haben wir bis zum 4. Juli noch nicht zu verzeichnen, aber das ist mir sehr recht, denn so kann ich mir in Ruhe anschauen, was da bereits vorhanden ist unter denen, die sich kennen. Drei Spieler sind verletzt, einer – der Angreifer Ivan Gerini (19) – ist auf Länderspielreise mit Italiens U19 und sieben weitere habe ich kurzerhand zum gegnerischen Team beordert, weil ich für sie auf Dauer keinen Platz in der ersten Mannschaft sehe, sie aber doch auf dem Spielfeld begutachten möchte. Kurz und gut, es wird ein wenig aufschlussreiches Schützenfest, bei dem Paolo Fabbri mit sieben Treffern hervorsticht.


  • Year, Malte ist zurück! Welcome back my friend. Liest sich erstmal spannend, aber ob mich das reizen könnte weiß ich gerade nicht. Aber das ist ja nicht wichtig, dich muss es reizen und das tut es offenbar. Ik freu mir jedenfalls.

    "Lohnt es sich denn?" fragt der Kopf.
    "Nein, aber es tut so gut!" antwortet das Herz.


    Autor: unbekannt

  • Erste personelle Veränderungen

    Zwei nicht näher erwähnenswerte Spieler verlassen uns nach Ablauf ihrer Verträge, dafür haben wir den ersten Neuzugang zu verzeichnen: Er heißt Alessio Cupparo (26), war ablösefrei zu haben und scheint perfekt auf die rechte Angriffsseite zu passen. Damit haben wir jetzt 24 Spieler (zuzüglich sechs junge, die aus Altersgründen nicht registriert werden müssen). Maximal 25 sind erlaubt, so dass ich da wohl noch werde nachsteuern müssen.



    Der nächste, der kommt, ist der schon erwähnte Lorenzo Spagnolo, Leihspieler von Juventus für die linke Angriffsseite. Beide Neuen bleiben erst einmal draußen, als wir am 9. Juli gegen LOSC Lille im Friendly antreten. Klar, dass die eine ganz andere Hausnummer sind, und wir stehen von Anfang an mächtig unter Druck. Torwart Andreozzi rettet uns mehrfach den Allerwertesten, und als es nach einer Stunde immer noch 0:0 steht, wechsele ich die beiden Neuen ein. Am Ende stehen wir in der Statistik sogar als fast gleichwertiger Gegner da und dürfen uns über ein torloses Unentschieden freuen.


    Und einen Tag später erhalten wir endlich die ersehnte Verstärkung im Tor.



    Den Senegalesen haben wir für laue 325 T€ aus Bergamo holen können, die Fans freuen sich, dass wir „einen Spieler seines Kalibers verpflichtet“ haben. Noch am selben Tag stößt auch der geliehene Lorenzo Greco von der Fiorentina zu uns, um die Innenverteidigung zu verstärken. Das bedeutet, dass ich gleich mal bei einigen schwächeren Spielern die Registrierung aufheben muss. Und dass ich schweren Herzens auf Andrea Ballarin, den Leihtorwart aus Liverpool, verzichte, um mir den Spielraum nicht von vornherein abzuschneiden.

    Andere Länder, andere Sitten

    Gegen den nächsten französischen Erstligisten FC Lorient verlieren wir 1:2, aber wir waren gleichwertig, so dass ich nicht unzufrieden bin. Unseren Treffer erzielte Neuzugang Cupparo. Weitere vier Tests stehen auf dem Plan, ehe die Pflichtspiele beginnen.


    Was mir erst im Nachinein aufgefallen war: der geliehene Lorenzo Greco ist ein U22-Spieler und muss deshalb nicht registriert werden. So haben wir aktuell noch zwei Plätze für die Registrierung frei und ich versuche außerdem diese Regelung zu nutzen, indem ich mich nach weiteren guten U22-ern umsehe.


    Am 17. Juli erfolgt die Pokalauslosung. Skurrilerweise wird die hier nicht Spieltag für Spieltag vorgenommen, sondern gleich in einem Rutsch für den gesamten Wettbewerb. Für uns ergibt sich daraus diese befremdliche Auflistung:



    Ich zerknülle sie sogleich und schmeiße sie in meinen Büropapierkorb. Dann gehe ich zu Cristiano Raimondo, meinem Co-Trainer, und lasse mir erklären, was uns in den ersten Pokalrunden erwartet. Der schmunzelt nur und sagt:


    „Ganz einfach, Boss. Am 14. August treffen wir auf die Juve-Reserve oder Latina oder Pescara. Danach erwartet uns Salernitana oder Stabia, Modena oder Atalanta. In der ersten Hauptrunde dann…“


    „Stopp, stopp, hör auf! Ich will davon nichts mehr hören!“


    Ich knalle die Tür hinter mir zu, stapfe in mein Büro zurück und wende mich unserem nächsten Gegner zu, dem SC Bastia, gegen den wir in unserem ersten Auswärtsspiel testen.


    Was mich dann wieder besänftigt: Jonas Engelhardt ist begeistert, auf Leihbasis zu uns zu wechseln. Er ist ein 19-jähriger Torwart vom AC Milan, der es mir ermöglicht, den wackeren alten Andreozzi aus der Registrierung herauszunehmen, weil ich ihn nun nicht mehr als Ersatz hinter Sidy Mboup brauche. Vielmehr habe ich jetzt noch drei Plätze frei, die ich bis zum Schluss des Transferfensters Ende August möglichst stark zu besetzen gedenke.


    Als Nächstes kommt mit Arlind Mata (19) von Lazio Rom ein weiterer U22-Leihspieler, weil ich unser zentrales Mittelfeld nicht für stabil genug besetzt halte.



    Innocenti ist noch länger verletzt, Cupparo brauche ich auf der rechten Seite und Martis ist zu offensiv für die vorgesehene Rolle. Cristi will uns zudem verlassen. Da dürfte Mata nach einer Eingewöhnungsphase gesetzt sein. Jetzt würde ich gern noch die Außenverteidigerpositionen verstärken, und einen Stürmer könnten wir auch noch gebrauchen – mal sehen, was sich ergibt.

    Die Vorbereitungsspiele

    In Bastia auf Korsika wird es eine sehr einseitige Partie, die wir durchaus höher als mit 7:0 hätten gewinnen können. Es folgt der erste Test gegen einen Ligakonkurrenten, und zwar gegen die sehr stark eingeschätzte Fiorentina. Da spielen wir 70 Minuten in Überzahl, und trotzdem ist das 3:1 mal ein deutliches Ausrufezeichen.



    Der August 2044 beginnt damit, dass ich Isaac Sanz begrüße, den wir für 300 T€ von Villareal holen konnten. Er kann alle Verteidigerpositionen spielen und gibt uns damit deutlich mehr Spielraum für die Abwehr.



    Sicherlich wegen unserer Neuzugänge, aber auch angesichts der Testspielergebnisse stehen wir nun schon ein wenig besser da, was die Italienischen Sportnachrichten mit den Meisterschaftsquoten der Serie A bestätigen:



    Angesichts dessen lasse ich mich bei einem Interview gegenüber der Stampa dazu hinreißen, als mein persönliches Saisonziel einen gesicherten Mittelfeldplatz auszugeben. Beim Drittligisten Chieti unterstreicht die Mannschaft diese Ambitionen sodann mit einem starken 10:0-Sieg.


    Eine Woche vor unserem ersten Pflichtspiel erfahren wir dann auch endlich, wer da unser Gegner sein wird. Im Pokal geht es zunächst zu Hause gegen die U23 der „Zebras“ von Juventus Turin. Die haben auf dem Weg in die dritte Quali-Runde immerhin Albinoleffe und den Zweitligisten Brescia Calcio ausgeschaltet. Trotzdem sollte die Aufgabe lösbar sein.


    Vorher testen wir aber noch ein letztes Mal, und zwar gegen die AC Pro Sesto aus der Gegend um Mailand. Das lockere 9:0 gegen die Dilettanti ist natürlich gut für die Stimmung im Team, eine wirkliche Hilfe für die bestmögliche Startelf in den wichtigen Spielen stellt es nicht dar. Ich habe mir aber mal notiert, wer sich in der Vorbereitung empfohlen hat, und da sehen meine Pläne jetzt grob so aus:



    Acht Spieler sehe ich schon mal in der Stammelf, „erste Wahl“ bedeutet, dass sich aus diesen Spielern wohl jeweils die Startelf auffüllen wird. Dass da nur sechsmal „Bank“ steht, obwohl man zwölf Ersatzspieler nominieren darf, heißt nur, dass die übrigen Spieler sich durchaus auch Hoffnungen auf eine Berücksichtigung machen dürfen. Ein Sonderfall ist Ferraro: Er hat zwar wegen seiner Verletzung bislang nicht spielen können, sollte bis zum Ligastart aber einigermaßen fit sein und ist mein Favorit für die linke Abwehrseite.


    So, und dann kann es losgehen. Malte Womerde steht vor seinem ersten Pflichtspiel als Trainer, und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Erwartungen unserer Fans erfüllen können. Die Favoritenrolle können wir jedenfalls nicht leugnen.


  • Saisonstart


    Zu Beginn sind wir trotz Überlegenheit reichlich nervös, die erste Chance ergibt sich erst in der 20. Minute. Aber die bedeutet dann auch gleich die Führung, denn Mata gelingt es nach zu kurzer Abwehr des Keepers, den Ball irgendwie über die Linie zu drücken.



    Danach läuft es besser, Fabbri legt das 2:0 nach und Spagnolo macht kurz vor der Pause wie Mata sein erstes Tor im ersten Spiel.


    Nach einer Stunde bringe ich D’Amato für den angeschlagenen Fabbri und Matis für den verwarnten Mata, worauf die Jungs mit einer allzu nachlässigen Phase reagieren, in der Juves Nangeroni der Ehrentreffer für die Zebra-Fohlen gelingt. Sanz und Cupparo erzielen aber ebenfalls noch jeweils ihre Debuttreffer, ehe der eingewechselte Matis sich überflüssigerweise Gelb-Rot abholt. Ich schätze mal, damit ist er für mich eine Weile unten durch.


    Wir gewinnen also unser erstes Pflichtspiel klar mit 5:1, wobei auffällt, dass sich nicht zum ersten Mal die Treffer auf viele verschiedene Köpfe (bzw. Füße) verteilen. Schon in der Vorbereitung haben ja zwei Drittel der eingesetzten Feldspieler mindestens einmal getroffen, mit Ausnahme von Fabbri (13 Tore) maximal vier Mal. Natürlich freut mich das auf der einen Seite, weil es zeigt, dass mein Konzept mit der aktiven Angriffsunterstützung durch das gesamte Team (außer der Innenverteidigung) zu funktionieren scheint. Diese offensive Breite ist für die Gegner auch nicht leicht zu unterbinden. Andererseits können wir da gegen stärkere Gegner natürlich durchaus auch mal ziemlich dumm dastehen.


    Ich überlege mir das nochmal.


    Im ersten Ligaspiel ändere ich das aber noch nicht. Denn das müssen wir gewinnen. Es geht gegen Cremonese, das vermeintlich schwächste Team der Liga. In der Coppa haben sie gerade den Zweitligisten Catania mit 2:1 nach Verlängerung besiegt. Die Buchmacher sehen uns mit 2,50 zu 2,62 leicht favorisiert, doch entscheidend ist natürlich wie immer auf’m Platz.


    Fabbri (ST) ist wieder fit, aber Cardillo (IV) hat eine Knöchelprellung, den lasse ich lieber draußen. Für ihn läuft Greco in der Innenverteidung auf. Hinten links darf Paonessa ran, weil Ferraro mit seinem Achillessehnenriss diese Woche noch ausfällt. Im Übrigen entspricht die Startelf der vom vorigen Sonntag.

    Unser erstes Ligaspiel

    Das Spiel beginnt überhaupt nicht entsprechend meinen Vorstellungen. Wir sind zwar überlegen, erarbeiten uns aber kaum Torchancen und wirken unsicher. So steht es zur Halbzeit nur 0:0. Und nach der Pause wird es zunächst nicht besser. Dann aber zeigt Paolo Fabbri mal seine ganze Klasse: Auf der rechten Seite tankt er sich durch, kommt mit etwas Glück auch durch den Strafraum bis zur Grundlinie und zirkelt den Ball dann aus spitzem Winkel ins lange Eck. Endlich die Führung!



    Danach werden wir lockerer, von den Cremonesi kommt fast nichts mehr. Sanz erhöht mit einem strammen Weitschuss auf 2:0, was uns fast ein bisschen überheblich werden lässt, denn Luca Filippi stolpert in unserem Strafraum mehr über seine eigenen Beine als über die von Sanz, aber der Schiri gibt Strafstoß, was es kurz noch einmal spannender macht als nötig. Egal, wir haben ja Fabbri, der wenig später den alten Abstand wieder herstellt und in der letzten Minute der Nachspielzeit mit einem Elfmeter seinen Hattrick komplettiert.


    Juventus („Zebre“) verliert überraschend zu Hause gegen Sassuolo, AC Mailand und AS Rom trennen sich 0:0, doch Inter und der SSC Neapel werden gleich ihren Favoritenrollen gerecht und führen die Tabelle nach dem ersten Spieltag an. Aber wer folgt da hinter ihnen? Ja, okay, gegen den Abstiegskandidaten Nummer eins kann man schon mal gut aussehen, nächste Woche sehen wir weiter, da geht es nach La Spezia.



    So großartig Fabbri spielt – und auch mit Ivan Gerini bin ich sehr zufrieden –, einen weiteren starken Stürmer wollte ich unbedingt noch holen. Das ist jetzt gelungen, für 2 Mio. kommt aus Nantes ein 24-jähriger Franzose (und zugleich Tunesier) mit dem hübschen Namen Anis Bannani.



    Da er kein Italienisch spricht, verordne ich ihm gleich mal einen Sprachkurs. Er hat seit 2034 für den FC Metz gespielt, mit 16 sogar schon in der Ligue 1, und war zuletzt nach Auxerre ausgeliehen. 22 Tore hat er in seiner Zeit mit Profis erzielt, was nicht sehr viel klingt, bei uns aber gerne mehr werden darf.

    Starker Saisonstart

    Spezia Calcio 1906 ist vorige Saison als Aufsteiger Vierzehnter geworden, sie sind eine klassische Fahrstuhlmannschaft (noch mehr als wir). Zu Saisonbeginn gab es für sie ein achtbares 0:1 in Florenz, die Woche davor im Pokal ein klares 4:0 gegen den Zweitligisten Pro Vercelli. Im zweiten Ligaspiel gegen uns gelten sie als leichter Favorit.


    Bannani lasse ich zunächst noch draußen, Fabbri und Gerini halte ich für etwas stärker, zudem sind sie eingespielt. Paonessa erhält auf der LV-Position wieder den Vorzug vor El Qubaisi, ansonsten bleibt es bei der bisher erfolgreichen Formation.



    Spezia beginnt stark, aber wir gehen mit einem Konter in Führung – Torschütze? Na klar, Fabbri. Und derselbe Spieler erhöht nach einer guten halben Stunde sogar auf 2:0. Danach kommt von den Liguriern fast gar nichts mehr. Gerini trifft noch vor der Pause und dann nach gut einer Stunde erneut. Wir gewinnen beinahe ohne ernsthafte Gegenwehr 4:0 – ich bin zum ersten Mal sprachlos!


    Nach dem Spieltag stehen wir gleich zweimal ganz oben: in der Torschützenliste in Gestalt von Paolo Fabbri (fünf Tore, es folgen zwei Spieler mit je drei Toren) und in der Tabelle:



    Mir ist natürlich sehr bewusst, dass das eine Momentaufnahme ist und wir gerade sechs Punkte gegen den Abstieg geholt haben, mehr nicht. Aber der guten Stimmung in Team und Verein tut das keinen Abbruch, auch Fans und Sportpresse feiern uns schon mal ausgiebig. Gerini wird sogar „Spieler der Woche“. Ich denke zuerst: Ups, warum nicht Fabbri? Aber dann sehe ich, dass es in der Kategorie „La Giovane Italia U19-Spieler der Woche – Serie A“ ist. Außer ihm und Fabbri stehen auch Keeper Mboup und die Abwehrspieler Cardillo und Sanz in der Elf der Woche.

  • Letzte Deals

    Dann kommt der 31. August 2044, der letzte Tag des Transferfensters. Was ich mir wünschen würde, wenn ich dürfte? Noch einen starken Außenverteidiger.



    Unser einziger echter Außenverteidiger ist der noch rekonvaleszente Ferraro, der sich auf Links am meisten zu Hause fühlt. Die anderen haben ihre Stärken überwiegend woanders oder kommen mit der vorgesehenen Rolle als inverser Außenverteidiger nicht so gut klar.


    Übrigens schaut sich auch mein Sportdirektor Samuel nach Verstärkungen um, scheint den Bedarf aber eher im Tor und in der Innenverteidigung zu sehen. Ich streite mich nicht mit ihm, denn am Ende des Tages entscheide ohnehin ich, wer kommen darf und wer nicht.


    Noch am Vormittag dürfen wir uns beide freuen: Xan Salas (22) kommt für 1,2 Mio. von La Coruña, er war mein absoluter Wunschspieler, und Samuele Corda (22) leihen wir von Lazio Rom aus.



    Salas bedient beide Abwehrseiten ungefähr gleich stark, ich plane ihn auf jeden Fall rechts ein. Cordas Stärke ist die zentrale Abwehr, er kann aber auch links oder notfalls rechts eingesetzt werden. Ein guter Backup also. Er ist Italiener und muss deshalb nicht registriert werden. Damit habe ich nun den Registrierungsrahmen ausgeschöpft und sogar noch Andreozzi als dritte Option fürs Tor dabei. Andererseits verlassen uns zwei Stürmer, mit denen ich eh nicht geplant hatte, per Leihe: Emmanuel Kouadio (23) geht nach San Benedetto del Tronto, der Marokkaner Yacine Sebbar (22) nach Carrara, beide in die Serie C.


    Ein wenig bedauerlicher sind da schon die Abgänge von Marco Valenti (24) und Mahmoud El Qubaisi (26) zum Ligakonkurrenten Spezia. Valenti passte mit seinem Schwerpunkt als defensiver Mittelfeldspieler nicht wirklich in mein Konzept und wollte gern weg, der Ägypter tat sich schwer mit der Verpflichtung von Sanz, Salas und Corda, hinter denen er sich tatsächlich kaum noch Hoffnung auf viele Einsätze machen konnte. Für beide Spieler zusammen erhalten wir 1,55 Mio, und sie machen auch zwei Registrierungs-Plätze frei.


    Letzteres ermutigt mich, bei einem günstigen Angebot zuzuschlagen: Jonas Thiery (29) ist für 1,8 Mio. von KAA Gent zu haben, ein erfahrener Box-to-Box-Mittelfeldmann, der unser zentrales Mittelfeld ideal ergänzen können sollte.



    Die sich plötzlich ergebende Handlungsfreiheit weckt aber auch Begehrlichkeiten bei Direktor Yépie-Yépie, der ja gerne noch einen stärkeren Torhüter hätte. Zwei Typen hat er da konkret im Auge:



    Na gut, ich lasse ihn erstmal gewähren, vielleicht wird es ja sowieso nichts mehr, bis in fünfeinhalb Stunden das Transferfenster schließt. Tatsächlich sagt Verdú dann auch ab, weil ihm das Gehaltsangebot zu dürftig war, und mit Montorsi kommt es nicht mehr rechtzeitig zu einer Einigung. Okay, soll mir recht sein, ich bin mit unseren Keepern sehr zufrieden.


    Schließlich wechselt Stefano Franchi noch auf Leihbasis zu FeralpiSaló in die Provinz Brescia und mein Jugendleiter Daniele Ingrosso holt das Mittelfeldtalent Jonathan Ciofani (18) für die U18. Dann steht der Kader für die nächsten vier Monate fest.

  • Remember September

    Fabbri wird Spieler des Monats August, meint aber noch besser spielen zu können. Wie um das bestätigen zu müssen, verschießt er in unserem ersten September-Spiel gegen Udine gleich mal einen Elfer. Dann hält aber auch unser Mboup einen Strafstoß der Gäste. So verläuft ein schwaches Spiel insgesamt ausgeglichen, abgesehen nur von der Anzahl der Gelben Karten.



    Unsere Konkurrenten nehmen sich gegenseitig die Punkte ab und Sassuolo überrascht die italienische Fußballwelt noch mehr als wir, so liegen wir nach dem dritten Spieltag immerhin noch auf Platz drei in der Serie A, hinter Inter Mailand und Sassuolo Calcio.


    Dann geht’s nach Kampanien, wo in Benevento (bene = gut, vento = Wind) der Wind gut für uns weht, namentlich für Keeper Sidy Mboup, der mehrfach grandios hält, und für Ivan Gerini, der beide Tore zum 2:0-Sieg erzielt.



    Damit schieben wir uns voran auf Platz zwei, hinter das andere Sensationsteam aus Sassuolo. Das wird wohl auch der Grund sein, weshalb wir in der folgenden englischen Woche als leichte Favoriten ins Spiel gegen Cittadella (18.) gehen. Zuvor kassieren die Sassuolesi ihre erste Niederlage (0:4) gegen den neuen Tabellenführer aus Florenz, auch Neapel und Udine sind (endlich) an uns vorbeigezogen, Inter kann uns mit einem Sieg sogar auf Platz sechs zurückwerfen – wenn wir verlieren.


    Tatsächlich geraten wir früh in Rückstand und tun uns auch nach dem Ausgleich durch Fabbri schwer. In der Nachspielzeit verlieren wir auch noch Cupparo (MR) wegen einer Fußverletzung, müssen alles in allem aber mit dem einen Punkt zufrieden sein.



    Inter fertigt derweil Cremonese souverän mit 6:0 ab und setzt sich an die Tabellenspitze, während wir Fünfter bleiben. Elf Punkte aus fünf Spielen, damit muss man als Aufsteiger natürlich eigentlich zufrieden sein. Indes – so bin ich nicht, ich finde immer noch ein Haar in der Minestrone. Ausgerechnet unsere beiden letzten Heimspiele konnten wir nicht gewinnen, was mich darüber sinnieren lässt, ob ich vor eigenem Publikum vielleicht etwas an der Marschrichtung ändern sollte.


    Egal, zum Ende der englischen Woche spielen wir erst mal wieder auswärts, und das wo? Richtig, in der Provinz Modena, genauer in der 40.000-Seelen-Gemeinde Sassuolo an der Secchia. Deren Fußballer sind aktuell Dritter der Serie A mit einem Punkt mehr als wir.


    Die Hausherren gelten als favorisiert, aber wir erdrücken sie geradezu in den ersten fünfundzwanzig Minuten. Was dabei herauskommt, ist ein umstrittener Elfer, den Fabbri diesmal trocken verwandelt. Er ist es auch, der nach einer guten Stunde auf 2:0 erhöht, in der Nachspielzeit erzielt Cardillo sogar noch das 3:0.



    Abgesehen vom verletzten Cupparo ist das unser stärkstes Team: die Viererkette mit Salas, Corda, Greco und Sanz, wobei Cardillo ganz dicht dran ist und für sein heutiges Jokertor durchaus mal mit einem Startelfeinsatz belohnt werden könnte; die aggressive Mittelfeldreihe mit Thiery (Cupparo), Mata, Molinaro und Spagnolo – auch da hat Martis sich mit seinem Assist heute bestens empfohlen; und die Doppelspitze, bei der mal Fabbri, mal Gerini brilliert und Bannani die ihm gegebenen Chancen bisher nicht wirklich nutzen konnte.


    Nach dem starken Beginn kann sich also auch der September mit acht Punkten aus vier Spielen sehen lassen. Als Nächstes haben wir die Roma zu Gast, die bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, auswärts aber starke Leistungen gezeigt hat. Ich gehöre nicht zu denen, die vor einem Spiel sagen, gegen so einen Gegner kann man schon mal verlieren. Deswegen gehe ich in mich und erwäge die eine oder andere kleine Taktikänderung für das Spiel am 1. Oktober.


Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!