Vorwort
Es gibt dieses großartige Buch von Tim Parks: „Eine Saison mit Verona“. Da reist der Autor (Engländer, geboren in Manchester!) eine Saison lang mit den Fans kreuz und quer durch Italien, um jedes Spiel, die Atmosphäre und auf diese Weise das Land und die Menschen zu erleben.
Als ich mich gerade mal wieder an dieses Buch erinnerte, brachte mich das auf den Gedanken, ebenfalls nur eine Saison mit einem Fußballclub zu erleben – natürlich nicht als Zuschauer und Fan, sondern als Manager. Nun habe ich mir länger kein neues Managergame zugelegt (neueste Versionen von EA und SI = 2024) und habe nicht die Laune, in der Vergangenheit anzufangen. Deshalb nehme ich ein Savegame, schmeiße mein Alter Ego raus und steige als neuer Manager ein. (Jeder ist hier gern gesehen mit einer eigenen ähnlichen Story, mit welchem Club auch immer.)
Den ersten Versuch dieser Art starte ich in Italien im Jahr 2044, und zwar mit dem Football Manager 2020. Was ich zuvor in dem Save schon mit anderen Clubs veranstaltet hatte, erwähne ich nicht explizit. In Italien war ich bis dahin aber noch nicht Trainer.
Eine Saison mit … Hellas Verona
Da fügt es sich günstig, dass Hellas Verona gerade als Tabellendritter der Serie B in die Erstklassigkeit aufgestiegen ist. Malte Womerde gibt sich die Ehre, den erfolgreichen Aufstiegstrainer, Riccardo Sottil, aus seinem Stuhl zu kippen und selbst das Ruder in die Hand zu nehmen.
Hellas Verona FC (das steht tatsächlich für „Football Club“!) wurde im Jahr 1903 von Schülern des Gymnasiums Liceo Maffei in Verona gegründet. Seine erfolgreichste Zeit hatte der Verein in den 1980er Jahren, als man namhafte Spieler wie Thomas Berthold, Hans-Peter Briegel oder Preben Elkjær Larsen verpflichtet hatte und 1984/85 italienischer Meister wurde. Seitdem fand für ihn vieles in der Serie B oder sogar eine Klasse darunter statt, bis es 2013 wieder in die Serie A ging. Zwar stattete man auch danach immer mal wieder der Zweitklassigkeit einen Besuch ab, aber es gab auch viele schöne Jahre unter den besten Clubs Italiens, davon zwei (2021 und 2031) mit dem Titel des Vizemeisters. Nach drei mageren Spielzeiten gelang nun wieder der Aufstieg, und das ausgegebene Saisonziel lautet: mutiger Kampf gegen den Abstieg.
Immerhin 18,25 Mio. Euro stehen auf dem Konto und die Budgets liegen bei 4,6 Mio. (Transfers) und 2 Mio. (Gehälter) – na, mal sehen, wie weit sich damit kommen lässt.
Die Mannschaft
Das erste Dilemma ist schon mal, dass im Profikader kein einziger Torwart steht. Okay, ich hole Giuseppe Andreozzi (35) aus der Reserve ins Team, aber da besteht ganz klar Handlungsbedarf.
Ansonsten ist mein Plan, ein safes 4-4-2 zu spielen, bei dem die zwei Spitzen aus dem gesamten Mittelfeld und von den Außenverteidigern aktiv unterstützt werden, so dass es letztlich – trotz defensiver Rollen der Flügelspieler – eine recht offensive Variante ist. Leider sind zwei dafür wichtige Spieler aktuell verletzt, Talent Marco Innocenti (MZ, 19) sogar noch für drei bis fünf Monate. Verbesserungsbedarf gibt es auch auf der rechten Seite, wo der Ägypter El Qubaisi (25) und Berghi (22) die für sie vorgesehenen Rollen nicht wirklich zufriedenstellend ausfüllen können. Wenigstens mit der Ersatzbank bin ich insofern einigermaßen zufrieden, als wir – außer fürs Tor – überall leidlich brauchbare Backups haben.
Wir schreiben den 30. Juni 2044. Morgen öffnet das Transferfenster, aber ich schaue schon mal nach auslaufenden Verträgen und beauftrage meinen Staff, hier und da Verhandlungen aufzunehmen. Einen Sportdirektor haben wir allerdings nicht, und das, wo ich dem doch eigentlich einen Großteil der Aufgaben übertragen will. Also muss diese Stelle besetzt werden.
Da ich neu in Italien bin, interessiere ich mich durchaus für Gerüchte, die im Hinblick auf Hellas Verona verbreitet werden. Spagnolo ist ein 18-jähriger linker Flügelspieler von Juve, der eigentlich eine Nummer zu groß für uns scheint, aber auf der Leihliste steht. Greco aus Florenz ist 20 und ein recht starker Innenverteidiger, der ebenfalls ausgeliehen werden soll. Und Ballarin (21) spielt derzeit gar in der Liverpool-Jugend und ist seines Zeichens – Torwart! Für alle drei gebe ich Leihangebote ab.
Die Serie A
In unserer Liga steigen am Saisonende drei Mannschaften ab. Schaut man auf die aktuellen Wettstände, dann gehören wir dazu.
Die sieben Erstplatzierten dürfen international spielen, aber darauf machen wir uns natürlich keinerlei Hoffnungen. Interessant ist, dass großzügige zwölf Ersatzspieler nominiert werden dürfen, davon darf man aber nur knickerige drei einwechseln. Weitere Regeln erläutere ich bei Bedarf, wenn sie zum Tragen kommen sollten. Am 21. August startet der Ligabetrieb, unser erster Gegner wird Cremonese sein – ein Heimspiel, das wir unter allen Umständen gewinnen sollten. Eine Woche davor bestreiten wir unser erstes Pflichtspiel, wobei der Gegner in der dritten Qualifikationsrunde des Pokals heute noch nicht feststeht.
Das erste Spiel
Peinlich: unser Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Fischer muss mich erst darauf aufmerksam machen, dass der Vertrag von Keeper Andreozzi in einer Woche ausläuft. Aber wir haben eine Verlängerungsoption, die ich schnell ziehe, damit wenigstens überhaupt jemand vom Fach zwischen den Pfosten stehen kann.
Gleich am ersten Trainingstag nach dem Urlaub testen wir gegen die eigene U18. Vorher holen wir uns aber noch einen Sportdirektor ins Boot. Der ist hier kein Unbekannter, denn zwischen 2036 und 2038 spielte er 46-mal für Hellas und erzielte drei Ligatore.
Zugänge haben wir bis zum 4. Juli noch nicht zu verzeichnen, aber das ist mir sehr recht, denn so kann ich mir in Ruhe anschauen, was da bereits vorhanden ist unter denen, die sich kennen. Drei Spieler sind verletzt, einer – der Angreifer Ivan Gerini (19) – ist auf Länderspielreise mit Italiens U19 und sieben weitere habe ich kurzerhand zum gegnerischen Team beordert, weil ich für sie auf Dauer keinen Platz in der ersten Mannschaft sehe, sie aber doch auf dem Spielfeld begutachten möchte. Kurz und gut, es wird ein wenig aufschlussreiches Schützenfest, bei dem Paolo Fabbri mit sieben Treffern hervorsticht.