Fast ganz unten ...

  • Ich bin für Anregungen, Vorschläge, Anmerkungen dankbar und gebe auch gerne weitere Informationen zum Kader und den einzelnen Spielern.

    Ich habe zwar verschiedene Ideen, die aber allesamt schief gehen können, wenn sie nicht zu den Eigenschaften deiner Spieler passen. Ich glaube, jetzt wäre eine gute Gelegenheit, zu zeigen, was deine Spieler an Fähigkeiten mitbringen.

  • Ich bin absolut kein Experte in sachen SI-FM, aber rein vom Blick auf den Kader und vor allem die "Bevorzugten Positionen" der Spieler, geht mir als erstes ein (offensives) 4-5-1 durch den Kopf. Also quasi die gute alte 5er-Würfelaugen-Aufstellung. Leicht zurückgezogene LM/RM zur Unterstützung der mä´ßig aussehenden Außernverteidiger und einem echten Mittelkreis-ZM, der die Bälle verteilt.


    ...aber wie gesagt, ich bin kein Experte, also könnte das auch komplette Grütze sein. :nono::D

  • Meine freie Zeit nutzte ich, um den vorhandenen Kader zu durchforsten und so die bestmögliche Taktik für die vorhandenen Spieler zu finden.


    [tabmenu][tab='Tor']

    Wolfgang Knystock [TW, 27 Jahre]


    Emre Erdil [TW, 17 Jahre]


    Knystock hat seine Sache in der letzten Saison gut bis sehr gut gemacht. Insofern hat er einen gewissen Vertrauensvorschuss.

    Erdil ist aber bereits jetzt, mit seinen erst 17 Jahren, ein interessanter Herausforderer, zumal er eher der mitspielende Torwarttyp ist, was mir grundsätzlich gut gefällt. Einsatzfreude und Teamwork wird er allerdings steigern müssen ...[/tab][tab='Abwehr']

    Marcus Gies [V(R), 17 Jahre]


    Eder Castillo [V(Z), 26 Jahre]


    Maximilian Bremser [V(Z), 25 Jahre]


    Janis Buddenberg [V(Z), 17 Jahre]


    Dickson Addai [V(RZ), 17 Jahre]


    Tim Wallenborn [V(RLZ), 21 Jahre]


    Volker Schultz [V(LZ), 22 Jahre]


    Marcel Piesche [V/FV(RL), 30 Jahre]


    Gies, Addai und Wallenborn könnten Rechtsverteidiger spielen.

    Schulz, Piesche und wieder Wallenborn könnten Linksverteidiger spielen.

    Castillo und Bremser bieten sich als Innerverteidigerduo an, aber Buddenberg und Addai verdienen auch Einsatzzeiten. Oder Wallenborn? Oder Schulz?

    In der Abwehr gibt es eine Fülle von Möglichkeiten und es ist an Bojan und mir, in den nächsten Wochen die besten herauszufinden.[/tab][tab='Mittelfeld']

    Maximilian Halstenberg [FV/OM(L), 27 Jahre]


    Joseph Amaefule [ML, 22 Jahre]


    Tim Starke [M(RL), 28 Jahre]


    Philipp Bähre [M(RL), 29 Jahre]


    Philipp Eisfeld [M(RL), 17 Jahre]


    Lukas Berkenbaum [M/OM(Z), 26 Jahre]


    Thomas Altendorf [M(Z), OM(RZ), 25 Jahre]


    Dieter Döll [M(Z), OM(LZ), 25 Jahre]


    Michael Schäfer [M(R), OM(RL), 23 Jahre]


    Jorge Hobbins [OM(R), 20 Jahre]


    Joel Baackmann [OM(RL), 17 Jahre]


    Bülent Karaqus [OM(RLZ), 17 Jahre]


    Matthias Heinrich [OM(LZ), 17 Jahre]


    13 Mittelfeldspieler für maximal fünf Positionen ... das ist definitiv ein Überangebot! Natürlich müssen nicht alle 17-jährigen (immerhin vier) in der ersten Mannschaft spielen. Aber der eine oder andere wird dies das eine oder andere Mal tun, um den Jungs eine (Bleibe)Perspektive aufzuzeigen. Vielleicht kommen wird doch nicht umhin, den einen oder anderen Spieler abzugeben ...

    Um das entscheiden zu können, müssen wir aber erst einmal die Taktik festlegen. 4-4-2 wie in der vergangenen (Erfolgs)Saison? 4-2-3-1 als neue Taktik? Bei der Fülle an „Flügelspielern“, acht der Jungs sehen sich am liebsten auf den Außenpositionen, wäre das sicher die Variante, die sich vermeintlich am meisten aufdrängt. Aber ist es auch die sinnvollste?[/tab][tab='Sturm']

    Maciej Kuleszka [ST(Z), 23 Jahre]


    Ylli Neziri [ST(Z), 28 Jahre]


    Anton Nikolaev [ST(Z), 25 Jahre]


    Zum Glück ist die Auswahl hier nicht so erdrückend. Egal, ob mit einem oder mit zwei Stürmern - wird sind mit den aus der letzten Saison bekannten Spielern gut aufgestellt.[/tab][/tabmenu]

  • Bei meinem Saisonvorbereitungstreffen mit Bojan wurde mir wieder bewusst, was er doch für ein taktisches Mastermind war. Das hatte ich in der vergangenen Erfolgsphase beinahe schon wieder vergessen, aber es wurde mir schnell wieder klar, als wir uns unterhielten. Ausgangspunkt war die Taktik für die kommende Saison. Ich wollte - kurz gesagt - uns flexibler aufstellen und eine Taktik spielen lassen, in denen die Stärken der Spieler stärker zur Geltung kamen. Das war jedenfalls meine Hoffnung. Wir hatten viele Flügelspieler - warum also kein 4-2-3-1?


    Nun, Bojan konnte es mir erklären: „Ich fürchte, wir kommen von unserem 4-4-2 nicht weg. Für eine Dreier- oder Fünferkette fehlen uns (gute) Alternativen in der Defensive und im Mittelfeld haben wir keinen defensiven Mittelfeldspieler, den wir aufbieten könntest. Außerdem ist doch der Sturm unser stärkster Mannschaftsteil - warum also darauf verzichten?“

    Nun, da war etwas dran ...

    „Ich würde allenfalls verletzungsbedingt mal auf ein 4-4-1-1 umstellen“, fuhr mein Co-Trainer, der so viel mehr war als ein bloßer Co, fort.

    Wir sprachen noch ein bisschen weiter, aber im Grunde hatte Bojan schon mit seinen ersten Worten die Marschrichtung vorgegeben - 4-4-2 auch in der Oberliga.


    Im Anschluss gingen wir den vorhandenen Kader durch, der zurzeit 26 Spieler umfasste, darunter acht 17jährige.

    Bei den Keepern war es einfach: Knystock und Erdil würden beide immer im Kader sein. In der Vorbereitung würden wir sie gleichermaßen testen und dann mal sehen ... Knystock hatte zwar Vorteile, aber Erdil war ein guter Herausforderer und würde zumindest auf ein paar Einsätze kommen.

    Als ich das Thema „mitspielender Torwart“ aufbrachte, hielt Bojan wieder voll dagegen: „Ganz ehrlich - es wäre besser, wenn sie nicht den Spielaufbau mit übernehmen müssten. Auch Erdil - schau Dir mal seine Nervenstärke und Antizipation an“, argumentierte er nicht zu Unrecht.


    „Gies, Addai und Wallenborn könnten Rechtsverteidiger spielen“, leitete ich zur nächsten Position über.

    Bojan wiegte den Kopf hin und her. „Addai sehe ich aufgrund seiner fehlenden Schnelligkeit eher in der Innenverteidigung. Wallenborn eigentlich auch, der Junge ist 1,93 groß und hat eine Riesensprungkraft. Aber in der Innenverteidigung haben wir noch andere Gute. Da wir zwei Leute hinten rechts brauchen, würde ich Gies und Wallenborn nehmen, aber in etwas unterschiedlichen Rollen.“

    Das klang - natürlich - vernünftig.

    „Aber vielleicht probieren wir Wallenborn ruhig mal in der Innenverteidigung aus.“

    „Auf jeden Fall, wenn einer von den beiden anderen da schwächelt“, stimmte mir Bojan zu.

    „Schultz, Piesche und wieder Wallenborn könnten Linksverteidiger spielen. Der ist ja aber auf rechts bzw. innen gesetzt.“

    „Sehe ich auch so, Schultz und Piesche reichen ja aber auch aus“, entgegnete mein Co.

    Bei den Innenverteidigern waren wir uns ebenso schnell einig: „Castillo darf sich wohl als gesetzt bezeichnen. Daneben überzeugt am ehesten Bremser, gerade weil Wallenborn woanders gebraucht wird“, fasste Bojan es zusammen. Das hieß aber auch, dass Buddenberg und Addai erst einmal wieder in der U-Mannschaft spielen würden.


    Dann kamen wir zum Mittelfeld. Spieler im Überfluss - insgesamt 13, aber nur vier Positionen. Bojan brachte es auf den Punkt: „13 Spieler sind natürlich viel zu viel. Rausfallen würde da bei mir Halstenberg sowie Hobbins, die ja auch in der letzten Saison keine (besonders) große Rolle spielten und deren Lieblingspositionen es in unseren Systemen nicht gibt.“

    Puh ... da war es raus. Aber auch wenn ich immer gesagt habe, dass wir keinen der Jungs gehen bzw. fallen lassen - sowohl Halstenberg als auch Hobbins hatten in der letzten Saison wirklich nicht viel gespielt. Und wenn, dann hatten sie nicht wirklich überzeugt. Im Grunde war es also nur konsequent, ihnen reinen Wein einzuschenken und in die U-Mannschaft zu verfrachten bzw. ihnen freizustellen, den Verein zu verlassen. Diese nicht ganz so angenehme Aufgabe würde in erster Linie mir zufallen, aber da wollte ich Martin und Sven auf meiner Seite bzw. sogar an meiner Seite haben.

    Nachdem das geklärt war, ging es weiter: „In der Mitte führt Döll Regie, neben ihm streiten sich Berkenbaum und Altendorf um den zweiten Platz. Karaqus und Heinrich wären bei Umschulungen ebenfalls Optionen. Bis sie das sind, plädiere ich für Altendorf als Partner für Döll.“ Bojan schaute mich an und wartete auf eine Reaktion.

    Ich war etwas überrascht vom Gedanken an das, was er als „Umschulung“ bezeichnete. Aber warum nicht? Die beiden waren 17 Jahre alt, hatten grundsätzlich die Voraussetzungen, gute zentrale Mittelfeldspieler zu werden - also warum nicht? Das sagte ich Bojan auch so.

    Blieben noch die Außen. „Bähre ist für mich gesetzt“, verkündete Bojan. „Je nachdem wer in der Vorbereitung welche Leistungen bringt, würde ich entscheiden, wo er aufläuft und wer auf der anderen Seite spielt.“

    Amaefule, Eisfeld, Baackmann, Starke und Schäfer waren da die Kandidaten. Einer würde es werden, zwei weitere als Ersatz - blieben zwei, die überwiegend nicht in der Ersten eingesetzt würden ... ein Überangebot an Spielern brachte ebenso Probleme mit sich, wie das ein Mangel tat ...


    Geradezu wohltuend und entspannend war es dann wieder, sich mit dem Sturm zu beschäftigen. Wir hatten drei Spieler relativ auf Augenhöhe. Kuleszka hatte sich aufgrund der phantastischen Vorsaison vermutlich einen Bonus verdient, aber ansonsten würden wir bei der Frage, wer spielt, die Form entscheiden lassen.


    [-----]


    Wie ich schon sagte: Bojan hatte mich wieder mit seinen enormen taktischen Kenntnissen beeindruckt. Die Frage, warum nicht er der Cheftrainer war, beantwortete sich aber ein paar Tage später von selbst.

    Ich hatte die Gelegenheit genutzt und noch einmal mit meiner Freundin und „unseren“ Kindern ein Wochenende an der Ostsee verbracht, quasi als Entschädigung für die kommenden anstrengenden Fußballwochen mit längeren Fahrzeiten und Abwesenheiten. Bojan sollte im Testspiel gegen den SV Bad Rothenfeld die Mannschaft von vorne bis hinten betreuen, also einschließlich Taktikvorgabe, Festlegung der Mannschaft, Vornahme von Wechseln und nun mal allem, was so rund um ein Spiel herum dazu gehörte.

    Als ich nach einem schönen Strandtag, an dem ich den Fußball vergessen und mich stattdessen mit Sonnencreme und Planschereien vergnügt hatte, auf fussball.de schaute, wie denn das Testspiel verlaufen war, traute ich meinen Augen nicht. Bojan hatte kaum etwas von dem, was wir besprochen hatte, umgesetzt!

    Statt eines 4-4-2 ließ er plötzlich in einem 4-2-3-1 spielen ...

    Schultz spielte in der Innenverteidigung statt Bremser, Gies statt Wallenborn als VR ...

    Als Flügelspieler liefen Karaqus und - ich traute meinen Augen nicht - Masanet auf. Masanet, ein 16jähriger Jungspund, dessen Einsatz in der Ersten nie auch nur im Ansatz zur Debatte gestanden hatte.

    Und als es zum geballten Wechsel kam, setzte Bojan Spieler ein wie Diallo, Yilmaz, Wulf und Kasongo sowie Addai - und dafür saßen Neziri und Eisfeld die ganze Zeit auf der Bank.


    Ich musste an mich halten, dass ich Bojan nicht direkt aus dem Hotel anrief und durch den Hörer zog. Aber das wäre für den weiteren Verlauf des Kurzurlaubs und für meine Beziehung zu Bojan nicht förderlich gewesen, daher hielt ich mich zurück.

    Als ich ihn am Tag unserer Rückkehr von der Ostsee anrufen wollte, kam er mir schon zuvor: Beinahe unter Tränen schilderte er mir, wie es ihm unmöglich gewesen war, den Anforderungen der Jungs Herr zu werden, die auf ihn einstürmten, als er aus seinem Wagen stieg. Alle hätten wild durcheinander geredet, ihn um Einsatzzeit gebeten und Taktikvorschläge gemacht ... letztlich habe er sich nicht anders zu helfen gewusst, als dem allem nachzugeben und die Mannschaft sich quasi selbst aufstellen und coachen zu lassen.


    Woraus wir gelernt hatten, dass ein Taktikfuchs eben doch nicht automatisch ein guter Cheftrainer war.


    Wie das Spiel ausging? Nun ...

  • Ob es mit dem Testspiel gegen den SV Bad Rothenfeld und dem ganzen Drumherum zusammenhing? Vermutlich würde ich es nie erfahren. Was ich heute erfuhr, weil Martin mich anrief und informierte, war, dass Bojan einen Trainerlehrgang aufgenommen hatte, um den nationalen A-Trainerschein zu erhalten. Sollte er erfolgreich sein (und davon war auszugehen), würde er in etwa vier Monaten den Trainerschein erwerben. Wie Martin lobend erwähnte, bezahlte Bojan die Teilnahmegebühr, immerhin fast 700 EUR, aus eigener Tasche. Ich freute mich für Bojan und den Verein und hielt das Ganze für eine gute Sache.


    Das Gespräch mir Martin war noch aus anderen Gründen interessant: So wusste er davon zu berichten, dass für Maximilian Bremser ein Angebot eingegangen war. Ich brauchte ein wenig, um zu begreifen, was Martin meinte: Ein anderer Verein, konkret der FC Iserlohn 46/49, von dem ich noch nie gehört hatte, wollte Bremser verpflichten. Der Westfalenligist hatte sogar eine Ablöse angeboten, 200 EUR wollten sie zahlen. Martin hatte das Angebot aber rundheraus abgelehnt, finanzielle Sorgen hin oder her. „Geld ist ja schön und gut, aber wir können nicht einfach einen Spieler abgeben, mit dem wir fest planen“, sagte er. Und ergänzte: „Außerdem helfen uns zwei Hunderter auch nicht weiter.“


    Außerdem hatten Sven und er mit Halstenberg und Hobbins gesprochen und ihnen mitgeteilt, dass Vorwärts Nordhorn nicht mehr mit ihnen plane. Das gab mir aus zweierlei Gründen einen leichten Stich: Zum einen wäre ich gerne bei den Gesprächen dabei gewesen. Zum anderen verließen wir bei Vorwärts so langsam den familiären Weg. Unsere Maxime, jeden mitzunehmen und im Verein zu halten, der das wollte, galt nicht mehr uneingeschränkt und das bereitete mir Kummer. Ich wusste, dass der Verein wachsen wollte, erfolgsorientierter werden wollte und vermutlich auch musste. Und dennoch ...


    Zwei Tage später stand die Auslosung für den Niedersachsenpokal auf dem Programm. Wir hatten absolutes Glück und erhielten mit dem SC Hemmingen-Westerfeld einen Klub aus der Bezirksliga Hannover zugelost. Auch wenn das Hauptaugenmerk auf der Oberliga und dem Kampf um den Klassenerhalt lag, war die zweite Runde damit eigentlich Pflicht. Und wer weiß, vielleicht würden wir da ein großes Los ziehen, das uns Zuschauer- und Werbeeinnahmen brachte? Aber natürlich lag vor der zweiten Runde erst einmal die erste ...


    Und vor der ersten Pokalrunde lagen noch drei weitere Testspiele. Das nächste brachte uns eine Mannschaft aus der Landesliga Westfalen als Gegner - SUS Stadtlohn war in der vergangenen Saison als 17. (und damit Vorletzter) aus der Oberliga Westfalen abgestiegen und hatte den sofortigen Wiederaufstieg als Ziel ausgegeben.

    Ich erwartete also einen Gegner mindestens auf Augenhöhe und ein forderndes Spiel. Ziemlich schnell stellte sich heraus, dass ich Recht behalten sollte. Mit ihrer ersten Chance gingen die Gäste aus Stadtlohn in Führung: Im Anschluss an eine Ecke waren zwei von ihnen in unserem Fünfmeterraum völlig frei, einer davon, Jerry Okoro, köpfte unbedrängt zur Führung ein. Wenn ich sagte „unbedrängt“, dann meinte ich das auch so: In einem Radius drei Metern war niemand in einem Vorwärts-Trikot, alle hielten sich vornehm zurück ...


    Okoro war auch in der Folgezeit der auffälligste Spieler auf dem Platz. Er hatte zwei gute Gelegenheiten und setzte einmal seinen Mitspieler gekonnt ein - zu unserem Glück wurden alle diese Chance aber vergeben, sodass wir nur mit einem 0:1-Rückstand in die Kabine gingen.

    Dort war erst einmal „Wunden lecken“ angesagt: Eisfeld hatte eine Wadenverhärtung, Neziri hatte einen Schlag auf das Handgelenk bekommen - beide kamen runter, ebenso wie Piesche, Wallenborn, Altendorf und Amaefule. Es war also die große Wechselei angesagt, aber wir befanden uns ja auch in der Vorbereitung. Ebenso sah es auch der Gästetrainer, der ebenfalls munter durchwechselte und unter anderem seinen Besten, Okoro, unten ließ. Nachher bekam ich mit, dass der Bursche erst 16 Jahre alt war ...


    Ein paar Minuten nach der Pause konnten wir mal über einen etwas längeren Zeitraum Druck aufbauen und die Stadtlohner in Bedrängnis bringen. Der eingewechselte Baackmann prüfte mit seinem Abschluss den Gästetorwart. Danach plätscherte das Spiel vor sich hin. Die Gäste waren nicht weiter gefährlich, wir wühlten uns in das Spiel, kamen aber auch nicht zu echten Chancen.

    Bojan und ich drehten daher an ein paar Stellschrauben. So sollten unsere beiden Mittelfeldspieler „angreifen“ statt nur „unterstützen“ und Kuleszka wurde zur „hängenden Spitze“ verdonnert. So wollten wir das Loch zwischen der Mittelfeldreihe und den Stürmern etwas verkleinern.

    Wenn wir ehrlich waren, lag es aber nicht daran, dass wir zum Ausgleich kamen. Grund dafür war vielmehr das gute Auge von Bremser, der einen langen Ball auf Nikolaev spielte und dessen Kaltschnäuzigkeit im Abschluss.

    Im Anschluss daran versuchten wir dafür zu sorgen, dass unser Offensivspiel breiter wurde und etwas mehr über die Flügel ging. Das sah von außen ganz gut aus ... letztlich hatten wir die zweite Hälfte gut im Griff, ohne wirklich zwingend zu sein.

    Am Ende des Spiels stand es 1:1 und wir hatten ein paar Ansatzpunkte, um in den kommenden Spielen noch weiter an der Ausrichtung zu feilen.


    [-----]


    Ich wusste nicht so richtig, was das sollte - aber es gingen Angebote für ein paar von unseren Spielern ein. Drei Klubs hatten Interesse an Joel Baackmann, sogar vier waren an Matthias Heinrich dran. Die konkreten Angebote, die es für die beiden 17-jährigen gab, lehnten wir natürlich ab.


    Und es wurde noch unangenehmer: Der Heider SV aus der Oberliga Schleswig-Holstein machte ein Angebot für Dieter Döll. Das abzulehnen, war schon schwieriger, weil Didi aus irgendwelchen für mich nicht nachvollziehbaren Gründen Interesse zeigte. Als ihm von Vereinsseite aus der Wechsel verwehrt wurde, war er frustriert. Ich suchte daraufhin das Gespräch mit ihm.

    Meine Freundin gab mir den Rat mit auf den Weg, ihn ein bisschen „zu pampern“ und ihm ein wenig Honig um den Bart zu schmieren. Da meine Freundin eine ausgezeichnete Menschenkenntnis hatte, beschloss ich, ihrem Ratschlag zu folgen.

    Als ich mich mit Döll traf, ließ ich erst einmal ihn sprechen, damit er Dampf ablassen konnte. Er zeigte sich enttäuscht, dass wir seinen Wechsel verhindert hatten. Er meinte, es wäre eine großartige Chance dorthin zu wechseln und ein wichtiger Teil des Kaders zu sein. Abschließend forderte er, dass wir ihm die Verhandlungen erlauben, wenn der Heider SV noch einmal anfragen sollte.

    Oh, da hätte ich unserem Kapitän ja gerne was erzählt ... zum Beispiel hätte ich ihn gerne gefragt, ob er noch alle Tassen im Schrank hätte? Oberliga konnte er auch hier bei uns spielen. Für mich war überhaupt kein Vorteil in einem Wechsel erkennbar. Aber ehe ich mich aufregte, dachte ich an meine Freundin.

    Und holte den Honig raus.

    Ich versicherte ihm meine Wertschätzung, betonte seine Wichtigkeit für den Kader, seine Wichtigkeit als Führungsperson, betonte, wie wichtig er auch und gerade für die jungen Spieler sei - der Honig tropfte nur so auf den Boden ... Als ich dann auch noch sagte, dass ich nicht auf jemanden verzichten könnte, der so viel Einfluss habe wie er, war es um ihn geschehen. Döll strahlte mich an und sagte: „Ich habe mich selbst nicht so gesehen, aber es fühlt sich gut an, als Führungsspieler betrachtet zu werden. Ich würde gerne hierbleiben, danke.“

    Bitte.


    Der nächste war Wolfgang Knystock ... dieselbe Leier:

    Drei Angebote (zwei von Oberligisten, eins von einem Landesligisten).

    Alle abgelehnt.

    Spieler beleidigt.

    Gespräch gehabt.

    Honigtopf rausgeholt.

    Alles in Ordnung.


    Bei Eder Castillo war die Sache dann etwas einfacher - er hatte gar kein Interesse daran, den Verein zu verlassen, sodass er kein Problem damit hatte, dass wir die Angebote für ihn ablehnten.


    Bei all dem Transferhickhack durfte man nicht vergessen, dass wir auch noch Fußball spielten. Das dritte Vorbereitungsspiel bescherte uns einen Gegner aus der Derde Divisie Sonntag - das war die zweite Amateurliga in den Niederlanden, also die fünfte Liga. Der Gegner hieß KVV Quick'20 Oldenzaal.

    Wir wiesen die Jungs an, über die Flügel zu spielen, und bei eigenem Ballbesitz sehr breit zu stehen. Bereits nach fünf Minuten hatte sich diese Taktik erstmals ausgezahlt - über die linke Seite schlug Bähre eine richtig gute Flanke in den Sechszehner, die von Kuleszka per Kopf veredelt wurde.


    Auch danach behielten wir unsere Linie bei und das sah wirklich gut aus. Wir verlagerten immer wieder das Spiel von einer auf die andere Seite und spielten wirklich sehr gefällig. Gefährlich waren wir dabei auch und so konnte Nikolaev nach schöner Vorlage des honigbeschmierten Döll zum 2:0 treffen. Dieses Mal lief der Spielzug durch die Mitte.

    Nach 35 Minuten erhöhte Kuleszka auf 3:0 - Bähre hatte den Eckball geschlagen, den unser Goalgetter der letzten Saison per Kopf verwerten konnte.

    Das war die Vorentscheidung und endgültig war das Spiel dann kurz vor der Pause durch, als ein Gästespieler nach einer beidseitigen eingesprungenen Grätsche die rote Karte sah.


    Die zweite Hälfte verlief weitgehend unspektakulär. 20 Minuten vor dem Ende folgte nach einer erneuten Seitenverlagerung durch Wallenborn die Flanke von rechts. In der Mitte war Nikolaev zur Stelle, konnte den Ball annehmen und dann zu seinem zweiten Treffer an diesem Tag verwandeln.

    Den endgültigen Schlusspunkt setzte erneut Nikolaev, vorausgegangen war dieses Mal die Flanke von Starke nach einem Seitenwechsel durch Piesche.


    5:0 hieß es also am Ende und wir hatten ein richtig gutes Spiel abgeliefert, auch spielerisch.

  • „Schon ok“ würde im ersten Oberligaspiel natürlich nicht reichen. Zumal wir gegen eine „gestandene“ OL-Mannschaft antreten mussten, die in den letzten drei Jahren die Ränge 5, 4 und wieder 5 erreicht hatte. Der 1. FC Wunstorf würde unser Premierengegner sein und da würden wir mit ziemlicher Sicherheit schon erfahren, was „Oberliga“ bedeutet.


    Das erste Ausrufezeichen der Partie konnten aber wir setzen: Über Starke, Döll und Berkenbaum wanderte der Ball nach rechts raus zu Schäfer. Der beschleunigte und zog nach innen. Pass auf Kuleszka, der auf Nikolaev ablegte. Direktschuss von der Strafraumgrenze - aber der Wunstorfer Keeper konnte parieren. Das ließ sich doch gut an hier!

    Nach zwölf Minuten versuchte Kuleszka den etwas weit vor seinem Tor stehenden Torwart zu überraschen und zog den Ball fast von der Seitenauslinie auf das Tor, wo er wie ein Stein von oben auf die Latte fiel. Da fehlte nicht viel!

    Kurz danach war es wieder Kuleszka, der mit einem nicht voll getroffenen Linksschuss an den Pfosten für Aufsehen sorgte. Zu diesem Zeitpunkt, nach einer Viertelstunde, wäre die Führung für uns mehr als verdient gewesen.


    Mitten in die blau-weiße Herrlichkeit hinein leistete sich Berkenbaum im Spielaufbau einen Fehlpass. Wunstorf machte das Spiel schnell, kam über die rechte Seite unbedrängt zum Pass in den Fünfmeterraum, wo Bitterich in die Lücke lief und trocken verwandelte. 1:0 für den 1. FC Wunstorf, ein Tor aus dem Nichts.


    Von dieser kalten Dusche mussten wir uns erst einmal erholen, bis zu Pause gelang das allerdings erstmal nicht. In der Kabine ermunterten Bojan und ich die Jungs, deren Spiel bis zum Gegentor wirklich gut und viel versprechend gewesen war. Belohnen sollten sie sich!


    Wir kamen druckvoll aus der Kabine. Wieder war es Kuleszka, der die Chance hatte, doch sein Kopfball nach Flanke von Gies wurde vom Keeper zur Seite abgewehrt. Kuleszka blieb aber wach und setzte nach. Den Ball spielte er zurück auf Schäfer, der aus ziemlich spitzem Winkel in die lange Ecke schoss und in der 52. Minute zum ersten Nordhorner Oberligator traf!

    Damit war der Auftakt für die wilde 13 gemacht, 13 Minuten, die es in sich hatten:

    Vier Minuten später brachte Döll einen Eckball an den Fünfmeterraum und endlich konnte Kuleszka sich und sein Team belohnen. Der Kopfball in die lange Ecke bedeutete die 2:1-Führung.

    Weitere vier Minuten später zeigte Wunstorf Fußball vom Einfachsten und gleichzeitig vom Feinsten: Ein lange Ball auf den linken Flügel, Flanke an den Fünfer und wieder war Bitterich zur Stelle und traf zum zweiten Mal.

    Nochmal fünf Minuten danach: Starke flankte in den Strafraum, Kuleszka ging hinterher, fädelte beim Verteidiger ein oder wurde von dem umgetreten - wie auch immer: Elfmeter in der 65. Minute und damit die Chance zu unserer erneuten Führung. Döll fasste sich erst ein Herz und nahm dann den Ball, lief an, schoss in die von ihm aus gesehen rechte Ecke - und sackte zusammen, denn Wunstorfs Torwart parierte mit einer tollen Hechtparade.

    Im Anschluss an die darauffolgende Ecke für uns wurden wir ausgekontert und hatten unsererseits Glück, dass wir nicht plötzlich hinten lagen.


    Danach beruhigte sich die Partie wieder und blieb bis zur letzten Minute der Nachspielzeit ereignislos. Der erste Punkt in der Oberliga gehörte uns!


    [-----]


    Ein paar Tage nach dem Wunstorf-Spiel wurde ich von der Nachricht überrascht, dass Bülent Karakus nicht mehr länger Spieler des SV Vorwärts Nordhorn war. Er hatte einen Wechsel ins Ruhrgebiet zu Schwarz Weiß Essen abgeschlossen. Ich war - wie gesagt - überrascht, hatte ich doch gedacht, Karakus wäre vertraglich an uns gebunden. Das war aber offenbar nicht der Fall, wie mir Sven erläuterte. „Sein Jugendspielervertrag war ausgelaufen und einen neuen für die Herren konnten wir ihm nicht anbieten - wir haben kein Geld.“ Und damit zog er von dannen. Und ließ mich mit der bangen Frage zurück, ob uns der „Karakus-Effekt“ noch bei anderen Spielern drohte ...


    Das „Castillo-Phänomen“ war ein anderes: Es besagte, dass wir weiterhin jedes eingehende Angebot für ihn ablehnten, weil er bei Vorwärts bleiben wollte. Recht so!


    Zum ersten Oberliga-Heimspiel empfingen wir den Turnerbund Uphusen. Eine Mannschaft, die in den Medien als Aufstiegsaspirant gehandelt wurde und sich in den vergangenen Jahren in der Oberligatabelle kontinuierlich nach oben entwickelt hatte. Im ersten Spiel waren die Uphusener nicht über ein 1:1 gegen Altlas Delmenhorst hinausgekommen. Die verlorenen Punkte wollten sie bei uns im Waldstadion holen.


    Im Vergleich zum Wunstorf-Auftakt nahmen wir eine Änderung vor: Der seinerzeit offenbar aus der Landesliga gelb-gesperrte Schultz kehrte als Linksverteidiger ins Team zurück, Piesche musste weichen.

    Die erste Viertelstunde tasteten sich die Mannschaften ab, dann kam der Turnerbund erstmals richtig vor unser Tor und gleich wurde es gefährlich: Eine Flanke an unseren Fünfer kam durch auf Özkan Özdemir, der den Ball an den Pfosten köpfte. Glück gehabt! Und zum wiederholten Mal zeigte sich, dass wir bei Flanken von der Grundlinie anfällig waren.

    Das sollte für lange Zeit der einzige Höhepunkt im Spiel bleiben. Von uns war nicht viel zu sehen, mit Ausnahme einer gelben Karte für Berkenbaum.

    Kurz vor der Pause kam es jedoch zur ersten Offensivaktion: Wir spielten uns im Mittelfeld durch, Döll setzte Kuleszka in Szene, der den Ball auf Nikolaev weitergab. Und Nikolaev zog aus rund 18 Metern in zentraler Position einfach mal ab. Ob der Keeper den Ball zu spät sah oder einfach nur überrascht war - der Schuss war jedenfalls drin und wir führten mit 1:0.


    Kurz nach Wiederanpfiff gab es eine Ecke für Uphusen. Flanke, Kopfball, Pfosten - das schien sich zu einem Muster zu entwickeln. Solange der Ball immer ans Aluminium prallte, war es ja gut. Ich befürchtete nur, dass wir uns nicht mehr lange würden auf unser Glück verlassen können.

    Naturgemäß nahm der Gästedruck jetzt zu. Wir versuchten dagegen zu halten, Starke fehlten nach einem Solo über den halben Platz aber Kraft und Präzision im Abschluss.

    Uphusen bemühte sich, war aber im Spiel nach vorn zu ungenau. Die Drangperiode konnten wir unbeschadet überstehen und das Spiel wieder ausgeglichen gestalten. Die Minuten vergingen, wir wechselten nach und nach drei Mal, die Minuten vergingen weiterhin, ohne dass wir nochmal richtig in Bedrängnis kamen. Den Deckel drauf machen konnten wir allerdings auch nicht.


    Die letzten Minuten liefen, die Nachspielzeit brach an, Uphusen kam noch mal nach vorne.

    Einen Freistoß für die Gäste gab es noch, wer das Foul begangen hatte, konnte ich gar nicht mehr sagen.

    Das würde die letzte brenzlige Situation sein, dann hätten wir es geschafft.

    Knystock stellte die Mauer, Özkan Özdemir legte sich den Ball zurecht und zirkelte den Ball an der Mauer vorbei aufs Tor.

    Und nicht nur aufs Tor, sondern auch INS TOR.

    In der dritten Minute der Nachspielzeit wurden wir aus den Träumen gerissen und um zwei der drei Punkte gebracht.

    Wie bitter, wie unnötig.


    Wer hatte gefoult????


  • Philip Eisfeld hatte das Foul begangen, das zum Freistoß für Uphusen und damit zum Gegentor führte. Eisfeld, der fünf Minuten zuvor eingewechselt worden war, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Konnte ich ihm böse sein? Nein, denn der 17-jährige saß nach dem Spiel in der Kabine und war nahezu untröstlich.

    Mein Groll hielt sich daher in Grenzen und war war denn schon passiert? Wir hatten zwei Punkte abgegeben, standen aber noch immer sehr gut da in der Oberliga und es war ja auch erst der zweite Spieltag gewesen.


    Am dritten Spieltag sollten die Trauben aber etwas höher hängen, nächster Gegner war kein Geringerer als der derzeitige Tabellenführer: SV Arminia Hannover. 4:0 gegen den FC Verden 04 und 7:2 gegen Atlas Delmenhorst lauteten die bisherigen Ergebnisse der Hauptstädter - wir mussten uns also auf geballte Offensivpower des Gegners einstellen.


    Bis dahin ging aber ein Feuerwerk etwas anderer Art auf uns hernieder: Gefühlt von allen Seiten waren Vereine an Spielern von uns dran ...

    Für Anton Nikolaev erhielten wir ein Angebot vom Hamburger Landesligisten VfL Lohbrügge. Da wir keinen Spieler abgeben wollten, lehnten wir das Angebot rundheraus ab. Was wiederum Nikolaev nicht ganz so witzig fand. Ich sprach daraufhin mit Dieter Döll und bat unseren Kapitän, doch mal das Gespräch mit Nikolaev zu suchen und ihn davon zu überzeugen, dass ein Wechsel doch absoluter Blödsinn wäre. Schon am nächsten Tag rief mich Didi an und teilte mit, die Sache sei erledigt und wir könnten weiter voll auf Nikolaev zählen.


    Schwieriger war unsere Handhabe da schon bei den Angeboten, die wir für unsere 17-jährigen erhielten. Buddenberg, Erdil und Heinrich wurden von anderen Klubs Avancen gemacht und ich konnte nichts dagegen tun, weil der Vorstand auf einem Gehalt von 110 EUR pro Monat und Spieler bestand, diese aber allesamt mindestens 130 EUR haben wollten. Wegen 20 EUR dieses Riesentheater und womöglich Spielerabgänge ... meine Laune war nicht besonders, was das anging. Aber mir blieb nichts anderes übrig, als abzuwarten, wie sich die Spieler entschieden.


    Für die Partie gegen Arminia Hannover stellten wir taktisch um auf ein 4-4-1-1, um der erwarteten Offensivpower wirksamer standhalten zu können.

    Und die Hausherren machten von Anfang an Druck. Nach 100 Sekunden musste Knystock bereits eingreifen und den Ball über die Latte lenken. Und nach nicht einmal drei Minuten war es schon passiert, Andresen mit links aus 19 Metern Torentfernung ...

    Wir bekamen im Mittelfeld überhaupt keinen Zugriff, liefen meistens hinterher und wenn wir den Ball mal hatten, gaben wir ihn viel zu schnell wieder her. Kurth spielte einen wirklich genialen Ball hinter unsere Abwehrreihe, Bortel hielt am Fünfmetereck quasi nur den Fuß hin und es stand 2:0 für Arminia. Und das nach nicht mal sieben Minuten ...


    Danach nahm der Gastgeber etwas den Fuß vom Gaspedal. 20 Minuten waren rum, als wir nach einem langen Schlag von Piesche, der auf rechts begonnen hatte, auf Nikolaev einen Torabschluss hatten, aber Arminias Torwart konnte per Fußabwehr klären.

    Dann ging es hin und her: Andresen scheiterte per Freistoß an Knystock, auf der anderen Seite ging ein Kopfball von Castillo nach Döll-Freistoßflanke knapp vorbei.

    In Minute 30 schien das Spiel dann bereits endgültig entschieden: Andresen platzierte einen Freistoß aus zentraler Position so in der Torwartecke, dass Knystock vergeblich flog.

    Kurz danach spielte dann aber Döll einen Ball in den Lauf von Nikolaev, der schneller als sein Gegenspieler war und auch Altenvoerde im Arminia-Tor keine Chance ließ. Nur noch 1:3.


    Zur Pause stellten wir taktisch auf 4-4-2 um, und brachten mit Kuleszka einen weiteren schnellen und gefährlichen Stürmer. Außerdem wechselte Piesche auf LV und rechts hinten brachten wir Gies.

    Einen großen Effekt hatten die Maßnahmen aber nicht. Es sei denn, man rechnete es den Veränderungen zu, dass in der zweiten Hälfte nicht mehr viel passierte. Zwei kleinere Gelegenheiten für Arminia und eine für uns - mehr gab es nicht zu notieren.

    Am Ende stand eine verdiente 1:3-Niederlage gegen ein Team, das in dieser Saison sicher oben mitspielen würde. Wir würden unsere Punkte gegen andere Mannschaften holen müssen. Ob unbedingt am kommenden Wochenende, das war dann aber auch zweifelhaft. Dann mussten wir nämlich gegen Eintracht Northeim ran, das mit drei Siegen aus drei Spielen ebenfalls perfekt in die Saison gestartet war.



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    Lange Zeit waren wir vom Verletzungspech verschont geblieben, doch das hatte beim heutigen Training ein Ende: Ylli Neziri knickte unglücklich um und zog sich eine Knöchelverstauchung zu. Zwei Wochen würde er nach Auskunft von Christopher Lange ausfallen.


    Joel Baackmann hatte ein Angebot aus der Landesliga Bremen erhalten. Ich war mittlerweile aber gelassener, was das anging, weil die Youngster, die in der letzten Wochen heiß begeht waren, allesamt bei Vorwärts Nordhorn bleiben würden. Hoffentlich würde sich Baackmann auch für uns entscheiden.

    Und hoffentlich auch Mathias Heinrich, der beim SC Velbert auf dem Zettel stand.

    Das Angebot für Anton Nikolaev, das heute einging, haben wir gleich abgelehnt, ohne groß Federlesen zu machen.


    Bedeutsamer war die Vorbereitung auf das nächste schwere Auswärtsspiel. Wie bereits geschrieben, ging es zu Eintracht Northeim, dem verlustpunktfreien Tabellen-2. Das würde, wie gegen Arminia Hannover, eine ganz schwierige Aufgabe werden. Bojan und ich kamen überein, dass wir dieses Mal im angestammten 4-4-2 beginnen würden. Wenn man so wollte, hatten wir ja mit der Taktik ein 0:0 in der zweiten Spielhälfte gegen Arminia geholt ...

    Personell würden wir etwas verändern: Erdil rückte ins Tor, Wallenborn würde für Castillo in der Innenverteidigung starten. Piesche wieder auf rechts, Schultz auf links. Schäfer rechts und Starke links waren die äußeren Mittelfeldspieler.


    Und alle Maßnahmen griffen zunächst. Wir hielten in der Anfangsphase Northeim von unserem Tor fern. Erdil machte sich gut als mitspielender Torwart und war eine sichere Anspielstation. Wir waren engagiert, bissig, zweikampfstark. Nach vorne ging nicht wirklich etwas, aber wir versuchten, Nadelstiche zu setzen, wie man so schön sagte.

    Nach 20 Minuten gewann der Gastgeber mehr und mehr die Oberhand. Das Spiel verlagerte sich nahezu komplett in unsere Hälfte, wir liefen mehr und mehr hinterher und es schien nur eine Frage der Zeit bis zum Northeimer Führungstreffer. Nach 35 Minuten war es dann tatsächlich so weit: Eine Flanke segelte Richtung zweiter Pfosten, Findeisens Kopfball wischte Erdil noch weg, aber Kmetsch staubte in der Mitte ab zur Führung der Gastgeber. Aufgrund des Übergewichts in den letzten Minuten ging das in Ordnung, war aber dennoch schade für meine Jungs.


    Wie würden wir reagieren? Nun, zunächst geschockt. Northeim hatte nur zwei Minuten später die Riesengelegenheit, zu erhöhen, aber Erdil konnte den Schuss des völlig blank stehenden Findeisen abwehren. Piesche hatte da gepatzt und eine Flanke in die Mitte geköpft.

    Eine Minute später konnten wir dann aber jubeln: Schäfer zog von rechts mit dem Ball nach innen und chippte ihn dann butterweich auf den Kopf von Nikolaev. Der platzierte den Ball gegen die Laufrichtung des Keepers und es stand 1:1!

    Jetzt war wirklich Feuer in der Partie! In der 40. Minute rettete Erdil uns mit einem Wahnsinnsreflex vor dem erneuten Rückstand. Barisic hatte von der Strafraumgrenze abgezogen. Und kurz vor der Pause war es erneut der junge Keeper, der das kurze Eck abdeckte und so den Ball abwehren konnte.


    Aus der Kabine kamen wir mit einem Wechsel (Bähre für Starke) und Schwung. Leider konnte Nikolaev eine Flanke von Kuleszka nicht kontrollieren, sonst hätte es in der 50. Minute richtig gefährlich werden können.

    Dennoch gewann ich den Eindruck, dass nur wir diejenigen waren, die sich langsam dem nächsten Treffer annäherten. Als würden wir langsam aber sicher ein dickes Brett bohren, um irgendwann durchzubrechen ... In der 58. Minute wurde Kuleszka von Nikolaev eingesetzt, seine Direktabnahme ging aber knapp links vorbei.


    Dann war aber wieder Eintracht Northeim da: Schnelles Spiel nach vorne auf die Außenposition, Flanke nach innen und ... Erdil war mit einem weiteren Reflex zur Stelle und verhinderte das Gegentor.

    Kuleszka bewies kurze Zeit danach leider, dass er noch nicht in der Form der Vorsaison war: Einen Freistoß aus fast zentraler Position mit links hätte er zu Landesligazeiten vermutlich verwandelt. Hier ging der Schuss dann doch deutlich drüber.

    In den letzten 20 Minuten war es dann ein Spiel mit offenem Visier.

    Erdil rettete per Hechtsprung, Nikolaev prüfte den Northeimer Keeper.

    Kuleszkas Schuss wurde geblockt, Erdil lenkte einen Schuss über die Querlatte.

    Bähre flankte auf Kuleszka, der den Ball mit dem Kopf nicht kontrollieren konnte, sodass er am Pfosten vorbeitischte.


    Dann waren noch zwei Minuten zu spielen. Northeim war in Ballbesitz, spielte sich in der Abwehrreihe den Ball zu, auf der Suche nach einer Lücke. Unsere Stürmer liefen an, immer noch, auch zwei Minuten vor Schluss. Nikolaev konnte tatsächlich einen Passversuch blocken. Der Ball prallte nach vorne, Kuleszka reagierte am schnellsten, erlief den Ball und fackelte nicht lange. Aus 16 Metern mit links zog er ab -TOR! 2:1 für Nordhorn in Northeim!


    Die nächsten Minuten, zwei in der regulären Spielzeit und vier als Nachschlag, brachten wir souverän hinter uns und am Ende hatten wir erstmals in der Oberliga einen Rückstand gedreht und erstmals gewonnen.


  • Für das nächste Pflichtspiel mischten wir das Team ordentlich durch. Gegen den Bezirksligisten SC Hemmingen-Westerfeld erhielten Amaefule, Baackmann, Eisfeld und Addai eine Bewährungschance, Buddenberg und Heinrich saßen auf der Bank.


    Natürlich waren wir dennoch Favorit und so traten wir auch auf. Schon in der vierten Minute hatte der mit aufgerückte Schultz die Chance, sein Schuss aus sechs, sieben Metern wurde aber abgewehrt.

    In den nächsten zehn Minuten schienen wir uns den Gegner zurechtzulegen und auf den richtigen Moment, die richtige Lücke zu warten. Bei dem drittletzten, dem vorletzten oder dem letzten Pass waren wir dabei aber oft zu ungenau. Und so musste es Nikolaev mit einer tollen Aktion richten. 25 Meter vor dem Tor bekam er, mit dem Rücken zu selbigem stehend, den Ball, drehte sich und schoss mit links in Richtung langes Eck. Der Ball schlug knapp neben dem Pfosten ein und bescherte uns die 1:0-Führung. Ein sagenhaftes Tor!


    Viel mehr geschah bis zur Pause nicht mehr. Wir hatten die Sache im Griff, versäumten aber ein zweites Tor zu machen. Zur Pause nahm ich Amaefule raus und brachte Heinrich. An diesem Wechsel lag es aber nicht, dass es nach 52 Minuten plötzlich 1:1 stand. Eher lag es an einer etwas schlampigen Abwehrarbeit und am meisten an einem Sonntagsschuss von Ahmet Sen, der den Ball von der Strafraumkante volley unter die Latte setzte.

    Der Bezirksligist war natürlich schier außer sich vor Freude. Bis zum Ende der regulären Spielzeit neutralisierten sich dann beide Teams. Kuleszka, den wir in der 60. Minute ins Spiel brachten, erzielte noch einen Treffer, aber aus Abseitsposition. So kam es, wie es kommen musste - wir gingen in die Verlängerung. Dachte ich zumindest.

    Tatsächlich gingen wir unmittelbar nach Ende der 90 Minuten ins Elfmeterschießen ... man lernt einfach nicht aus ...


    Bähre war der Erste für uns - und er scheiterte an Biakolo in Hemmingens Tor. Dabei war der Elfmeter nicht schlecht geschossen. Aber die Parade war besser.

    Dyck traf für den Bezirksligisten - 1:0 im Elfmeterschießen.

    Dann Bremser - er verwandelte sicher zum 1:1.

    Hemmingens Serra traf, obwohl Erdil beinahe dran war. Aber eben nur beinahe. 2:1

    Nikolaev souverän. 2:2.

    Schreiber für Hemmingen, Erdil blieb ohne Chance - 3:2.

    Altendorf verlud den gegnerischen Keeper - 3:3.

    Langsam musste Erdil aber mal einen raushauen, sonst würde das hier ein bitteres Ende für uns nehmen ...

    Aber gegen den Schuss von Varthalitis war er machtlos. 4:3.

    Nun musste unser nächster Schütze unbedingt treffen. Der junge Heinrich machte sich auf den langen Weg von der Mittellinie zum Elfmeterpunkt - und netzte sicher ein. 4:4.

    Nun galt es für Erdil!

    Hartmann gegen Erdil lautete das Duell. Und Hartmann blieb cool und knallte den Ball in die Tormitte, während sich Erdil für eine Ecke entschieden hatte.


    Damit waren wir raus und ich war der Depp, weil ich die Mannschaft so durcheinander gewürfelt hatte ...




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    Überraschenderweise blieb der große „Shitstorm“ nach der Pokalpleite aus. Weder aus dem Vorstand noch in den Medien gab es viele kritische Worte. Ein „Das Geld hätten wir schon gebrauchen können.“ von Sven war schon das kritischste.

    Vielleicht wussten aber auch alle, dass die Niederlage an mir am meisten nagen würde. Immerhin war es meine Entscheidung und mein Experiment mit den Youngstern gewesen.


    Im folgenden Ligaspiel gegen BV Cloppenburg vertrauten wir dann im Wesentlichen wieder den gestandenen Spielern bzw. denen, die sich in den ersten vier Saisonspielen hervorgetan hatten und zu überzeugen wussten.

    Cloppenburg wurde von den Medien als Aufstiegsaspirant angesehen und nach einer Pleite zum Auftakt (1:2 gegen den MTV Gifhorn) hatten sie diesem Anspruch auch genügen können: Drei Siege mit 12:1 Toren lasen sich eindrucksvoll.


    „Eindrucksvoll“ war das richtige Stichwort, denn ebenso begann Cloppenburg. Pressing, schnelle Balleroberung, starkes Zusammenspiel - all das konnten die Zuschauer in den ersten Minuten bestaunen. Nach sieben Minuten war es fast schon soweit, nachdem Bremser den Ball verloren hatte. Schnell ging es in Richtung unseres Tores, aber Erdil war auf der Höhe und wehrte den Schuss zur Seite ab.

    Auch in der Folgezeit blieb Cloppenburg überlegen und kam zu Gelegenheiten, während bei „eigenen Torchancen“ für uns die Null stand.

    Nach einer halben Stunde setzte Cloppenburgs Olthoff einen Freistoß an die Querlatte - Erdil wäre da chancenlos gewesen. Fünf Minuten vor der Pause kombinierten sich die Gäste an unseren Strafraum, der Torschussversuch verfehlte nur knapp den Pfosten.

    So langsam sehnten wir die Pause herbei. Doch eher wir sie erreichten, kam Cloppenburg doch noch zur Führung: Wieder ging es mit kurzen Pässen zentral vor unserem Strafraum hin und her, bis Borgardt relativ unbedrängt aus 17 Metern zum Abschluss kommen konnte und traf.

    Schaute man auf die Statistiken, war die Führung hochverdient: 10:1 Torschüsse und 56:44 % Ballbesitz zugunsten der Gäste sprachen eine deutliche Sprache.


    Nach der Pause änderte sich nicht viel. Eine Freistoßvariante, bei der der Ball nicht in den Strafraum geflankt, sondern abgelegt wurde, brachte die nächste Chance für die Gäste.

    Nach 55 Minuten tauschten Bojan und ich dann unsere äußeren Mittelfeldspieler aus. Amaefule und Schäfer gingen, Starke und Bähre kamen. Ehe die Maßnahme aber fruchten konnte, erzielte der BV Cloppenburg das 2:0. Wieder stand ein Distanzschuss am Ende einer schönen Passstafette, dieses Mal aus 25 Metern Entfernung.

    Nur kurze Zeit später lag der Ball erneut im Netz unseres Tores, aber zum Glück beendete der Abseitspfiff des Schiedsrichters den Gästejubel.

    Fünf Minuten später hatten wir wie aus heiterem Himmel eine Großchance! Starke mit dem langen Ball auf den Fuß von Kuleszka. Der zog erst in Richtung Tor, dann ab, aber leider ver- ... mit anderen Worten: Der Ball ging vorbei. Da hätte er mehr draus machen müssen!

    Zehn Minuten vor dem Ende konnte sich Erdil noch einmal bei einer Doppelchance der Cloppenburger auszeichnen - dann war es vorbei.


  • Sportlich lief es zuletzt nicht ganz so rund, aber alles in allem immer noch zufriedenstellend. Wir hielten uns in der Oberliga bisher sehr tapfer und der Niedersachsenpokal ... nun ja, bisher stand ich mit ihm auf Kriegsfuß.


    Privat waren die letzten Wochen ziemlich fordernd gewesen. Meiner Mutter machte ihre Lungenkrankheit mehr und mehr zu schaffen. Wie lange sie noch alleine in ihrer Wohnung würde bleiben können, war nicht absehbar. Meine Freundin und ich erkundigten uns bei einem Pflegeheim in der Nähe nach den Möglichkeiten und hatten ein gutes Gespräch mit der Leiterin der Einrichtung. Ob und wann meine Mutter einen Platz in Anspruch nehmen würde, war aber offen.


    Ich selber hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Näheres will ich hier nicht breittreten, aber verschiedene Trainingseinheiten musste ich komplett an Bojan übergeben, weil ich entweder einen Arzttermin hatte oder aber kränkelte. Irgendwann würde ich mich einer kleineren OP unterziehen müssen, aber das wollte ich auf einen Zeitpunkt legen, an dem es besser passte. Wann der sein würde? Keine Ahnung ...


    Mit meiner Freundin war es weiterhin wunderschön, wenn wir zusammen waren und nicht so schön, wenn wir räumlich getrennt waren. Wobei ich mit dieser räumlichen Distanz besser klar kam als sie. Für sie war das wirklich schwierig.


    Bei unserem nächsten Heimspiel war sie aber wieder mit dabei. Wir empfingen den Lüneburger SK Hansa, der mit drei Punkten mehr (acht) auf Rang acht der Tabelle platziert war.

    Die ersten zehn Minuten spielten wir sehr ordentlich. Allerdings brachten wir den letzten Pass nicht an den Mann. So war es auch in der elften Minute: Nach einer Passstafette wollte Döll den Ball in die Tiefe zu Kuleszka bringen, aber sein Chipball war zu ungenau, ein Lüneburger ging dazwischen. Pägelow konnte den Ball aber nicht mit dem Kopf kontrollieren, er rutschte über seinen Scheitel in den Lauf von Kuleszka, der sich nicht zwei Mal bitten ließ und aus spitzem Winkel zur Führung traf.


    Wir hatten das Spiel gut im Griff. Castillo hatte die nächste Gelegenheit, doch sein Kopfball nach Kuleskas Freistoßflanke ging knapp rechts am Tor vorbei. Kuleszka versuchte sich kurz danach an einem direkten Freistoß, aber was das anging, hatte er seine Treffsicherheit der Landesliga noch nicht wieder gefunden.

    Zweitweise hatten wir mehr als 60 % Ballbesitz - ein sicheres Zeichen dafür, wie sehr wir die Kontrolle in dieser ersten Hälfte hatten. Lüneburg kam nur ein einziges Mal, fünf Minuten vor der Pause, vor unser Tor. Da konnten wir uns aber bei Erdil bedanken, dass er im Eins-gegen-Eins gegen den Lüneburger Stürmer die Ruhe und die Oberhand behielt.


    Dann war Pause, viele Chancen hatte es nicht gegeben, aber wir hatten eine genutzt.


    Kurz nach Wiederanpfiff gab es einen Schreckmoment, als Piesche eine Flanke im Strafraum direkt vor die Füße eines Lüneburger klärte. Zum Glück schoss Nikroo aber zu überhastet und verzog deutlich.

    Eine Stunde war rum, als wir nach einer Ecke die große Doppelchance durch Kuleszka und Nikolaev hatten. Aus dem abgewehrten Ball entwickelte sich dann plötzlich eine Kontergelegenheit für Hansa, aber Bremser grätschte herrlich dazwischen.

    Kurz danach gab es einen Freistoß aus 17 Metern für die Gäste. Der Ball blieb in der Mauer hängen, sprang von dort Krottke vor die Füße, der volley mit links abzog und ins Tor traf. Erdil sah dabei etwas unglücklich aus, er war nach dem Freistoß noch nicht wieder vernünftig im Tor platziert.


    Mit dem Gegentor kippte das Spiel. Lüneburg wurde mutiger, spielte sich immer wieder sehr passsicher in Richtung unseres Tores und kam vermehrt zu Abschlüssen. Die meisten davon waren harmlos, nur einmal musste Erdil konsequent eingreifen. In den letzten fünf bis zehn Minuten belagerten dann die Gäste unser Tor regelrecht. Außer mehreren Eckbällen kam allerdings nichts dabei heraus.

    Die Chance zum lucky punch für uns hatte in der 90. Minute Neziri, der sich aber alleine vor dem Tor stehend im Abseits befand. In der Nachspielzeit hielt Erdil nochmals gegen Nikroo und sicherte uns damit ein Unentschieden, das über das ganze Spiel gesehen gerecht war.


    Mit diesem Punkt blieben wir weiterhin nur einen Platz über dem Strich, hatten aber immerhin schon drei Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.


    Kritische Stimmen zum letzten Spiel gab es von Seiten der Fans zu hören bzw. Zu lesen. Der Social Media-Account des Vereins wurde nicht besonders rege frequentiert, aber dass die Kritik so einhellig negativ war, war eher ungewöhnlich:


    Ich war mit dem bisher Erreichten zufrieden, da konnte ich mich nur wiederholen. Dass ich im nächsten Spiel dennoch auf unser 4-4-1-1-zurückgreifen würde, hatte auch nichts mit den Wortmeldungen von ein paar Fans zu tun. Es lag schlicht an der Stärke des nächsten Gegners. USI Lupo Martini Wolfsburg war seit ein paar Jahren eine Art „Wanderer zwischen den Welten“: Zu stark für die Oberliga, aber zu schwach für die Regionalliga. Aufstieg - Abstieg - Aufstieg - Abstieg - so ging das in den letzten Spielzeiten. Und auch in dieser Saison war Lupo Martini wieder ganz vorne mit dabei, derzeit auf Platz 3, punktgleich mit Cloppenburg und Northeim an der Tabellenspitze. Es würde definitiv schwierig werden, dort etwas zu holen.


    Neben der taktischen Änderung nahmen Bojan und ich auch ein paar Änderungen in der Startelf vor. Alles geschah mit dem Ziel, einigermaßen unbeschadet aus dem Spiel herauszukommen. Da mutete es fast schon bizarr an, dass wir (!) nach 16 Sekunden (!) die erste Gelegenheit hatten -Döll traf aber leider nur das Außennetz. Doch schon unmittelbar darauf übernahm Lupo das Kommando und hatte in der zweiten und dritten Minute gute Schussgelegenheiten.

    In der 14. Minute war es dann passiert. Erdem Dereli verwandelte einen Freistoß von der Strafraumgrenze direkt ins Tor. Mich ärgerte das gewaltig, weil Tore aus solchen Situationen immer irgendwie selbst verschuldet und damit vermeidbar sind.


    Nicht vermeidbar, sondern einfach wunderschön und direkt herausgespielt, war das 0:2, der bis dahin überragende Dereli war dieses Mal der Vorlagengeber. Das war schlicht und ergreifend zu schnell für uns ... mit solchen Gegentoren hatte ich weniger Probleme als mit dem 0:1.

    Nur zwei Minuten später gab erneut Dereli die Freistoßvorlage zum 3:0 für die Wolfsburger. Knystock im kurzen Eck sah da ziemlich unglücklich aus. Fünf Minuten danach führte eine Dereli-Ecke zum 0:4 ... es wurde ganz bitter. Einzig Döll stemmte sich mit sporadischen Offensivaktionen gegen das Debakel. Seine Schüsse verfehlten aber das Ziel.

    Noch vor der Pause reagierten wir: Schultz kam raus, Piesche ging auf die linke Verteidigerposition und als RV kam Wallenborn rein. Ihm gaben wir mit auf den Weg, Dereli auf den Füßen zu stehen und ihn so zumindest ansatzweise aus dem Spiel zu nehmen.


    Kurz nach der Pause spielten wir dann wirklich schön über mehrere Stationen den Ehrentreffer heraus. Nikolaev war es, der den letzten Pass von Döll verwerten konnte.

    Ein paar Minuten später hatten wir sogar die Chance zum 2:4. Altendorf traf aber nur den Pfosten und den Abpraller konnte Bähre nicht am Lupo-Keeper vorbei bringen. Aber wir zeigten jetzt immerhin, dass wir auch mit dem Ball umzugehen wussten. Nach einer Stunde stibitzte Bähre den Ball vom Wolfsburger Verteidiger, war aber wieder nicht treffsicher. Und auch Döll scheiterte am Wolfsburger Sauß, der in dieser Phase mehr gefordert war, als ihm lieb sein konnte.

    Am Ende dieser zweiten 45 Minuten hatten wir sieben Torschüsse vorzuweisen und Lupo nur drei. Am verdienten 4:1-Sieg des Favoriten änderte das natürlich nichts, aber es war etwas, worauf wir aufbauen konnten.

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