Neustart an der Porta Nigra

  • PROLOG


    Da saß ich nun. Am Tresen der Bar des Restaurants "Theo" in der Stadt Trier mit Blick auf die Porta Nigra. Ich schwenkte ein Glas meines Lieblingsrums Mulata de Cuba, aber zum ersten Schluck konnte ich mich bisher nicht hinreißen lassen.


    "Du sitzt hier schon 'ne ganze Weile und hast noch nicht einen Schluck genommen. Muss wohl ein echt schlechter Tag gewesen sein, was?", fragte mich Antonio, der Besitzer.


    Gerade als ich antworten wollte, setzte sich ein verhüllter Mann mit Fedora, Sonnenbrille und Trenchcoat neben mich und stellte die gleiche Frage: "Schlimmer Tag, was?"


    "In der Tat...", antwortete ich leicht irritiert, "... so ist das, wenn man sich an seine Ideale hält." Und plötzlich kippte ich mir meinen Drink auf einmal in die Kehle.


    "Darf man fragen, was passiert ist?"


    Ja was war eigentlich passiert? Das ganze begann einen Tag vorher, am 29.06.2012. Ich arbeitete für den Trierischen Volksfreund. Eine lokale Zeitschrift. Ich wurde ins Büro des Chefs beordert.


    "Wissen Sie was, Waldrichter? Sie werden uns diese Schlagzeile besorgen!".


    Ich stand wie erstarrt da. Das konnte er nicht ernst meinen. Er verlangte von mir, dass ich mich als Trainer ausgebe, um bei den Auswahlgesprächen für die neue Saison anwesend zu sein. Der Plan meines Chefs war es, die Namen zu erfahren, um dann in einem Artikel über den zukünftigen Trainer zu spotten. Es war davon auszugehen, dass es kein großer Name werden würde. Seit Jahren hängt der SV Eintracht Trier 05 in der 4. Liga, um genau zu sein der Regionalliga Südwest. Und obwohl die ganze Stadt fest damit gerechnet hatte, dass der Aufstieg gelingt, wurde es auch dieses Mal wieder nichts. In 2 Tagen sollte die neue Saison beginnen und es gab noch keinen neuen Übungsleiter. Und so deprimiert wie die Fans nach dem Nichtaufstieg waren, würde so ein Artikel die Lager weiter spalten.


    "Chef, ich bitte Sie. Das kann ich nicht machen. Ich weiß Sie sind Fan von Saarbrücken, aber das geht nicht!"


    "Und wie das geht, lieber Waldrichter! Wenn Sie es sich nicht tun, dann werde ich Sie feuern! Und ich wüsste nicht, wer Sie nach so vielen Entlassungen noch nehmen sollte."


    Da war etwas dran. Eigentlich war ich auch kein Journalist. Eigentlich war ich Marketingberater in dem Büro meines Vaters bis dieses vor 3 Jahren schließen musste. Danach war ich Tellerwäscher, Kellner, Putzkraft und habe mich auch - nach dem ein oder anderen Glas Rum zu viel - als Autor versucht. Jetzt wieder entlassen zu werden, wäre so langsam mein Ende. Auch aus finanzieller Sicht. Aber die Eintracht hintergehen? Das ist mein Verein. Meine Stadt! Davon mal abgesehen ist das auch ohne Fussballbezug völlig verwerflich.


    "Hier nehmen Sie diese Bewerbungsmappe für den Fall der Fälle. Und nun verschwinden Sie aus meinen Augen!", winkte mein Chef ab und Griff zum Hörer um mit einem anderen Redakteur zu telefonieren. Am Folgetag sollten die Gespräche zwischen 10.00-15.00 Uhr stattfinden. In dieser Zeit hielt ich mich jedoch im "Theo" auf. Die Gespräche mussten schon seit einer Weile gelaufen sein.

    "Also haben Sie es nicht gemacht?", fragte mich der Fremde im Trenchcoat.


    Natürlich nicht. Aber was bringt es mir mit diesem Kerl darüber zu reden? Immerhin bin ich ab Morgen arbeitslos. Mehrere Anrufe aus der Redaktion hab ich bereits ignoriert. Aber aus Höflichkeit schüttelte ich wenigstens den Kopf.


    "Haben Sie denn mal trainiert? Oder selber gespielt?", fragte der Fremde weiter.


    Ich griff zum Volksfreund, die vor mir lag und fragte: "Haben Sie schon gelesen, Katie Holmes und Tom Cruise haben sich getrennt! Kaum zu glauben, was so auf der Welt passiert."


    Ok, zugegeben. Nicht grade mein smartester Einfall, aber mir war wirklich die Lust vergangen, weiter darüber zu reden.


    "Markus hier hat mal in der Jugend der Eintracht gespielt, deswegen liegt ihm der Verein auch so am Herzen! Und er war auch mal Jugendtrainer beim SV Trier-Irsch 1948.", mischte sich plötzlich Antonio mit ein, während er mir einen weiteren Drink eingoss.


    "Danke Antonio, dass du mir hilfst das Thema zu wechseln...", sagte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue und mit genervtem Unterton. Nunmehr konnte ich den nächsten Schluck aus meinem Drink kaum erwarten.


    "Markus Waldrichter also, hab ich das richtig verstanden?", der Mann stand auf, legte sein Sonnenbrille ab, drehte sich zu mir und reichte mir die Hand. "Wenn Sie Interesse haben, dann würde ich mich freuen, wenn Sie morgen einen Vertrag als Cheftrainer der SV Eintracht Trier 05 unterschreiben!"


    Geschockt drehte ich mich zu ihm. Ohne die Sonnenbrille erkannte ich den Mann plötzlich. Das war der Präsident der Eintracht, Daniel Adlung!


    "Herr Adlung! S-S-Sie nehmen mich doch auf den Arm?! Das können Sie doch nicht machen! W-W-Wieso denn ich?", fragte ich leicht stotternd, noch völlig geschockt von der Situation.


    "Offensichtlich tragen Sie das Herz am richtigen Fleck und in diesem Herz brennt das Feuer für die Eintracht. Und trotz Ihrer vermutlich geringen Erfahrung als Trainer, wären Sie wohl nicht schlechter als die ganzen Kandidaten, die wir alle heute wieder weggeschickt haben. Sie sind doch ab morgen arbeitslos nehme ich an? Dann steht dem ja nichts mehr im Wege!", lächelte mir Daniel Adlung beruhigend entgegen. Mit seinen 67 Jahren strahlte er eine Gelassenheit und Zuversicht aus, dass sich meine Zweifel schnell verflüchtigten. Zudem war er ein Mann, der seine Versprechen hält. Das wusste man in der ganzen Stadt. Das einzige Versprechen, dass er bisher nicht halten konnte, war der Aufstieg der Eintracht. Doch wenn er mir diese Chance geben sollte, wäre ich bereit alles dafür zu geben, dass er auch dieses Versprechen einhalten kann.

    Ich schlug ein und konnte nicht mehr aufhören zu lächeln. Ich blickte aus dem Fenster und betrachtete die Porta Nigra.


    Das wird mein Neustart.


  • Teil 001 - Rundschau durch den Verein


    "Ich kann es immer noch nicht glauben, Herr Adlung!", sagte ich, als mir der Präsident den Vertrag vor mir auf den Tisch legte. Ich unterschrieb ohne zu zögern und starrte einige Sekunden voller Freude meine Unterschrift auf dem Haufen von Blättern an.


    "Haben Sie sich den Vertrag überhaupt richtig durchgelesen?", fragte mich der Präsident mit einem überraschten Lachen auf den Lippen.


    Mir stockte der Atem. Hatte ich mich gerade über den Tisch ziehen lassen? Habe ich gerade meine Seele verkauft? Oder weitaus Schlimmeres? Ich blätterte panisch durch die Seiten und überflog die ganzen Einzelheiten. Laufzeit... Gehalt... Aufgaben... Aufgaben! Da war die Überraschung!


    "Ich soll auch noch das Management übernehmen?"


    "Ja, aber machen Sie sich keine Sorgen. Sie erhalten natürlich in der ersten Phase Unterstützung von den hiesigen Mitarbeitern. Ich würde vorschlagen, ich führe Sie generell einmal rum und stelle Ihnen Ihre Kollegen vor. Was halten Sie davon?"


    Noch etwas verwirrt stimmte ich jedoch zu und wir machten als erstes einen Spaziergang über das Gelände.




    Gut, viel gab es hier tatsächlich nicht zu sehen. Das Einzige, dass mich etwas nachdenklich gemacht hat, war ein fehlender Fitnessparkour und das große Stadion. Das war zwar in Zeiten, in der die Eintracht höherklassig gespielt hat, schon sinnvoll. Aber in den letzten Jahren war das Stadion meist nur zu einem Viertel gefüllt. Und nach meiner Laienkenntnis kostet das sicherlich viel Geld. Und während wir uns alles ansahen und etwas über die Zukunft und Vergangenheit philosophierten, reichte mir Daniel Adlung eine Übersicht mit den Mitarbeitern des Vereins. Ich war zuerst einmal froh, dass alle Mitarbeiter ungefähr in meinem Alter waren.




    "Ich hoffe es stört Sie nicht, dass wir keine große Konferenz einberufen haben. Aber die neue Saison hat ja schon angefangen. Ich habe Termine mit den Herren Schwertl, Kliche, Schmidt und Pries vereinbart. Und am Anschluss sehen wir uns ein Trainingsspiel aller Spieler im Herrenbereich an." Er schien sichtlich stolz auf die Organisation des Tages. Und obwohl ich der war, der hier abliefern muss, wollte Herr Adlung mich anscheinend davon überzeugen, dass es keine falsche Entscheidung war, hier zu unterschreiben.


    "Hey! Du musst Markus sein! Ich bin Carsten, dein Co-Trainer.", reichte mir Carsten Schwertl seine Hand entgegen. Er schien offen und freundlich zu sein. Ich hoffte, dass es keinen Stress geben würde. Aber Herr Adlung schob sofort hinterher, dass Carsten bereits seit 7 Jahren Co-Trainer hier ist und mit jedem Trainer gut zusammen gearbeitet hat. "Ich hab dir mal eine Liste der 1. Mannschaft erstellt. Dann hast du schon mal eine Übersicht und kannst dir einen Eindruck verschaffen. Da kannst du dir auch Notizen zum späteren Trainingsspiel machen."




    Erst einmal war ich relativ erleichtert. Die Mannschaft konnte mein bevorzugtes 4-4-2 mit Raute spielen. Sie war nicht zu alt und es gab einige Spieler, die eindeutig Leistungsträger waren. Das größte Problem war jedoch: Das waren alle - es gab keine Reserve. Das war auch der Grund warum ich heute nicht Thomas Wildner den Amateurtrainer kennenlernen würde. Er war halt nicht da. Er würde erst wieder zum Einsatz kommen, wenn ich Spieler in der 1. Mannschaft nicht brauchen würde. Nach einigem Fachsimpeln verabschiedeten wir uns von meinen zuküntigen Co und gingen weiter zu Stefan Kliche, dem Jugendtrainer.


    "Hallo."


    Unhöflich war das nicht, aber etwas mehr hatte ich schon erwartet. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob Stefan super gelangweilt oder einfach nur müde aussah. Aber ich war mir sicher: Motivation und Engagement sehen definitiv anders aus. Das was Stefan nicht sagen wollte (oder konnte) erzählte mir dann mein Reiseführer.


    "Stefan ist hier der Jugendtrainer. Er scheint zwar etwas abwesend, aber er schafft es trotzdem, dass immer wieder Spieler aus der Jugend hoch zu den Profis kommen. Stefan, hattest du nicht was für unseren neuen Freund hier vorbereitet?"




    Einige talentierte Jungs waren definitiv dabei. Ins Auge sprangen mir aber sofort Rama, Blan und Pirson. Vielleicht kommen noch andere in Frage, aber Priorität hatte offensichtlich ein Vertrag für Rama.


    Als nächste Station gingen wir ins Scouting-Büro. Aber anstatt den Fahrstuhl nach oben zu nehmen, gingen wir die Treppe in den Keller. Für eine Sekunde dachte ich, dass ich hier jetzt doch abgemurkst werde. Auf dem Höhepunkt der Hoffnung der tiefe Fall. Vielleicht hätte ich gestern keinen Thriller lesen sollen. Aber noch während ich mir das alles ausmalte standen wir vor einer Tür am Ende eines langen Flurs. Doch anstatt "Mörder-Schlachtbank-Keller" stand "Chefscout" auf dem Schild an der Tür. Als der Präsident die Tür öffnete und den Lichtschalter anmachte, sah ich einen echt dicken Kerl auf einem Stuhl vor 5 Bildschirmen.


    "Eyyyy! Hackt's bei euch? Ich bin am arbeiten!"


    Der Präsident lachte laut auf. "Timo, ich hab den neuen Cheftrainer dabei!", erklärte er die Situation und prustete weiter.


    "Oh sorry. Ja, ich bin Timo. Ich scoute alles und jeden, den du willst. Aber erwarte nicht, dass ich durch die Gegend düse wie Karla Kolumna. Ich mache alles von hier aus und nutze meine Kontakte und Datenbanken. Aber jetzt geht bitte, ich muss weiter arbeiten. Und bring nächstes mal was zum Futtern mit, wenn du her kommst." Schon drehte er sich um und hämmerte weiter auf seiner Tastatur herum. Herr Adlung kriegte sich kaum mehr ein und schob mich langsam aus dem Büro.


    Der letzte Punkt auf unserer Vorstellungstournee war das Büro des Geschäftsführers Bernhard Pries.


    "Herr Präsident! Schön, dass Sie mich hier besuchen!", sprang der Geschäftsführer aus seinem Sessel.


    "Hallo, ich bin..."


    "Die Zahlen sehen wieder exzellent aus!", er hörte garnicht mehr auf die Hand des Präsidenten zu schütteln.


    "Also, ich wollte mich nur..."


    "Ich möchte Ihnen hier gern mal was zeigen..."


    "Herr Pries, jetzt kommen Sie mal wieder runter.", unterbrach ihn Adlung und fing fast wieder an zu lachen, "Ich wollte Ihnen Herrn Waldrichter einmal vorstellen. Haben Sie Sich um den Gefallen gekümmert, um den ich Sie gebeten hatte?"


    "Aber natürlich, Herr Präsident!", lächelte Pries den Präsidenten einschleimend an. Plötzlich drehte er sich zu seinem Tisch um und schnappte sich ein Blatt Papier mit Kaffeeflecken. "Hier.", reichte er mir dieses Blatt ohne auch nur eine Miene zu verziehen.



    Oha, dachte ich bei mir. Ich war mir aber nicht ganz sicher, was mich mehr überraschte. Dieses Verhalten mir gegenüber oder die Finanzen des Klubs. Für einen Viertligisten schien mir die Eintracht ungemein vermögend.


    "Ja richtig! Seitdem Herr Pries hier vor 2 Jahren angefangen hat, hat er die Einnahmen fast verachtfacht! Er ist der Grund, warum es unserem Verein so gut geht. Und dazu habe ich genug Budget freimachen lassen, damit Sie etwas Spielraum haben.", erklärte mir Adlung und klopfte Pries auf die Schulter. "Herr Pries, wollen Sie uns nicht zum Trainingsspiel begleiten?"


    "Nein Danke. Ich habe hier noch zu tun. Aber besuchen Sie mich doch gern nachher nochmal, Herr Präsident. Auf Wiedersehen, Herr Kaltzüchter.", verabschiedete sich mein Gegenüber und setzte sich wieder an seinen überdimensionalen Eichentisch.


    "Kaltzüchter?", flüsterte ich zum Präsidenten, während er mich hinausgeleitete und wieder anfing lauthals zu lachen. Vielleicht täusche ich mich, aber ich glaube, das gibt noch Probleme.

  • Liest sich interessant, wie kommst du zur Eintracht?

    Siamesen kann niemand trennen.
    Schizophrene sind nie allein.
    Pädophile haben immer Bonbons.
    Und wir hassen Hoffenheim!
    :bier:

  • Erst einmal freut es mich, dass der Anfang ganz gut ankommt.


    Ich bin einfach über die Vereinsfarben drauf gestoßen ^^


    Außerdem brauchte der Verein, über den ich schreiben wollte noch eine Eigenschaft, die ich für den weiteren Verlauf der Geschichte benötige ;) Ich spiele den FM eigentlich nie nach höchstmöglichen Erfolg. Ich spiele immer mit einer Idee. Zum Beispiel habe ich mal Inter Mailand gespielt und versucht, den Kader mit nur noch 20% Legionären umzubauen. Oder der HSV verpflichtet ausländische Spieler nur noch aus Skandinavien. Und sowas kommt in der Story, dann auch noch.

  • Gefällt mir alles: Stil, Darstellung, Vereinswahl - kann gern so weitergehen! Der Kader sieht ja auch recht ausgeglichen und brauchbar aus. Die Mannschaftsstärken-Übersicht wäre jetzt natürlich noch interessant, aber ich nehme an, da kommt sowieso noch dies und das. Den Scout im Keller fand ich auch ziemlich genial, überhaupt sieht das nach einer Story mit Ideen aus. Ich freu mich drauf!

  • Teil 002 - Vorbereitung auf die Vorbereitung


    Mich weiter mit Herrn Adlung unterhaltend näherten wir uns dem Trainingsplatz. Dort standen 22 Mann meiner Mannschaft in 2 Teams auf dem Platz, die in 2x 30 Minuten einen freundlichen Trainingskick vor sich hatten. Unser dritter Keeper Basquit würde in der zweiten Hälfte kommen, genauso wie unser Torwarttrainer Lasse Altmann, damit alles fair bleibt. Carsten, mein Co, winkte mich schon zu sich herüber. Während des Spiels nutzte ich die Zeit mich nicht nur mit Carsten über die Mannschaft auszutauschen, sondern auch um die Situation an sich.



    "Du denkst also, dass wir schon weit oben mitspielen werden?"


    "Auf jeden Fall! Ich denke wir könnten nur ein paar Schwierigkeiten bekommen, falls sich die Erst- und Zweitligisten entscheiden, doch noch wen aus dem Profikader in die Reserve zu versetzen. Aber ansonsten können wir uns eigentlich nur selbst im Weg stehen.". Zu diesem Zeitpunkt konnte ich jedoch noch nicht ahnen, dass das nicht nur eine pauschale Floskel sein sollte. Und wer sich wundern sollte. Ja, die Regionalliga Südwest hat wirklich 19 Mannschaften. Für Außenstehende ist das immer etwas verwirrend.


    Das Spiel hatte viele Torchancen, zeigte aber auch definitiv Schwächen in der Abwehr. Das Spiel endete mit 11:8, wodurch ich mich zwischenzeitlich fragte, ob ich mir grad nicht eine andere Sportart anschaute. Herr Adlung war aber begeistert und applaudierte laut und aufgeregt bei jedem Tor. Aber ein paar Erkenntnisse konnte ich durchaus sammeln.



    Zum einen ist mir Kröner ins Auge gefallen. Er verkörpert für mich als Ballgewinner genau die Art von DM, die ich bevorzuge. Jemanden der die Abwehr durch schnelle Balleroberungen entlastet. Und mit seinen 22 Jahren ist er auch noch entwicklungsfähig. Ich könnte mir vorstellen, wenn er sich macht, dass er das neue Gesicht der Mannschaft wird.


    Als zweiter Spieler hat mich Kuduzovic beeindruckt. Er scheint der technisch versierteste Spieler der Mannschaft zu sein. Das bestätigte mir dann auch Carsten mit seiner Einschätzung. Ich hoffe, dass seine Offensivdribblings ordentlich Druck ausüben und er die beiden Stürmer dann gut in Szene setzt. Was ich nur beobachten muss ist die Sprachbarriere. Als Anglo-Bosnier ist sein Deutsch noch nicht so gut, sodass ich mich manchmal ziemlich konzentrieren muss um zu verstehen, was er mir mitteilen möchte.


    Als letztes sind noch die Spieler Pagenburg und Lewerenz zu nennen. Während Lewerenz mit viel Einsatz gespielt hat und auch einen Hattrick zu den 8 Toren seines Teams beisteuern konnte, fiel Pagenburg nicht nur positiv auf. Zwar erzielte er 8(!) der 11 Tore seines Teams, aber er spielte überheblich. Er verhöhnte nach Toren seine Mitspieler und lief extrem wenig. Und vielleicht bildete ich es mir nur ein, doch ab und zu machte er sich wohl auch über mich lustig.


    "Wer ist denn der schmächtige Kerl, da an der Eckfahne?"


    "Was macht denn Christoph hier? Den sieht man eigentlich nie ohne Herrn Pries. Der steht voll unter seinem Pantoffel. Und macht alles, was Chefchen von ihm will." Das war also Christoph Gsellmann. Der junge Mann hat zusammen mit Bernhard Pries als Sportdirektor bei der Eintracht angefangen. Und er hat es auch geschafft Spieler wie Lobué und Pagenburg zu holen. Aber als das Spiel vorbei war, ging er sofort zurück zum Bürogebäude. Glücklich sah er irgendwie nicht aus. "Du solltest nachher auf jeden Fall noch zu ihm. Mit ihm musst du den Terminkalender für die Vorbereitung abklären und falls du dich noch nicht selbst drum kümmern magst, deine Wünsche für den Kader mitteilen."


    Puh, Transfers. Da hab ich ja nun noch garkeine Ahnung. Also werde ich wohl nachher nochmal ein längeres Gespräch mit Ihm führen müssen. Davor besprach ich meine Vorstellungen mit Carsten, der aber mit allem einverstanden war. Nach dem ich mich dann noch kurz der Mannschaft vorstellte, alle Spieler zum offiziellen Trainingsauftakt am morgigen Tag einlud und mich von Herrn Adlung verabschiedete, begab ich mich zum Sportdirektor.


    "Herr Gsellmann?"


    "H-Hallo Herr Waldrichter. W-Wie kann ich Ihnen denn weiterhelfen?", schreckte er auf, bevor er sofort wieder unsicher in seinen Laptop schaute.


    "Sie können mich ruhig Markus nennen.", entgegnete ich ihm und reichte ihm einen gekritzelten Kalenderauszug für Juli. Wir hatten nur 4 Wochen bis die Saison anfing, musste in dieser Zeit auch das Wichtigste erledigt sein.



    Mein Gegenüber schaute sich den Plan kurz an und nach einigen Fragen aufgrund meiner unleserlichen Schrift nickte er diesen ab: "Ja, das sollte kein Problem sein."


    "Super! Kann ich dann auch mit Ihnen kurz über den Kader sprechen?". Gsellmann sackte zusammen und guckte beschähmt zur Seite, als hätte er etwas falsch gemacht. Nachdem keine Antwort erfolgte, fuhr ich einfach fort: "Also der Kader gefällt mir schon ganz gut, aber wir brauchen definitiv noch einen RV und einen zweiten DM. Klingler kann zwar aushelfen, aber eigentlich soll er mein 3. Innenverteidiger sein. Dazu sind wir der Meinung, dass Heinz, Sözen und Michels sich neue Vereine suchen sollten, egal ob zur Leihe oder fest. Dafür wäre es super, wenn Sie Rama einen Vertrag anbieten könnten."


    Es folgte eine Pause. Gsellmann schaute mich entgeistert an. Man sah ihm an, dass es in ihm ratterte. "Das waren auch meine Gedanken... Ja. Ja, natürlich. Das mache ich gern! Ich werde mich sofort darum kümmern!", sagte er mit einem Lächeln im Gesicht.


    "Super, ich danke Ihnen! Und Sie sind natürlich morgen auch herzlich zum Mannschaftsessen eingeladen." Ich war überrascht, dass das Gespräch doch nicht so lange dauerte wie ich dachte. Ich hatte mit vielen Ausreden und Diskussionen gerechnet.


    "Christoph..."


    "Wie bitte?"


    "Du kannst mich Christoph nennen. Wir können uns gern dutzen."


    "Ist mir eine Freude! Also dann sehen wir uns morgen Abend."


    "Willst du irgendwo speziell, dass ich reserviere?"


    "Im 'Theo', wenns keine Umstände macht.", sagte ich zufrieden und verließ das Büro.

  • Teil 003 - Die Vorbereitung


    "Wo bleiben denn alle?", fragte ich nervös.


    "Bleib mal ganz locker. Es ist doch gerade mal 17.55 Uhr. Die haben doch noch ein paar Minuten.", antwortete Antonio.


    Und wie angesagt trudelten die ersten Spieler ein. Man begrüßte sich herzlich und kam ins Gespräch. Mit etwas Verspätung kamen auch die Kollegen aus dem Trainingsstab und der Geschäftsstelle. So konnte ich auch mal ein paar Worte mit den restlichen Kollegen wechseln, die ich bisher nicht kennengelernt hatte. Bernhard Pries würdigte mich natürlich keines Blickes und setzte sich etwas entfernt zu den älteren Spielern. Dafür kam aber Christoph etwas schüchtern zu mir und Carsten herüber. Doch gerade als er sich setzen wollte, räusperte Pries sich lautstark, sodass Christoph mit gesenktem Kopf zu ihm trottete und neben ihm Platz nahm. Ich dachte schon dass ich quasi allein mit Carsten an einem Tisch sitzen würde, doch dann gesellten sich noch Fouad Brighache, unser Kapitän, und Timo, der Scout, zu uns.


    "Ich hätte nicht gedacht, dass du dich aus deiner Höhle hinaustraust!", nahm Carsten Timo auf die Schippe.


    "Bist du blöde? Hier gibt's Essen umsonst! Natürlich komme ich hierher. Außerdem ist es das erste Mal seit langem, dass es einen Teamabend gibt. Also Danke, Markus."


    Die Bemerkung war zwar nur beiläufig, freute mich aber trotzdem sehr. Als dann alle sich einen Platz gesucht hatten und ihr erstes Getränk erhalten hatten, stand ich auf und wand mich an die anwesenden Gäste.


    "Hallo zusammen! Ich freue mich, dass ihr alle erschienen seid. Ich wollte diesen Abend zum Anlass nehmen, dass sich mal alle etwas besser kennenlernen. Vor Allem natürlich diejenigen, die neu im Verein sind. Und ich möchte euch für diese Saison zwei Dinge versprechen. Erstens: Wir werden aufsteigen...", als ich das gesagt hatte, ging ein leichtes Tuscheln durch den Raum, weshalb ich mit etwas lauterer Stimme fortfuhr, "und Zweitens: ich werde diesem fantastischem Verein treu bleiben, egal was passiert. Und das Einzige, das ich dafür fordere ist Disziplin. Ich denke wenn wir alle diszipliniert und konzentriert zusammenarbeiten, sollte der Aufstieg drin sein!" Viele Gäste klopften zustimmend auf den Tisch. "Und jetzt wünsche ich uns allen aber viel Spaß und einen schönen Abend!"


    "Die Neuen müssen eigentlich immer singen!", schallte es plötzlich aus der hinteren Reihe. Es war, wer hätte es gedacht, Pagenburg. Ich konnte mir schon denken, dass er mich nur vorführen wollte, aber ich würde ihm bestimmt nicht den Erfolg gönnen, dass ich mich drücke. Ich grübelte kurz, was ich singen sollte. Ein Vereinslied? "Tage wie diese" von den Toten Hosen? Das stand immerhin aktuell auf Platz 1 in den Charts.


    Doch dann stellte ich mich auf meinen Stuhl und plärte aus voller Kehle: "Ich will der Allerbeste sein, wie keiner vor mir war...!" Die jungen Spieler fingen sofort an mitzusingen und freuten sich, dass der Trainer ein Lied von Pokemonn sang. Aber mir entging nicht, dass die Fraktion um Pries und Pagenburg eher über als mit uns lachten. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch.


    Nach und nach sangen dann auch die neuen Spieler Ihre Lieder und die Stimmung wurde immer besser. Alles in Allem wurde es ein grandioser Abend. Nur einige gingen schon früher. Dazu zählten Pagenburg, Kuduzovic, Basquit und Lubasa, sowie Pries und Christoph. Ich denke Letzterer wollte nicht unbedingt gehen, aber er kam noch mal rüber und bedankte sich für den Abend. Um 1 Uhr wurde der Abend für beendet erklärt, damit wir alle halbwegs frisch in die Vorbereitung starten konnten.


    So ging es dann am 04.07. ins lokale Trainingslager nach Kasel in der Nähe von Trier. Hier durften wir bei der SG Ruwetal 1925 trainieren, während sie selbst nach Trier gereist sind. Bereits am zweiten Tag des Trainingslagers gingen mir zwei Mails von Christoph ein, woraufhin ich Ihn sofort anrief.



    "Ja Ingo Rama hat gerade den Vertrag unterschrieben. Er reist dann morgen gleich nach."


    "Das ist ja super! Aber sag mal, wohin hast du denn Heinz, Michels und Sözen verkauft?"


    "Naja also Heinz ist nicht verkauft. Der ist ausgeliehen. Das hat sein Berater irgendwie eingefedelt. Für die anderen beiden gab es zwar eine Anfrage von den Hornberger Schützen, die letztes Jahr gegründet wurden. Aber als ich meinte, dass wir eine Ablöse fordern, hat der Präsident Benno Behrens erstmal das Interesse zurückgezogen. Und die Vereine aus Katar und Algerien waren die einzigen, die die Forderungen erfüllt haben."


    "Nagut, sei's drum. Auf jeden Fall nochmal Danke und meld dich wieder, wenn es was gibt!", beendete ich das Gespräch und freute mich auf meinen neuen Spieler.



    Rama war in meinen Augen ein Vorzeigeprofi. Er wird über Kurz oder Lang Stammspieler. Aber schauen wir einfach mal in den nächsten Wochen wie er sich macht. Insgeheim hoffte ich aber wirklich, dass er uns dabei helfen kann, den Aufstieg zu sichern.


    Während dieser vier Wochen im Trainingslager und auf dem heimischen Trainingsplätzen machten meine Spieler solide Fortschritte. Auch wenn die Ergebnisse in den Testspielen das nicht wirklich zum Ausdruck zu bringen vermochten. Jedoch freute ich mich über die Tore von Rama und beim Spiel gegen Bremen konnten wir nicht wirklich viel machen. Das Ziel war aber ehrlich gesagt nicht, dass wir gewinnen, sondern die Fans etwas auf unsere Seite zu holen. Dass wir uns nicht verstecken und vielleicht noch den ein oder anderen Taler zu verdienen.



    Ansonsten waren noch einige erfreuliche Dinge in meinem ersten Monat bei der Eintracht passiert. Nach dem Spiel gegen Pirmasens kam unser zweiter Keeper auf eine glorreiche Idee. Ich persönlich habe mich nicht ganz so gut geschlagen...



    Ein paar Tage später meldete sich Christoph wieder bei mir. Zu erst einmal teilte er mir mit, dass er den Vertrag unseres Spielmachers Abelski um 2 Jahre verlängern konnte. Sein Vertrag wäre am Ende der Saison ausgelaufen. Auch wenn die Nachricht ganz gut war, kam der Schock gleich hinterher. Die Verträge von noch 16(!) Spielern laufen aus. Und vor Allem Verträge von wichtigen Stammspielern. Zwar hatte mein Sportdirektor auch bei den anderen Spielern mal angefragt, aber die meinten alle nur, dass noch nicht der richtige Moment für Vertragsgespräche sei. Gut, wer kann es Ihnen verübeln? Der Nobody muss sich erstmal beweisen. Und dann hatte Christoph noch eine Überraschung für mich, mit der ich garnicht gerechnet hatte.



    Am 30.07., zum Ende der Vorbereitung, wollte ich den Spielern nochmal einen Gefallen tun und organisierte der Mannschaft zur Belohnung eine Spielerfeier, wo nur Carsten mal kurz vor Ort war. Ansonsten hielt sich der Trainerstab raus. Das kam ziemlich gut an.



    Während die Spieler feierten, saß ich wieder im 'Theo'. Ich unterhielt mich mit Antonio über dies und das. Manchmal kam ich mir vor, als wäre er mein Friseur. Aber die Ablenkung kam ganz gelegen. Denn immer, wenn er wieder einem anderen Gast ein Getränk brachte, kam ich nicht umhin den Spielplan für August anzusehen.



    Und ich kam nicht drum herum mich zu fragen: Wo stehen wir?


    Und wo steh ich?

  • Für die anderen beiden gab es zwar eine Anfrage von den Hornberger Schützen, die letztes Jahr gegründet wurden. Aber als ich meinte, dass wir eine Ablöse fordern, hat der Präsident Benno Behrens erstmal das Interesse zurückgezogen.

    Benno ist echt ein Idiot. Das bisschen Ablöse sollte ja wohl drin sein. Ich schicke ihn dann am besten nochmal in Richtung Juli 2012, dann kommt ihr bestimmt noch ins Geschäft... ^^ (Hat Benno sich tatsächlich als Präsident ausgegeben? Na, das passt!)

  • Und ich kam nicht drum herum mich zu fragen: Wo stehen wir?

    Tja, schwer zu sagen, die Vorbereitung ist selten ein Indikator, läuft sie gut läuft es meistens schlecht wenn die Liga losgeht, läuft es schlecht läuft es mit Beginn der Liga oft besser. Von daher traue ich mir noch überhaupt kein Urteil zu. Ich denke ihr werdet euer Saisonziel erreichen, aber es wird teilweise atemraubend werden.



    Und wo steh ich?

    Tja, das ist leichter für mich zu beantworten. Am Beginn einer großartigen Story, am Beginn einer großartigen Schreiberkarriere. Am Beginn einer ersten Wahl zur Story des Monats? Alles ist möglich, nichts muss passieren.

    "Lohnt es sich denn?" fragt der Kopf.
    "Nein, aber es tut so gut!" antwortet das Herz.


    Autor: unbekannt

  • Tja, schwer zu sagen, die Vorbereitung ist selten ein Indikator, läuft sie gut läuft es meistens schlecht wenn die Liga losgeht, läuft es schlecht läuft es mit Beginn der Liga oft besser.

    Die Erfahrung mach ich auch immer wieder. Hoffentlich bestätigt sich das. :/


    Tja, das ist leichter für mich zu beantworten. Am Beginn einer großartigen Story, am Beginn einer großartigen Schreiberkarriere. Am Beginn einer ersten Wahl zur Story des Monats? Alles ist möglich, nichts muss passieren.

    Wow, danke für das Lob! Es freut mich echt, dass euch Story-Veteranen meine Geschichte zusagt! Das motiviert mich auf jeden Fall weiter zu machen und ich hab auch schon ein paar Ideen für weitere Stories.


    Ich schicke ihn dann am besten nochmal in Richtung Juli 2012, dann kommt ihr bestimmt noch ins Geschäft... ^^

    Würde mich freuen wenn ich den Hornberger Schützen unter die Arme greifen könnte! ^^


  • Teil 004 - Der erste Monat / Kurzgeschichtensammlung: Wo steht Markus Waldrichter?


    Der Monat August startete mit der Saisoneröffnung am 01.08.. Ich war überwältigt, wie viele Leute sich versammelt haben. Ich war überwältigt. Ich konnte sogar Antonio entdecken mit einer Traube von Menschen die Plakate mit meinem Namen hochhielten. Er hatte meine alten Wegbegleiter vom SV Trier-Irsch zusammengetrommelt. Ich würde definitiv nachher nochmal zu Ihnen gehen und mich bedanken, vor Allem aber bei Antonio. Die Stimmung war wirklich überraschend gut, auch wenn mir Daniel Adlung etwas leid tat. Immerhin ist er der Grund wieso ich hier war...



    Und ein paar Tage später war es auch schon so weit. Für uns ging es nach Freiburg zur Reserve des SC. Als ich aus den Katakomben kam, war ich ein weiteres Mal überwältigt. Das Stadion war komplett gefühlt. Gut, es fasste auch nur 1.200 Zuschauer, aber die Hälfte der Fans kam aus Trier.


    "Wo stehst du denn, Markus?", warf mir Carsten zu, der schon am Spielfeldrand stand. "Das Spiel beginnt gleich. Und als Cheftrainer solltest du hier stehen und nicht ich." Er musste lachen, als ich komplett perplex erstmal verstehen musste, was er von mir wollte. Aber er hatte Recht. Ich stehe in der Verantwortung und muss vorangehen. Präsenz zeigen, meinem Team beistehen und zum Sieg führen. Als ich zum Spielfeldrand lief, fing ich an zu zittern. Zum Einen aus Nervosität und zu anderen aus Vorfreude. Jetzt geht es los, jetzt wird es ernst. Schiedsrichter, pfeiff endlich an!



    Abpfiff. Wir haben gewonnen? Wir haben gewonnen! Ich fasste es nicht. Die Spieler kamen zu mir und gratulierten mir. Die jungen Spieler sprangen mich an, die älteren schlugen ein, aber Kuduzovic und Pagenburg liefen nur an mir vorbei und beglückwünschten mich. Aber das war mir egal. Ich genoss den Moment. Wenn wir aber ehrlich sind, war das ein Arbeitssieg. Die Abwehr stand zwar sicher, aber die Stürmer waren relativ harmlos. Das Tor von Abelski hätte auch fast nicht gezählt, da er den Gegenspieler gefoult haben soll. Er stritt es ab und damit hat das Tor gezählt. Aber wie ihr euch vorstellen konntet, war mir das auch egal. Ich war einfach nur zufrieden. Und zurück in Trier schmiss ich eine Runde im 'Theo'.


    Mitten in der Woche rief mich dann Christoph an um mir mitzuteilen, dass Andreas Lengsfeld (unser Ersatzkeeper) seinen Vertrag um 3 Jahre verlängert hat. Anscheinend hat ihm der Sieg bei seinem eigenen FIFA-Turnier genug motiviert. Ich freute mich, denn er scheint ein netter Typ zu sein und kann seine Position hier bei uns gut einschätzen. Und wenn er sich in den Dienst der Mannschaft stellt, geht er auch für die jungen Spieler mit gutem Beispiel voran. Zudem ging ein Angebot von Babelsberg für Zittlau ein. Da dieser aber bleiben wollte, wurde das Angebot sofort abgelehnt. Ob er einen neuen Vertrag bekommt, wird sich aber erst noch zeigen.


    Am kommenden Wochenende folgte der 2. Spieltag der Regionalliga Südwest und es ging gleich wieder gegen eine Reservemannschaft. Diesmal kamen die jungen Kicker des FSV Mainz 05 nach Trier ins Moselstadion. Als einzige Änderung ließ ich unseren Routinier Fuchs für Rama starten. Im ersten Spiel schien Rama etwas überwältigt und eingeschüchtert, deswegen wollte ich ihm etwas Zeit geben um sich anzupassen.



    Und es hat sich gelohnt! Wir haben die Jungs aus Mainz einfach überrollt. Auch wenn Pagenburg und ich uns noch nicht so grün sind, gefährliche Ecken schlägt er ja, was man beim 2-0 gut sehen konnte. Und auch das Tor von Kröner und die Vorlage von Rama haben mich sehr gefreut. Und noch geiler als dieses Spiel war die Tabellenführung! Trier auf Platz 1! Ich konnte mein Glück kaum fassen. Die Fans sagen: "Spitzenreiter, Spitzenreiter! Hey! Hey!" und auch die Spieler waren zufrieden. Der Mannschaft hatte ich das durchaus zugetraut, aber mir selbst eher nicht.


    In letzter Zeit hatte ich auch viel Kontakt zu Christoph. Wenig verwunderlich, hat er während des Transferfensters als Sportdirektor doch mit am meisten zu tun. Folglich hatte sein Anruf auch mit einer neuen Personalie zu tun.



    Der erste externe Neuzugang der Saison. Enrico Gaede kam für 8.000 EUR vom Ligakonkurrenten Hessen Kassel und ist Kröner sehr ähnlich. Wieder ein Ballgewinner wie ich ihn für mein System brauche. Und mit 28 Jahren etwas erfahrener, womit ich bei einem Formtief von Kröner ruhigen Gewissens entspannt reagieren kann. Die anderen Spieler freuten sich ebenfalls über den Neuzugang und ich glaube Kröner war auch ganz froh, noch etwas von Gaede lernen zu können.


    "Was ist los, Markus?", fragte mich Antonio. Ich saß nach der letzten Trainingseinheit mal wieder im 'Theo' und trank einen Ron de Jeremy.


    "Was los ist? Antonio, ich scheiß mir gleich ein! Morgen ist Pokal und es kommt Hoffenheim. War ja auch klar, dass ich in der ersten Runde gleich einen Bundesligisten ziehe..."


    "Mach dir mal nicht ins Hemd. Du stehst an der Spitze der Tabelle. So blöd kannst du also nicht sein. Ihr packt das schon, wirst schon sehen."


    Es war wirklich nett, dass mich Antonio aufmuntern wollte, aber recht glauben konnte ich das nicht. Ich trank aus und ging zurück in meine Wohnung. Diese Nacht würde kurz werden, denn ich musste mir was einfallen lassen.


    Und am nächsten Tag war es soweit. Die Hoffenheimer waren da und es ging in mein ersten DFB-Pokalspiel. In der Kabine erläuterte ich meinen Spielern die Vorgaben für das Spiel.


    "So, Männer. Das wird eine echte Herausforderung heute. Aber wir parken heute einfach den Bus. Die Abwehr steht tief, gepresst wird erst im eigenen Drittel. Lasst die doch ihren Spiel machen im Mittelfeld. Weiter werden Sie nicht kommen. Und dann schlagen wir sie mit Kontern zurück!" Die Spieler sprangen auf klatschten und machten sich gegenseitig Mut und liefen zum Warmmachen aufs Spielfeld. Ich lehnte mich gegen den Türrahmen und atmete tief durch als Carsten zu mir kam.


    "Wow Markus, du siehst etwas blass aus. Wirkst so als würdest du etwas neben dir stehen."


    "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, weil ich an das Spiel denken musste."


    "Wehe du schläfst ein während des Spiels. Sonst bist du die Lachnummer im deutschen Fernsehen!", lachte Carsten laut auf. Dabei beließen wir es auch erstmal und gingen ebenfalls auf den Platz.



    Wie viel Glück kann ein einziger Mensch eigentlich haben? Wir haben es geschafft! Die Taktik ging voll auf. Wir haben super verteidigt, und dann während eines schnellen Konters flankte Brighache an den Fünfer, Delpierre verpasst und Pagenburg drescht das Ding unter die Latte. Da man in der zweiten Halbzeit doch den Fitnessunterschied merkte, wechselte ich Gaede für Pagenburg ein und spielte die letzten 20 Minuten mit einer Doppelsechs. Die Hoffenheimer rannten vergeblich an, aber wir hielten stand. Hollmann hatte die Abwehrreihe wirklich gut geführt. Nach Abpfiff sind die Fans auf den Rängen komplett ausgeflippt und Pagenburg lief wie ein Hahn im Hühnerstall durch die Gegend und führte fleißig Interviews. Sein Stargehabe gefällt mir nicht wirklich, aber nach dem Spiel sei es ihm gegönnt. Auch ich führte das ein oder andere Interview, denn neben Chemnitz und Offenbach, welche Nürnberg und die Bayern rausgeworfen haben, waren wir die größte Überraschung. Zur Belohnung wartet nun auf den Besuch von RW Oberhausen in der zweiten Runde. Sobald sich der Trubel legte und man kein Adrenalin mehr ausschüttete, wurde mir eins bewusst. Ich muss ins Bett...


    Bis zum nächsten Spiel hatten wir wieder eine Woche Zeit, deswegen entschied ich mich ein Kurztrainingslager abzuhalten. Etwas Spaß für die Spieler mit Grillen am See kam nach dem Pokaltriumph gut an. Nur Watzka sprach mich bei einem Bierchen an, dass er doch gerne auch mal dribbeln wöllte, wie es Kuduzovic darf. Tatsächlich war die Anweisung für den linken Flügelspieler, dass er nur steil gehen soll. Da hatte ich aber noch mit Lubasa auf links geplant. Von daher sollte Watzka seine Dribblings in Zukunft auch zeigen dürfen.


    Als wir wieder in heimischen Gefilden waren, kam eine mir unbekannte Person auf mich zu und sprach mich an: "Hallo, Sie müssen Herr Waldrichter sein. Ich bin Robin Vogtland, Ihr neuer Spieler". Na schau an, da hatte Christoph meinen letzten Wunsch nach einem zweiten RV erfüllt.



    Ich bin auf den Zweikampf zwischen ihm und Dingels gespannt. Vogtland ist deutlich jünger und von seinen Anlagen auch etwas stärker als sein Kollege. Aber Dingels hatte es in den letzten 3 Spielen überraschend gut gemacht, weswegen ich eine sofortige Umstellung nicht rechtfertigen konnte. Ich freute mich aber, dass quasi jede Position nun doppelt besetzt war.


    Und alsbald kam es auch schon zum 3. Spieltag und damit dem letzten Spiel im August. Ich will ehrlich sein. Ich habe mir nicht wirklich einen Kopf gemacht, dass wir verlieren könnten. Immerhin ging es nach Homburg, von wo wir Vogtland für 24.000 EUR losgeeist hatten. Die waren gerade im unteren Tabellendrittel und wir immerhin Tabellenführer und Hoffenheimbezwinger. Aus diesem Grund ließ ich heute auch Lewerenz neben Pagenburg spielen.



    Das saß. Aber so richtig. Homburg freute sich über den ersten Dreier der Saison und wir schauten in die Röhre. Ich blieb lange noch auf der Bank sitzen und fragte mich, was ich falsch gemacht hatte. Das Tor von Lewerenz nach Ecke von Pagenburg war wie im Training einstudiert, aber das 1-0 durch einen Elfmeter resultierte durch ein dumme Abwehraktion und das 2-1 durch ein Eigentor von di Gregorio, da Lobué nach einem Rückpass über den Ball trat. Wie auch immer, die Tabellenführung war dahin und wir fielen auf Platz 4.


    "Lass den Kopf nicht hängen. Jede Mannschaft verliert mal. War bestimmt nur ein Ausrutscher. Nächstes Mal läuft es besser.", versuchte mich Carsten aufzumuntern. Währenddessen kam der Mensch, den ich am wenigsten sehen wollte, obwohl ich ihn nicht mal auf dem Schirm hatte.


    "Herr Halbfichter. Ich hoffe Sie stehen jetzt wieder mit beiden Beinen auf dem Boden. Das war heute eine ganz schwache Leistung."


    "Ja, Herr Pries. Aber mein Name ist..."


    "Das werde ich dann nochmal ausgiebig mit Herrn Adlung besprechen. Herr Schwertl, Herr Ralbwichter. Sie entschuldigen mich."


    "Wieso kann sich der Typ nie meinen Namen merken?"


    "Und vorallem zwei falsche Namen in einem Gespräch. Wenn du ihn nicht leiden kannst, ist das OK. Mir geht das genauso."


    Ich musste kurz grinsen, verabschiedete mich dann jedoch wieder mit neutraler Miene und verließ das Vereinsgelände. Gerade als ich über den Parkplatz lief. Bemerkte ich eine Truppe von Spielern. Es waren Basquit, Lubasa, Kuduzovic und Pagenburg.


    "Und dann tritt der ernsthaft über den Ball, der Horst. Hätte er nach vorn geflankt, hätte ich locker das Tor gemacht.", feixte Pagenburg und die anderen lachten sich schlapp.


    "Macht ihr euch gerade über eure Mitspieler lustig?"


    "Ach Waldi, komm mal runter. Du hast das Spiel doch selbst gesehen."


    "Philip, Luba: Ihr solltet jetzt nach Hause gehen und euch ausschlafen. Eure Traingsleistung war in letzter Zeit nicht die Beste. Kudu, ich würde gern noch mal ein Wort unter 4 Augen mit Herrn Pagenburg sprechen." Die anderen verabschiedeten sich und machten sich schnell vom Acker. "Was ist eigentlich dein Problem mit mir?"


    "Ist doch klar, Waldi. Ich bin hier der beste Stürmer. Und du bist ein Nobody. Du brauchst mich, von daher stehen mir ein paar Privilegien zu findest du nicht? Und am Ende der Saison stehe ich hier oben, und du stehst eher hier so." Er gestikulierte um mir einen Qualitätsunterschied klar zu machen. "Pass auf, die Saison wird mein Sprungbrett für höhere Aufgaben. Ob mit oder ohne dich."


    "Aha. Naja dann beweis das mal. Mach einen auf Star. Wenn du dadurch Tore schießt, dann soll mir das Recht sein. Aber mach dich nicht weiter über dein Team lustig! Und in Zukunft ist das für dich nicht mehr Waldi, sondern Herr Waldrichter."


    So ließ ich ihn stehen und ging nach Hause. Etwas Wut kochte in mir auf, aber auch etwas Erleichterung, dass die Standpunkte klar ausgesprochen wurden. Doch ich merkte wie sich die Probleme langsam sammelten. Und ich war hier erst zwei Monate tätig. Grund genug nochmal einen Absacker im 'Theo' zu mir zu nehmen. Aber da kam gleich die nächste Überraschung.


    "Hey Markus, schön dass du da bist. Soll ich dir was verraten? Du stehst in der Zeitung!"


    Trierscher Volksfreund


    Der erste Monat der Regionalliga Südwest ist vorbei. Nach dem die Verpflichtung von Markus Waldrichter und der Sieg über Hoffenheim ziemlich überraschend kam, war in der Folge die Niederlage gegen Homburg am dritten Spieltag eher eine Frage der Zeit als ein Ausrutscher. Keine Erfahrung. Keine Autorität, wie uns aus internen Quellen mitgeteilt wurde, und keine Idee. Das wird eine schwierige Saison für die Eintracht Trier. Man hatte soviel Hoffnung, doch dann kam Waldrichter. Wir bleiben natürlich nah am Geschehen, aber erwarten Sie keine Wunder.


    Prognose des Volksfreund-Sportteams:

    In 2 Monaten sieht man einen neuen Trainer auf der Bank.



    Wo ich stehe ich also?


    Ich stehe am Anfang. Ich stehe vor einer gewaltigen Aufgabe. Aber ich stehe. Und werde nicht auf die Knie fallen.

  • Ach zur allgemeinen Info, das Theo nahe der Porta Nigra gibts übrigens wirklich, heißt allerdings "Täglich".


    Sportlich läufts gut an, da darf man gespannt sein. Hoffen wir dass die Probleme nicht überwiegen auf lange Sicht...

    Siamesen kann niemand trennen.
    Schizophrene sind nie allein.
    Pädophile haben immer Bonbons.
    Und wir hassen Hoffenheim!
    :bier:

  • Teil 005 - Abelski Superstar


    Am 01.09. startete der neue Monat direkt mit dem nächsten Aufeinandertreffen gegen eine Reservemannschaft. Diesmal gegen die jungen Wilden der Eintracht aus Frankfurt. Diesmal ließ ich Gaede anstelle von Kröner starten, um etwas Druck vom jungen DM zu nehmen und wieder Rama neben Pagenburg. Zudem spielte Klinger mal von Anfang an, da Hollmann eine Pause brauchte.



    Nächste Niederlage. Und diesmal konnten wir uns auch garnicht richtig wehren. Nur 40% Ballbesitz sprechen für sich. Und eigentlich konnten wir mit dem einen Gegentor zufrieden sein. Als meine Jungs vom Spielfeld liefen, schauten Pagenburg und ich uns kurz in die Augen. Sein Blick wandte sich aber schnell wieder ab. Anscheinend ist er doch nicht der große Knipser, wie er dachte. Aber gut, das hilft nun auch niemanden. Aber beim Gegner hat man gesehen wie es laufen kann. Langes Dribbling von Pintol ohne dass er gestört wird, Steilpass auf Amin und dieser lupft das Spielgerät lässig über Lobué.


    In der Woche versuchte ich neue Dinge aus. Ich holte die Medizinbälle raus und trainierte à la Magath. Dazu kamen Teambuilding-Einheiten und viele Torschussübungen. Ich war noch nicht lange Trainer und daher galt es mal herauszufinden was ankam und was nicht.


    "Du solltest nicht zu viel ändern. Lass die Jungs sich erstmal einspielen.", gab mir Carsten einen guten Hinweis. Tatsächlich setzte ich mich selbst am meisten unter Druck. Mit den Wechseln versuchte ich eine Startelf zu finden, die mir auch mal 3-4 Siege hintereinander einfuhr. Gut, dachte ich zu mir selbst. Nehme ich den Hinweis mal mit.


    Gesagt, getan. Naja so halb. Hollmann startete wieder für Klinger, war er doch der zweite Stammspieler in der Innenverteidigung neben di Gregorio. Neu in der Elf war Vogtland. Er hat mich letztendlich doch mehr überzeugt und hat sich somit seinen Stammplatz als rechter Verteidiger schnell erkämpft. Somit hoffte ich, gegen die zweite Frankfurter Reserve besser auszusehen.



    65 Minuten Flaute auf dem Feld. Aber Hauptsache waren die 3 Punkte für Trier. Das Torschusstraining hat sich anscheinend auch bezahlt gemacht, aber man muss auch sagen, dass der Frankfurter Keeper Pellowski kein gutes Spiel gemacht hat (5,0). Dazu war Abelski nun bester Trierscher Torschütze mit 2 Toren. Ich musste schmunzeln als mir Carsten diese Information total ernst zukommen lies. Kuduzovic und Pagenburg konnten mich erneut nicht wirklich überzeugen. Daher fasste ich einen Plan für die nächsten Tage.


    Mit einem Beutel in meiner rechten Hand schlenderte ich vor Trainingsbeginn über das Vereinsgelände. Rama, Kröner und Abelski waren schon da und machten schon Individualtraining und langsam kamen auch die anderen Spieler nach und nach an. Mein Weg ging aber zum Scouting-Büro. Am Ende des Flurs im Keller klopfte ich kurz und trat dann ein.


    "Eyyyyyyyyyyyyyyyyy, ich bin hier am Arbei... Oh, du bist es Markus. Was willst du? Ich meine, was kann ich für dich tun?", Timo war charismatisch wie eh und je. Tatsächlich fand ich ihn genauso vor wie bei unserem ersten Treffen. Wenn ich ihn nicht beim Mannschaftsessen gesehen hätte, würde ich wetten, er hätte sich nicht fortbewegt.


    "Hey Timo, ich brauch deine Hilfe! Kuduzovic und Pagenburg liefern bis jetzt nicht ab. Die sind nicht erst seit Sommer hier, sind im besten Fussballalter und haben die besten Anlagen. Da erwarte ich eigentlich, dass sie voran gehen..."


    "Soll ich jetzt deinen Job machen?"


    "Was? Nein! Ich will, dass du nach Ersatz suchst."


    "Du weißt was ich dafür will?", die Augen wurden kleiner und seine Miene ernster als ohnehin schon.


    "Natürlich!", grinste ich selbstsicher. Ich griff in den Beutel und holte einen Obstkorb heraus. "Hier sind frische Äpfel und Orangen. Keine Ahnung, ob du Feigen magst, aber die sind auch dabei. Karotten und..."


    Timo verstummte, was man eigentlich nicht kannte, wenn er nicht gerade am Essen war. Sein Blick war eine Mischung aus Fassungslosigkeit, Ekel und Enttäuschung. Aber irgendwie übersah ich das. Er griff in den Korb und nahm sich eine Karotte, roch kurz daran und legte sie wieder zurück. Er drehte sich wieder zu seinen Monitoren.


    "Ja ich schau mal was ich machen kann. Wenn was dabei ist, geb ich Christoph Bescheid."


    "Super! Du bist der Beste! Wir sehen uns.", freute ich mich, klopfte Timo auf die Schulter und verlies das Büro.


    Die Woche war wieder ein klassisches Training ohne viele Besonderheiten. Mal dabei war unser Jugendtrainer Stefan. Eigentlich hatte ich mich nur nach den Jugendspielern erkundigen wollen, doch genau wie Carsten hatte auch er einen Rat für mich: "Du musst auch mal was neues machen. Überrasche den Gegner. Bei uns klappt das ganz gut." Was soll ich sagen? Ich bin ein Anfänger und leicht zu beeinflusse



    Mal von der Niederlage abgesehen habe ich mich dieses Wochenende zur Lachnummer in den Medien gemacht. Aber von Anfang an. Fuchs startete für Rama. Ich habe das Gefühl, er braucht noch etwas Zeit sich zu aklimatisieren. Und Fuchs war unser erfahrenster Spieler. Ich dachte mir, dass gegen den Tabellendritten etwas Erfahrung nicht schaden konnte. Die ersten 15 Minuten wurden wir aber überrannt. Wir hatten kein Mittel gegen Jabiri und Tewelde. Aber Fuchs erzielte zwischenzeitlich den Anschlusstreffer, weshalb ich mich in dieser Entscheidung bestätigt fühlte. Das Chaos begann erst nach dem dritten Tor von Worms. Als Erstes kam Rama für Watzka. Kuduzovic wechselte auf Links, Pagenburg auf Rechts und Rama in den Sturm. und 10 Minuten später brachte ich Anton für Fuchs. Ende vom Lied: Anton auf Links, Kuduzovic wieder auf Rechts und Pagenburg wieder in den Sturm. Das hatte meine Spieler so verwirrt, dass wir nichts mehr zusammen bekamen, obwohl Worms zwei Gänge zurückschaltete. Da halfen mir 60% Ballbesitz über diese Peinlichkeit auch nicht mehr hinweg.


    "Man der Jabiri war echt Klasse."


    "Ja, aber du kannst nicht jeden Spieler holen, der mal gut gegen uns spielt.", erwiderte Cristoph.


    "Aber er wäre der perfekte Ersatz für Pagenburg!"


    "Ja, aber das kostet dann auch wieder ordentlich. Und unser Transferbudget ist quasi aufgebraucht."


    "Hast ja Recht..." Ernüchterung machte sich in mir breit. Irgendwas musste man doch machen können. Und da kam der nächste Hinweis einer meiner Kollegen.


    "Vielleicht solltest du mal die Formation ändern. Wenn das 4-4-2 nicht klappt, dann mach doch mal was anderes." Wie gesagt: Anfänger und beeinflussbar.


    Also stellte ich für das letzte Spiel im September nochmal ordentlich um. Gespielt wurde im 4-2-3-1, Pagenburg auf Rechts für Kudu, Kröner neben Gaede auf der Doppelsechs, Rama wieder von Anfang an und diesmal Lengsfeld für Lobué im Tor.



    ABELSKI! Was für ein Spiel von ihm mit drei Toren. Aber auch Rama mit zwei Vorlagen gefiel mir richtig gut. Dagegen gefiel mir die neue Formation nicht wirklich, wenn ich ehrlich bin. Und auch mein Gedanke, dass die vielen Gegentore eventuell an Lobué lagen, wurde nicht unbedingt bestätigt. Aber ich wusste nun, dass mein Team Tore schießen kann. Und dass Christoph wirkliche Fussball-Expertise bereithielt. Am Abend gab Gaede für sein erstes Tor für Trier der ganzen Mannschaft einen aus. Das hebte die Stimmung gewaltig und daher sollte das nun Tradition werden.


    In der Woche besuchte uns auch ein Motivationslehrer mit dem ich kurzerhand einen Workshop vereinbarte. Die Motivation stieg und meine Laune ebenfalls. Doch das sollte nicht von langer Dauer sein.


    Am folgenden Wochenende hatten wir spielfrei, sodass wir ein Testspiel gegen unsere A-Jugend durchführten. Die Herren gewannen gegen die Buben mit 2-0 nach Toren von Lewerenz und Kröner. Wir spielten wieder im bekannten 4-4-2, jedoch spielten nur unsere Reservisten. Doch schon kam die Überraschung.


    Nach dem Spiel rief mich Christoph an. Er habe einen Spieler ab Januar ausgeliehen, den Timo gefunden hatte. Er sollte der Spieler sein, der Kuduzovic ersetzt. Christoph schickte mir die Akte des Spielers umgehend per Mail. Ich traute meinen Augen nicht.


    Neuer Spieler: Datei öffnen


    Was zur Hölle?

  • Höchste Zeit, hier mal meinen Senf dazuzugeben. Gefällt mir wirklich sehr, der Auftakt zu deiner Story. Ein unverhofftes Amt für einen vergleichsweise Fussball-Laien. Der wird nicht nur mit den grundsätzlichen Schwierigkeiten dieses Jobs - sportlichen Erfolg haben - konfrontiert, sondern auch noch mit einem skeptischen Umfeld und schwierigen Charaktertypen. Nicht ganz überraschend ist so beim Saisonstart von Euphorie bis Elend alles dabei. Eine Handschrift des Trainers fehlt noch, es geht auf und ab. Man darf gespannt sein, wie sich die Beziehungen zu Pagenburg oder Pries weiterentwickeln. Dazu werde ich das Gefühl nicht los, dass du Timo besser ein paar Tüten Chips mitgebracht hättest. Obst wird offensichtlich mit der Anschaffung von Mini-Diktatoren bestraft.

  • Teil 006 - Gemeinsam unschlagbar


    Am nächsten Tag lief ich wieder frühs mit einem Beutel in der Hand über das Vereinsgelände. Abelski, Rama und Kröner absolvierten bereits wieder fleißig ihr Individualtraining. Die anderen trudelten wieder nach und nach ein. Alles wie beim letzten Mal. Naja fast. Denn ich war sauer. Richtig sauer. Die Spieler und Mitarbeiter grüßte ich nur flüchtig. Schnellen Schrittes ging ich wieder zum Scouting-Büro. Ich kloppfte nicht an. Ich stieß die Tür auf.


    "So Timo, jetzt pass mal auf. Was soll der Mist? Ich wollte einen Ersatz für Kudu und kein Back-Up. Keine Ahnung, ob der überhaupt mal spielen wird. Mach sowas nie wieder! Und jetzt such mir einen gottverdammten Stürmer, den ich ohne Probleme für Pagenburg bringen kann!"


    Timo schaute mich entgeistert an. Vermutlich hat er nicht damit gerechnet, dass ich auch mal aus der Haut fahren kann. Ich kramte in meinem Beutel und zog eine McDonald's-Tüte heraus und warf sie Timo auf den Schreibtisch.


    "Das sind 2 BigMac, 20 Nuggets, 4 Cheeseburger und Pommes. Und wehe dir, dass du mir noch mal so in den Rücken fällst!"


    Ich verließ das Zimmer und schloss die Tür hinter mir. Kurz hielt ich inne und atmete tief durch. Von der anderen Seite hörte man keinen Mucks. Erst nach ein paar Sekunden hörte man das Tippen auf der Tastatur und das öffnen des Futterbeutels.


    Am 01. Oktober schickte mir Christoph wieder eine kurze Mail. Lobué hatte seinen Vertrag um 3 Jahre verlängert. Ich traute ihm definitiv die 3. Liga zu. und mit 30 Jahren war er ja auch im besten Torwartalter. Mit der Verlängerung von Lengsfeld sind wir also erstmal auf der Torwartposition abgesichert, wenn nicht irgendwas außergewöhnliches passiert.


    Zwei Tage vor dem nächsten Spiel gegen die Zweitplazierten Mannheimer wurde ich kurz geschockt. Abelski hatte sich beim Training verletzt. Zum Glück war es aber nur eine Prellung. Zum Spiel war er wieder fir, er musste nur das Training am nächsten Tag aussetzen. Und Am Tag des Spiels kam noch ein Gerücht auf. Die Kickers aus Offenbach wollen mich als Manager verpflichten. Mich interessierte das aber nicht weiter. Ich hoffte nur, dass es den Spielern genauso geht.



    In der 75' Minute hatte sich unser Kapitän Brighache schwer verletzt. Bei einer Abwehraktion ist er unglücklich mit dem Kopf auf dem Knie des Gegenspielers gefallen. Er musste sogar abtransportiert werden. Wie mir Hollmann sagte, lief Blut aus Nase und Ohren. Es war schrecklich. Ich bat ihn es den anderen Spielern, aber nicht zu sagen. Ohne die Ablenkung dieser Information schaffte es Lewerenz in den Nachspielzeit noch den Siegtreffer zu erzielen. Und Rama zeigte einmal mehr seine Qualitäten als unterstützender Sturmpartner.


    Nach dem Spiel fuhr ich direkt ins Krankenhaus. Nachdem ich eine Weile im Wartebereich saß, kam der Doktor aus dem OP.


    "Hallo Herr Waldrichter. Die Operation ist gut verlaufen. Es handelt sich um einen Schädelbasisbruch, aber Herr Brighache wird aufjeden Fall wieder gesund."


    So schlimm diese Nachricht auch war, mir fiel ein Stein vom Herzen. Die Gesundheit ist das wichtigste und solange keine Folgeschäden zurückbleiben, ist es Glück im Unglück gewesen. "Wie lange dauert denn der Heilungsprozess? Und kann man mit ihm reden?"


    "Er wird mindestens ein halbes Jahr ausfallen. Ob er danach wieder spielen wird liegt hauptsächlich an ihm selbst. Ich denke in 2 Tagen können sie mit ihm reden."


    Am nächsten Tag auf dem Trainingsplatz gab ich die Informationen an die Mannschaft. Erst herrschte nur bedrückendes Schweigen, doch überwältigte meine Spieler mich mit tollem Zusammenhalt. Allen voran Pagenburg: "So Männer, ich denke ich spreche für uns alle, wenn wir jetzt erst recht den Aufstieg klarmachen. Für unseren Kapitän!" Alle Spieler klatschten und jubelten und wir beschlossen, sobald Brighache wieder fit ist ihn gemeinsam zu besuchen. Kurz bevor wir das Training aufnahm, kam dann di Gregorio zu mir. Er war der Vizekapitän und aufgrund dieser Situation kündigte er an, seinen Vertrag zu verlängern. Denn er erklärte mir, seine Mitspieler und den Verein nicht hängen lassen zu wollen.


    Am kommenden Spieltag hatten wir dann wieder spielfrei. Um im Rhytmus zu bleiben, gab es wieder ein Testspiel, diesmal beim SV Hemleben. Wir gewannen locker mit 0-3, wobei Konrad - unser 4. Innenverteidiger - einmal und Rama doppelt traf. Klar war das Hemleben kein vergleichbarer Gegner. Aber ich hatte das Gefühl, dass die Verletzung von Brighache bei Rama etwas ausgelöst hat. Und ich hoffte, dass nun der Knoten bei ihm geplatzt ist. Eine Woche später war es denn auch schon soweit. Ich war gespannt, ob sich meine Vermutung bewahrheiten würde. Da Brighache verletzt würde natürlich Zittlau jetzt eine ganze Weile auf Links gesetzt sein. Zudem brachte ich Lewerenz für Pagenburg und Lubasa für Kuduzovic. Irgendwie hatte Kudu nie wirklich Einfluss auf das Geschehen.



    Rama trifft! Mit seiner Vorlage und dem Tor zur zwischenzeitlichen Führung war er natürlich auch Spieler des Spiels. Und mit einem Unentschieden gegen den Drittplazierten konnten wir auch gut leben. Lubasa hatte ich zur Halbzeit ausgewechselt. Ich dachte, ich gebe ihm mal die Chance, aber die hat er klar vermasselt. Da er auch ziemlich trainingsfaul war, beschloss ich bei Zeiten mal mit CHristoph über ihn zu reden. Ärgerlich war zudem, dass Koblenz den Ausgleich genauso erzielt hat wie wir die Führung. Nach einer Ecke. Aber das war schnell vergessen. Denn nach unserer neuen Tradition gab Rama einen aus und alle Spieler freuten sich für Ihn.


    Am Donnerstag Abend saß ich etwas länger im Büro. Nach dem normalen Training versuchte ich mich weiterhin in die Manageraufgaben einzuarbeiten. Dabei trat auch meine erste eigene Personalentscheidung zum Vorschein. Denn ein Spielerberater bat uns einen 17-Jährigen Mittelfeldspieler namens Palacios an. Er kam aus Andorra und da es dem Verein ja anscheinend finanziell sehr gut ging, bot ich die aufgerufenen 25.000 EUR. Und dann sah ich noch eine Mail von Christoph. Ein neuer Spieler wurde verpflichtet.


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    Da hatte sich Timo also ins Zeug gelegt. Quotschalla hatte in den bisherigen 9 Spielen 10 Tore erzielt und er war super variabel einsetzbar. Ich fühlte mich plötzlich schlecht. Hätte ich ihn so anfahren sollen? War das in Ordnung? Bei der nächsten Gelegnheit würde ich mich bei ihm entschuldigen. Gegen 23 Uhr verließ ich dann auch das Büro und begab mich auf den Weg nach Hause. Doch irgendwas war komisch. Das Licht auf dem Trainingsplatz war an. Ich ging hinüber und sah eine einzelne Person auf dem Kunstrasen stehen. Es war Timo! Er schoss von der 16er-Linie immer wieder aufs Tor. Ehrlich gesagt sah das nicht sonderlich gut aus. Aber ich war beeindruckt. Bei einem Versuch einen Trick zu machen, fiel er hin, stand aber sofort auf und machte weiter.


    "Timo? Was machst du da?"


    "M-Markus? Was machst du hier?!" Es war ihm sichtlich peinlich, dass er gesehen wurde.


    "Ich wusste gar nicht, dass du selber spielst."


    "Ich spiele eigentlich auch nicht. Aber was letztens vorgefallen ist, hat mir die Augen geöffnet. Guck mich an. Ich bin fett. Wie soll ich so jemals eine Frau finden. Und ich will nicht in meinem Büro verrotten..."


    "Oh man, Timo. Das tut mir leid. Auch das von letztens... Ich hätte dich nicht so anfahren dürfen!"


    "Wie die Mannschaft zusammenhält, hat mir klar gemacht, dass wir im Staff auch zusammenhalten müssen. Von daher tut es mir auch leid."


    Ich war wirklich über seine Worte. Nachdem ein paar Sekunden peinliches Schweigen vorbei waren, kam mir eine Idee.


    "Weißt du was? Wir halten zusammen! Als Erstes, lass uns jeden Donnerstag um die Uhrzeit treffen und dann trainieren wir zusammen. Das bleibt natürlich unser Geheimnis. Und als Zweites, wirst du absofort die lokale Jugend scouten. Da kommst du mal raus und die Bewegung tut dir auch gut. Was hälst du davon?"


    "Das würdest du für mich tun?"


    "Natürlich! Gemeinsam sind wir in diesem Verein unschlagbar!"


    Damit war der Plan besiegelt und darauf machten wir auch gleich noch ein paar Passübungen.


    Am Samstag bekamen wir Besuch vom SV Elversberg 07. Sie standen hinter uns in der Tabelle und daher wollten wir alle einen Sieg einfahren. Kuduzovic ist wieder in die Startelf gerutscht und Lewerenz sollte nochmal die Chance gegen einen etwas schwächeren Gegner bekommen.



    Wieder zwei Tore von Rama, beides Abstaubertore. Spang machte seine Sache auch ordentlich, Lewerenz konnte aber wieder keine Akzente setzen. Somit arbeiteten wir uns in der Tabelle nach vorn auf Platz 5. Der erste Platz war mit nur 6 Punkten Vorsprung auch noch in Schlagweite und wir hatten sogar ein Spiel weniger. Langsam spürten alle, dass die Saison was gehen könnte. Und am Mittwoch kam Rot-Weiß Oberhausen zu Besuch für die 2. Runde des DFB-Pokals. Da wollten wir natürlich auch weiter.


    Bis dahin bekam aber unser Mannschaftsarzt Kevin Hitzlsperger viel meiner Aufmerksamkeit geschenkt, was daran lag, dass er täglich eine neue Mitteilung für mich hatte. Die erste war, dass der Heilungsprozess bei Brighache sehr gut vorangeht. Er macht Fortschritte, die erst in 2 Wochen angedacht waren. Danach folgte eine Knöchelprellung von unserem Oldie Fuchs, welche ihn für 2 Wochen außer Gefecht setzt. Ärgerlich, hätte ich ihn doch gerne im Pokalspiel mit seiner Erfahrung gebracht. Und dazu viel Rama dann noch aus. 4 Tage wegen einem Bluterguss. Also würden definitiv Lewerenz und Pagenburg starten.


    Nach diesen ganzen Meldungen dachte ich, ich kann mal durchatmen. Aber dann kamen noch 3 Anrufe. Der erste von dem Spielerberater, der uns Palacios angeboten hatte. Ich dachte er will uns absagen, da ich, nachdem Lazio Rom mehr geboten hatte, nicht mehr mitgegangen bin. Aber der Jugendspieler entschied sich doch für uns. Und was soll ich sagen: Es hat sich gelohnt. Zwar noch nicht so stark (Spielstärke 43) aber wirklich talentiert (8/10). Ich denke er wird auch irgendwann in der ersten Mannschaft dabei sein. Der zweite Anruf kam von Christoph. Thomas Konrad - unser 4. Innenverteidiger - wird im Winter für 25.000 EUR nach Japan zu Teda wechseln. Eigentlich wollte ich ihn mehr spielen lassen, da er nicht viel schlechter als Klinger, aber jünger war. Doch hat mich Klinger mehr überzeugt, da dieser auch DM spielen kann. Konrad hat daher um die Freigabe gebeten und wir haben ihm diesen Wunsch erfüllt.


    Und dann kam die Schocknachricht. Der dritte Anruf kam von meiner Mutter. Denn mein Vater lag nach einem schweren Herzinfarkt im Krankenhaus und ich sollte sofort nach Köln kommen. Eigentlich wollte ich mein Team beim Pokal nicht hängen lassen, aber mein Vater ist mein Held und ich würde es mir nicht verzeihen, wenn er darunter leiden müsste. Aus der Mannschaft hatte jeder Verständnis und Carsten übernahm die Leitung des Spiels.


    Am Mittwochabend stand ich vor dem Krankenhaus. Das Spiel musste längst gelaufen sein. Bevor ich mich um meine Familie kümmere. Wollte ich mich erstmal um den Rest gekümmert haben.


    "Hey Carsten? Hier ist Markus. Wie ist es gelaufen?"


    "Knappe Geschichte, aber wir haben es geschafft. Pagenburg und Lewerenz sind völlig platt, da wir im Sturm nicht wechseln konnten und es in die Verlängerung ging. Pagenburg hat dann auch das Tor geschossen."


    "Das ist super."


    "Du klingst nicht happy. Hast du schon was rausbekommen?"


    "Nein, ich geh gleich rein. Ich meld mich morgen und erzähl dir dann alles."


    "Alles klar, bis morgen dann. Und lass den Kopf nicht hängen. Wir alle bei der Eintracht sind für dich da. Gemeinsam sind wir unschlagbar!"

  • Teil 007 - Totgesagte schießen mehr Tore


    Trierischer Volksfreund


    Erstaunlich. Anders kann man die Situation bei der Eintracht nicht bezeichnen. Noch immer hält man am Cheftrainer Markus Waldrichter fest. Mehr als Platz 5 ist noch nicht herausgesprungen. Wahrscheinlich endet die Saison wieder einmal ohne den ersehnten Aufstieg in die 3. Liga. Und sind wir ehrlich: Sollte Waldrichter versagen, wird auch die Luft für Herrn Adlung ziemlich dünn. Immerhin hatte er sich für den aktuellen Trainer eingesetzt. Zudem war der Trainer in der 2. Runde des DFB-Pokals nicht anwesend. Trotzdem wurde die nächste Runde glücklich erreicht. Es wird vermutet, dass die bisherigen Siege eher an Co-Trainer Carsten Schwertl liegen als an seinem Chef. Spätestens nach der absehbaren Niederlage gegen Leverkusen wird aber Schluss sein.


    Wir warten gespannt die nächsten Wochen ab.


    Ich knüllte die Zeitung zusammen und schmiss sie in den nächsten Mülleimer. Es folgte ein tiefer Zug an meiner Zigarette. Eigentlich rauchte ich nicht, aber die Situation ließ mich kurzzeitig rückfällig werden. Meinem Vater ging es den Umständen entsprechend gut, aber wirklich reden konnte ich mit ihm nicht. Dazu die Erwartungen an mich und den Verein.


    Als ich so rauchend vor dem Trainingsgelände stand, sah ich Rama auf mich zukommen. Erschrocken fing ich an zu husten, schmiss die Zigarette weg und versuchte den Rauch wegzufächern.


    "Schon gut, Trainer. An Ihrer Stelle würde ich wohl auch rauchen. Carsten hat uns alles erzählt.", begrüßte er mich. "Sie können Sich aber sicher sein, dass die Mannschaft für Sie da ist."


    "Danke Ingo! Das bedeutet mir wirklich viel. Ich hoffe nur ich werde dem gerecht..."


    Rama stellte sich neben mich und legte tröstend seine Hand auf meine Schulter: "Wenn Sie mich zum Spieler des Monats September machen konnten, dann schaffen Sie alles andere auch! Rauchen Sie ruhig noch eine, aber zur Gewohnheit sollte das nicht werden." Er lächelte und ging vor.


    Ich setzte mich kurz, zündete mir eine weitere Zigarette an. Als ich so über die Worte meines Top-Talents nachdachte, blickte ich auf die angezündete Zigarette. Ich stand auf, schmiss die Zigarette weg und ging aufs Trainingsgelände.


    3 Tage nach dem Pokalspiel ging es im Ligabetrieb schon wieder weiter. Leider hatte sich Abelski im Training eine Oberschenkelzerrung zugezogen, sodass ich umplanen musste. Spang war noch nicht bereit für die erste Elf. Aber Lewerenz war es und so startete er hinter Rama und Pagenburg.


    11. Spieltag

    (7) KSV Hessen Kassel - SV Eintracht Trier (5)  

    [631] - [662]

    Aufstellung:

    Lobué

    Vogtland | Hollmann | di Gregorio | Zittlau

    Gaede

    Watzka LÜCKENFÜLLER Kuduzovic

    Lewerenz

    Rama | Pagenburg

    Wechselspieler: Dingels, Lubasa, Spang

    Karten: Gaede (Foul)

    Spieler des Spiels: Kuduzovic (1,5)




    Super Spiel. Und alle 3 Torschützen widmeten Ihre Tore mir. Ich möchte nicht leugnen, dass ich eine Träne im Auge hatte. Als mir dann noch die Fans mit Gesängen den Rücken stärkten, konnte ich nicht mehr anders. Ich ging das erste Mal nach dem Spiel in die Kurve der mitgereisten Fans und applaudierte. Dieser Zusammenhalt war besonders. Und ich fasste immer mehr Mut, alles schaffen zu können, was wir entgegenschlug.


    Bis zum nächsten Spiel meldete sich mal wieder unser Mannschaftsarzt bei mir. Dingels zog sich beim Spiel eine Muskelverhärtung zu, würde aber bis zum nächsten Spiel wieder fit. Anders bei Anton. Er litt an einer Bauchmuskelzerrung und würde 2 Wochen fehlen. Zugegeben, als Christoph letztens einen Ball ins Gesicht bekam als er beim Training zusah, war das schon sehr lustig. Aber deshalb eine Zerrung. Nun gut.


    12. Spieltag

    (13) FC Bayern Alzenau - SV Eintracht Trier (4)  

    [596] - [653]

    Aufstellung:

    Lobué

    Vogtland | Klinger | di Gregorio | Zittlau

    Kröner

    Watzka LÜCKENFÜLLER Kuduzovic

    Lewerenz

    Pagenburg | Rama


    Wechselspieler: Dingels, Gaede, Spang

    Karten: -

    Spieler des Spiels: Daniel Müller (ST, 2,0)




    Wieder einmal zeigt sich, dass Klinger zu Recht die Nummer 3 ist. Im Positiven wie im Negativen. 88 Minuten eine gute Leistung. Aber kurz vor Ende hat er gepennt. Aber ich mache ihm keinen Vorwurf. Dazu überraschte mich Lewerenz erneut. Er hat in den Spielen davor nicht wirklich die Möglichkeit bekommen sich auszuzeichnen. Aber wenn ich ihn brauche, ist er da.


    Neuer Tag, gleicher Arzt. Wieder Kevin Hitzelsperger, diesmal mit erfreulicheren Nachrichten, denn Fuchs und Abelski sind wieder fit. Abelski wird spielen - das war klar - aber Fuchs hat nach den letzten Auftritten von Lewerenz einen schweren Stand. Trotzdem will ich seine Erfahrung nicht missen. Weniger Erfahrung hat dagegen Florian Eckhoff, welcher für die neue Saison einen Profivertrag unterschrieb (LM, :star3::star3::star2:, 18 J., 48).


    Gegen die Reserve der Roten Teufel war Erfahrung nicht was ich brauchte. Was ich aber brauchte, war meine beste Elf. So rückte wie schon erwähnt Abelski in die Startelf und Hollmann war auch wieder ausgeruht. Kröner hatte es sich auch verdient, vorerst in der Startelf zu bleiben.


    13. Spieltag

           (5) SV Eintracht Trier - 1. FC Kaiserslautern (19)

    [653] - [607]

    Aufstellung:


    Lobué

    Vogtland | Hollmann | di Gregorio | Zittlau

    Kröner

    Watzka LÜCKENFÜLLER Kuduzovic

    Abelski

    Pagenburg | Rama




    Wechselspieler: Dingels, Konrad, Lewerenz

    Karten: Abelski (Meckern)

    Spieler des Spiels: Vogtland (1,0)




    Lewerenz tat das, was sonst Abelski tat. Tore schießen. Und der mannschaftsdienliche Rama war auch wieder weltklasse. Er kann sich garnicht vorstellen, wie froh ich bin ihn im Team zu haben. Und ja, ich hab vielleicht das ein oder andere kleine Problem mit Pagenburg, aber seine Sprunggelenksverletzung ließ mich nicht jubeln. 3 Wochen Pause waren die Folge. Auch wenn er bisher kaum Tore geschossen hat, sorgten seine Ecken immer wieder für Gefahr. Und es ist noch nicht abzusehen, wer dies nun übernehmen wird. Eine Woche hatte ich um mir dies zu überlegen. Denn dann fuhren wir nach Großaspach


    14. Spieltag


    (10) SG Sonnenhof Großaspach - SV Eintracht Trier (5)                

    [619] - [655]

    Aufstellung:

    Lobué

    Vogtland | Hollmann | di Gregorio | Zittlau

    Kröner

    Watzka LÜCKENFÜLLER Kuduzovic

    Abelski

    Lewerenz | Rama


    Wechselspieler: Dingels, Klinger, Spang

    Karten: -

    Spieler des Spiels: di Gregorio (1,5)



    LEWERENZ! 1 Monat, 4 Spiele, 5 Tore. Unglaublich was dieser Mann hier abliefert. Das bringt ihm zurecht den Titel Spieler des Monats Oktober ein und uns den 3. Platz in der Liga. Einige im Verein und von den Fans hatten ihn bereits als Flop abgetan, doch es bewahrheitete sich erneut: Totgesagte schießen mehr Tore.


    "Du siehst zufrieden aus, Markus! Ich hab dich lang nicht mehr so gesehen.", sprach mich Antonio gläserputzend an, während ich wieder ein Glas Mulata de Cuba schwenkte und zur Porta Nigra herübersah.


    "Das stimmt.", lächelte ich ihm entgegen. Plötzlich klingelte mein Handy. "Hallo Christoph, schön von dir zu hören! Wie kann ich dir helfen?"


    "E-Euhm hey Markus... Du. Ähm. Ich muss dir, glaube ich, was erzählen..."


    "Was denn?", fragte ich interessiert. Im Hintergrund hörte ich von der anderen Seite des Hörers eine Tür, die sich öffnet.


    "A-Ach schon gut. Wir sehen uns.", beendete Christoph das Gespräch kurzatmig und legte auf. Merkwürdig. Aber zunächst machte ich mir keinen Kopf. Meine Laune war zu gut und so stieß ich mit Antonio an.


    Wieder blickte ich zur Porta, die mich anzulächeln schien. Als wöllte sie mir sagen: "Du bist am richtigen Ort."